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Sportbuzzer Niclas Pieczkowski: „Es muss harmonieren im Team“
Sportbuzzer Sportbuzzer Niclas Pieczkowski: „Es muss harmonieren im Team“
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23:01 03.04.2018
Niclas Pieczkowski im Trikot des SC DHfK. Quelle: Picture Point
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Leipzig

Niclas Pieczkowski vom SC DHfK Leipzig hatte bei der Handball-Europameisterschaft im Januar wegen einer Schulterverletzung gefehlt. In dieser Woche gibt er sein Comeback in der deutschen Nationalmannschaft, die am Mittwochabend (19 Uhr) in der Arena Leipzig in einem Testspiel auf Serbien trifft. Es ist das erste Länderspiel der DHB-Auswahl nach der verkorksten EM und nach den wochenlangen Querelen um die Weiterbeschäftigung von Bundestrainer Christian Prokop. Im Interview äußert sich der Rückraumspieler Pieczkowski (28) zur Situation in der Auswahl und beim SC DHfK.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Länderspiele am Mittwoch in Leipzig sowie am Sonnabend in Dortmund?

Ich hoffe auf zwei Siege und darauf, dass wir alle an einem Strang ziehen. Beides wäre wichtig für die Moral nach allem was in den vergangenen Monaten – auch medial – passiert ist. Ich selbst möchte natürlich auch einen guten Neustart im Nationalteam erwischen, nachdem ich die EM durch meine Schulterverletzung verpasst hatte.

Vor der Heim-WM 2019 wird es „nur“ Testspiele, keine hammerharten Pflichtspiele geben. Welche Aussagekraft haben die Tests? Hängen sich die Gegner mit 100 Prozent rein?

Diese Spiele stehen sicher nicht auf dem Niveau eines großen Turniers, aber zu lasch geht es auch nicht zu. Ich finde vor allem die Zeit wichtig, die wir als Team miteinander verbringen. Das Zusammenspiel, die Kommunikation auf dem Spielfeld, die Absprachen sollen sich entwickeln. Es muss harmonieren im Team, denn wenn man nur instinktiv handelt, geht es häufiger in die Hose.

Sie selbst wurden nicht mit zum Prügelknaben, weil Sie im Januar nicht dabei waren. Können Sie so im Nachhinein der verpassten EM etwas Positives abgewinnen?

Absolut nicht, für mich war es ein Rückschlag. Um so mehr freue ich mich, dass der Trainer mich nun schon wieder nominiert hat. Darüber bin ich auch ein wenig überrascht. Das Vertrauen möchte ich gern zurückzahlen.

Welchen Eindruck hatten Sie vom deutschen EM-Team?

Ich fand die Leistung gar nicht so schlecht. Wir hatten schwache 20 Minuten gegen Slowenien und eine schwache zweite Halbzeit gegen Spanien. Dann bist du ausgeschieden, statt im Halbfinale zu stehen. Natürlich waren die Erwartungen hoch. Aber ich fand es nicht richtig, dass wir so niedergemacht wurden. Vieles habe ich auch gar nicht gelesen. Ich interessiere mich nicht so sehr dafür, was andere über mich und die Mannschaft denken. Anfangs findest du es als junger Spieler spannend, in der Zeitung zu stehen. Aber irgendwann ist das nicht mehr entscheidend.

Wo steht der deutsche Männer-Handball? Spiegelt der neunte EM-Platz den Leistungsstand wider?

Das finde ich nicht. Es ist oft eine Frage des Modus, ob du Punkte in die Zwischenrunde mitnimmst oder nicht. Wenn nach der Vorrunde gleich K.o.Spiele kommen, ist es vielleicht leistungsgerechter. Es geht an der Weltspitze wahnsinnig eng zu. Es ist wichtig, bei so einem Turnier die Welle zu treffen, wie wir es 2016 geschafft haben. Die Spanier hatte keiner so richtig auf der Rechnung, jetzt sind sie Europameister.

Erfüllt das DHB-Team noch das Image der Bad Boys?

Dies wurde 2015 vor der WM von Dagur Sigurdsson eingeführt. Er hatte den Jungs einen Film der Detroit Pistons (NBA-Basketball-Team) gezeigt, die auch keine Weltklassespieler in ihren Reihen hatten. Aber sie haben hart gedeckt, sind den Gegnern auf den Sack gegangen. Von ihnen hing auch ein Bild in der Kabine. Auch wir hatten keine Stars, waren eine Mannschaft, die über die Härte kommt. Wir haben in der Zeit hinten ein Bollwerk hingestellt. Ich finde, das Bad-Boy-Image gilt für die Deckung immer noch. Und ich denke, Christian Prokop findet’s gut, auch er arbeitet mit solchen Bildern, ist ebenfalls ein Freund harter Deckung.

Hätten Sie wegen Ihrer Schulter im Dezember das ein oder andere Spiel weglassen sollen?

Wir hatten mit dem SC DHfK wichtige Spiele vor der Brust und ich fühle mich natürlich dem Verein und Arbeitgeber gegenüber verpflichtet. Ich hatte eine gereizte Schulter. Dass sich der Zustand in dem Maße verschlechtert, war nicht unbedingt abzusehen. Hinterher ist man mitunter schlauer.

Warum holpert es seit Februar im DHfK-Spiel?

Die Erwartungshaltung steigt, weil wir seit Jahren einen positiven Trend gezeigt und uns oben etabliert haben. Wenn du dann nicht gewinnst, stellst du einiges in Frage. Wir müssen wieder mit Spaß Handball spielen, es gibt keinen Grund, verkopft zu sein. Wir sollten auch mal wieder den Instinkt walten lassen. Man muss uns zu Gute halten, dass wir klare Rückstände noch aufgeholt und Spiele teilweise sogar gedreht haben. Deshalb würde ich nicht von einer Krise reden. Eine Krise habe ich in Lübbecke erlebt, als wir ein halbes Jahr lang den Arsch nicht hochbekommen und kein Spiel gewonnen haben.

Schlägt es auf die Stimmung, dass Benjamin Meschke den Verein verlassen wird und es auch Wechselgerüchte um Yves Kunkel gibt?

Nein. Dass Wechsel anstehen, ist im Handball normal, das gehört zum Geschäft.

Ihr Sohn ist jetzt neun Monate alt. Wie sehr hat sich für Sie als Leistungssportler der Rhythmus seither geändert?

Der Rhythmus ändert sich daheim komplett. Und wenn der Kleine fünf, sechs Mal in einer Nacht wach ist, hängt man auch mal durch. Direkt vor den Spielen übernimmt immer meine Frau die Betreuung. Am Ende muss jede Familie ihren Rhythmus finden.

Von Frank Schober und Alexander Bley

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