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Sport Regional Verhärtete Fronten: Icefighters Leipzig momentan ohne Startrecht in der Oberliga
Sportbuzzer Sport Regional Verhärtete Fronten: Icefighters Leipzig momentan ohne Startrecht in der Oberliga
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15:11 11.06.2012
Die Fans der Icefighters beim letzten Saisonheimspiel ihrer Mannschaft im Februar 2012. Quelle: Christian Nitsche
Leipzig

Der Grund: Die Verantwortlichen der die Mannschaft betreuenden Betreibergesellschaft haben eine weitere Kooperation mit dem Stammverein SV Fortuna 02 abgelehnt. Der aber ist Träger des Oberligaspielrechts. Icefighters-Geschäftsführer André Krüll bestätigte den Sachverhalt am Montag ebenso wie der Präsident des Sächsischen Eissport Verbandes (SEV) Lutz Michel.

„Ich habe den Eindruck, dass alle die im Boot sitzen, ihre Paddel weggeschmissen haben und nun nicht mehr manövrieren können“, so Michel. Streitpunkt ist die für das Antreten in der Oberliga nötige Spielberechtigung. „Der SV Fortuna hat sich diese Berechtigung durch den Aufstieg der zweiten Mannschaft im Jahr 2010 erspielt“, so der SEV-Präsident. Dieser Aufstieg ermöglichte den Verbleib der Leipziger in der dritthöchsten Spielklasse, obwohl die damalige Betreibergesellschaft Insolvenz anmelden musste und deshalb ein Zwangsabstieg der ersten Mannschaft bevorstand.

Die neuen Betreiber um André Krüll und Falk Hanewald gingen in der Folge eine Kooperation mit Fortuna ein. „Eine Zwangsehe“, wie Krüll am Montag sagte. Eine, aus der er sobald als möglich scheiden wollte. „Wir können einfach nicht miteinander.“ Er empfindet die geltenden Regelungen beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB), denen der Spielbetrieb der Oberliga-Ost unterliegt, als unzumutbar. „Da der Verein das Spielrecht hat, kann er einer Betreiber-GmbH immer die Bedingungen diktieren, trägt aber nicht das finanzielle Risiko“, schimpft Krüll.

Sonderfall Leipzig

Die Geschäftsführer der Icefighters Leipzig: André Krüll (l.) und Falk Hanewald. Quelle: Regina Katzer

Leipzig ist in dieser Hinsicht ein Sonderfall“, sagt Lutz Michel. Der Normalfall sei, dass ein Verein den Spielbetrieb seiner ersten Mannschaft in eine GmbH ausgliedere, um das finanzielle Risiko zu minimieren. „In Leipzig gibt es kein kommunales Eis. Deshalb wird zunächst eine GmbH gebraucht, um die Eisfläche zu betreiben. Die wiederum sucht quasi einen Verein, mit dem sie kooperieren kann. Mitglied im Verband ist der Verein.“ Sich einfach einen neuen Kooperationspartner zu suchen, sei deshalb problematisch.

Genau das bekommen jetzt die Icefighters-Verantwortlichen zu spüren. „Unser Ziel war immer, einen eigenständigen Eissportverein zu etablieren und das Spielrecht von Fortuna an diesen zu übertragen.“ Am 13. November 2010 gründete sich auch deshalb der Leipziger Eissportclub (LEC), der knapp ein Jahr später auch eine Abteilung Eishockey ins Leben rief.

„Eine Übertragung des Spielrechts ist nur möglich, wenn beide Vereine verschmelzen, also quasi fusionieren, oder mehr als zwei Drittel der spielberechtigten Mitglieder den Verein wechseln“, stellt Lutz Michel klar. Dabei müsse es sich um einen kollektiven Vereinwechsel und keinen kleckerweisen Übertritt handeln. „Die Spielpässe der betreffenden Mitglieder müssen im Paket zur Umschreibung beim Verband vorgelegt werden. Nur dann handelt es sich um einen kollektiven Vereinswechsel.“

Fortuna-Mitglieder entschieden sich gegen Vereinswechsel

Ein Umstand, der den Icefighters-Verantwortlichen bekannt war. „Ich habe dieses Prozedere allen Beteiligten mehrfach erläutert“, so Michel. Das bestätigt Dennis Syumko, seit Ende April Leiter der Abteilung Eishockey beim SV Fortuna. Nach seinen Angaben verfügte sein Verein im Dezember 2011 über rund 100 spielberechtigte Mitglieder in verschiedenen Altersklassen. Vier Nachwuchsteams nahmen am Spielbetrieb teil.

Anfang 2012 und am 14. April habe es Abteilungsversammlungen gegeben. „Die Mitglieder konnten abstimmen, ob sie zum LEC übertreten wollen“, so Syumko. Die Mehrheit habe sich jeweils dagegen entschieden. Aktuell seien noch etwa 70 spielberechtigte Mitglieder verblieben. In verschiedenen Internetforen wird behauptet, bei den Abstimmungen sei es nicht rechtens zugegangen. „Unsere Sitzungsprotokolle sind einsehbar. Ich bin überzeugt, dass alles korrekt abgelaufen ist“, sagt Syumko. Für die kommende Spielzeit hat der SV Fortuna zwei eigene Nachwuchsmannschaften gemeldet.

Steht dem Leipziger Eissportclub (LEC) vor: Matthias Hampe. Quelle: Haig Latchinian

Noch keine eigene Mannschaft hat der LEC. Laut Matthias Hampe, Vorsitzender des Vereins, habe man inzwischen etwas mehr als 20 spielende Mitglieder in der Abteilung. „In der kommenden Saison sollen die Kinder und Jugendlichen in Teamgemeinschaften mit dem ESC Halle 04 am Spielbetreib teilnehmen“, so Hampe, der sich ansonsten in den Streit zwischen den Icefighters und Fortuna nicht einmischen will, aber auf das beim LEC vorhandene sportliche Gesamtkonzept verweist. „Das haben wir gemeinsam mit Icefighters-Trainer Mannix Wolf entwickelt. Das zeichnet uns aus“

Die Fronten sind verhärtet

Wie es Tradition ist in der jüngeren Geschichte des Kufensports an der Pleiße, sind die Fronten zwischen allen Beteiligten inzwischen stark verhärtet. In einem Statement auf der Homepage der Icefighters schloss André Krüll unlängst eine weitere Kooperation mit Fortuna aus. „Das war auch das erste, was Herr Krüll bei einem gemeinsamen Gesprächstermin mit uns und dem LEC sagte“, erinnert sich Dennis Syumko, der seinerseits sagt: „Unser erster Ansprechpartner sind die Icefighters. Wir waren und sind zu einer Kooperation bereit. Wir sind auch bereit, wie in der vergangenen Saison für die von uns genutzten Eiszeiten zu bezahlen.“

Inzwischen erging ein Schreiben vom LEC an alle Oberliga-Vereine, das um Unterstützung für das Icefighters-Anliegen wirbt und den schwarzen Peter dem Verband zuschiebt. Es folgten ein scharfes Rundschreiben von Fortuna sowie deutliche Worte vom Sächsischen Eissportverband (alle Schreiben liegen der Redaktion vor). In einer von Icefighters-Stürmer Lars Müller gegründeten Facebook-Gruppe bitten mehr als 1200 Mitglieder „Fortuna, bitte gib uns die Lizenz“. In Online-Foren diskutieren Fans aller Lager hochemotional.

Nur noch drei Möglichkeiten

Spielt im Nachwuchskonzept des LEC eine entscheidende Rolle: Icefighters-Coach Manfred Wolf. Quelle: Christian Nitsche

„Im Grunde gibt es derzeit nur drei Möglichkeiten“, sagt André Krüll. Entweder man kooperiere mit dem LEC und trete in der niedrigsten Spielklasse, der Regionalliga an. „Dort hätten wir Stand jetzt nur acht Saisonheimspiele. Damit können wir unsere Eisfläche nicht finanzieren.“ Bekanntlich planen die Icefighters den Umzug in den Kohlrabizirkus, da die bisher genutzte Halle 6 auf dem Alten Messegelände nicht mehr zur Verfügung steht. „Es ist auch möglich einfach zu sagen, es hat keinen Sinn mehr. Es gibt inzwischen so viele Baustellen, und wir machen das alles ehrenamtlich. Irgendwann ist die Kraft zu Ende“, so Krüll, der selbst sagt, diese Option sei inzwischen nicht mehr so unwahrscheinlich.

Die dritte Möglichkeit: Fortuna und die Icefighters einigen sich doch noch. „Wir müssen die Gespräche wohl noch einmal suchen“, sagt Krüll. Doch die Zeit drängt. Am 30. Juni ist Meldeschluss für die Oberliga.

„Es gibt noch eine weitere Variante“, sagt Dennis Syumko. Er habe sich in der vergangenen Woche mit Icefighters-Coach Wolf getroffen. „Wir waren uns einig, dass es möglich sein muss, dass Fortuna und der LEC in der kommenden Saison zusammen trainieren und spielen, als eine Art Übergangssaison.“ Entwickele sich alles gut, könnten Spielrecht und –betrieb in einen gemeinsamen Verein übergehen.

Antje Henselin-Rudolph

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