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Sportmix „Darts muss olympisch werden“
Sportbuzzer Sportmix „Darts muss olympisch werden“
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14:37 06.01.2017
Max Hopp ist Deutschlands bester Darts-Spieler. Quelle: dpa
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Hannover

Reiner Calmund? „Ist ein netter Kerl“, findet Darts-Profi Max Hopp (20). „Bei der WM hat er mir nach meinem Sieg in Runde eins per SMS gratuliert.“ Ob der ehemalige Fußballmanager aber auch gut im Pfeilewerfen ist? Das wird Hopp am Sonnabend erfahren, wenn er mit Calmund ein Team bei der Promi-Darts-WM von Pro7 bildet. „Da will ich gewinnen“, sagt Hopp, dann beginnt das Interview.

Herr Hopp, die Darts-WM hat in diesem Jahr wieder ein Millionenpublikum begeistert. Für Sie war jedoch früh Schluss. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Äußerst positiv. Ich bin sehr stolz auf meinen Sieg in der ersten Runde. Da hat alles gestimmt. Leider konnte ich im zweiten Spiel nicht daran anknüpfen. 0:4 gegen Kim Huybrechts klingt sehr hart. Aber es war jetzt auch nicht unterirdisch schlecht. Entscheidend war meine schlechte Quote bei Würfen ins Doppelfeld. Da habe ich zu viele Chancen ausgelassen, einen Satz zu gewinnen.

Woran lag es? Waren Sie zu nervös?

Ich glaube, es lag an meiner zu hohen Erwartungshaltung. Ich wollte unbedingt im Achtelfinale gegen Rekordweltmeister Phil Taylor spielen, er ist eine Legende. Da hat der Kopf nicht ganz mitgespielt.

Immerhin wurde in diesem Jahr, auch dank Ihnen, so viel über die Darts-WM berichtet wie noch nie.

Ja, das ist großartig. Darts ist ein Trendsport, der seit Jahren wächst. Wir haben immer mehr Zuschauer im TV und in den Hallen. Es ist schön zu sehen, dass Darts auch in Deutschland nach und nach sein Kneipen-Image verliert. Die große Party im Publikum gehört aber natürlich dazu, das macht Darts ja auch so besonders.

Stören die singenden Zuschauer eigentlich manchmal?

Ich versuche, das Drumherum auszublenden. Deshalb bereiten wir uns ja auch bis zu vier Stunden vor dem Match in einem ruhigen Raum vor, obwohl wir wissen, dass da draußen ein Irrenhaus auf uns wartet. Der eine schafft das mit Meditieren, der andere mit Musik.

Wie ist es bei Ihnen?

Ich höre Musik.

Welche Songs?

Alles, was mich motiviert. Von Matthias Reim bis Linkin Park und Jay- Z. „Erfolg ist kein Glück“ von Kontra K ist eines der letzten Lieder, die ich vor dem Match höre. Das passt ganz gut, denn mein Erfolg ist ja auch das Ergebnis harter Arbeit.

Sie haben sich mit 16 Jahren für eine Darts-Karriere entschieden.

Genau. Ich musste meine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann abbrechen, weil die Firma insolvent war. Da ich auf die Schnelle keinen neuen Platz fand, stand ich vor der Wahl: Freiwilliges Soziales Jahr oder Profikarriere?

Die Sekunde, in der sich Ihr weiterer Lebensweg entscheiden sollte.

Das war eine echt schwere Entscheidung. Ich hatte mich kurz zuvor erstmals für die WM qualifiziert, also bin ich zu meinem Papa gegangen und habe gesagt: „Ich will meinen Traum leben und es als Darts-Profi probieren. Eine Ausbildung kann ich doch auch noch mit 20 machen.“ Das war für meinen Papa okay, und die Entscheidung von damals habe ich bis heute nicht bereut.

Sie haben in den Jahren danach Angebote von einflussreichen britischen Managern abgelehnt. Warum?

Ich habe lieber meine Freunde und Familie um mich herum als irgendeinen Manager. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich mir alles selbst aufgebaut habe. Das ist mein Baby, das möchte ich ungern in andere Hände geben, zumal ich als Jugendlicher schlechte Erfahrungen mit Managern gemacht habe. Die haben nur ihren eigenen Vorteil gesehen und wollten mich übers Ohr hauen.

Was muss passieren, damit mehr deutsche Spieler in die Weltspitze rücken?

Im Nachwuchsbereich muss einiges verbessert werden. In Großbritannien und den Niederlanden zum Beispiel gibt es Darts-Akademien, wie bei uns im Fußball. Da müssen wir auch hin! Aber dafür brauchen wir Sponsoren.

Fällt vom Darts-Boom noch zu wenig für die Basis ab?

Ja. Aber wir brauchen auch einen deutschen Topspieler, der solche Sponsoren anzieht. So wie mit Boris Becker damals im Tennis.

Wollen Sie dieser Topspieler werden?

Na klar! Ich möchte in die Weltspitze. Ich habe aber gelernt, mir dafür Zeit zu nehmen. Ich bin erst 20 Jahre alt. Auch ein Michael van Gerwen musste sieben Jahre Durststrecke in Kauf nehmen, bevor er zum Seriensieger wurde. Das geht nicht von heute auf morgen. Ich wünsche mir für Darts in Deutschland und für mich persönlich eine gesunde Entwicklung, damit es dann in ein paar Jahren durch die Decke geht.

Wie wäre es mit Darts bei Olympia?

Das wäre super! Darts sollte unbedingt olympisch werden. Ich weiß aber nicht, wie das mit den Zuschauern wäre. Die dürften bei Olympia bestimmt nicht so abgehen wie bei der WM im Alexandra Palace.

Am Wochenende nehmen Sie an der Promi-Darts-WM von ProSieben teil. Michael van Gerwen kommt auch.

Das zeigt doch, welchen Stellenwert Deutschland im Darts hat. Van Gerwen könnte nach seinem WM-Sieg auch ganz andere Dinge tun. Er hat nach seinem Triumph ja sogar einen Anruf vom niederländischen Ministerpräsidenten erhalten. Das sagt doch alles. Das wäre, als würde sich Angela Merkel bei mir melden.

Kann ja noch kommen.

(lacht) Klar, Darts hat das Potenzial, richtig groß bei uns zu werden. Wenn Frau Merkel anrufen sollte, würde ich auf jeden Fall rangehen.

Von Patrick Hoffmann

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