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Sportmix Die Quarterbacks und Donald
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19:06 04.02.2017
Die Quarterbacks: Matt Ryan (31) und Tom Brady (39) Quelle: RND/dpa
Houston

Nimmersatter Seriensieger gegen Newcomer – oder: Tom Brady (39) gegen Matt Ryan (31). Das ist das Drehbuch des diesjährigen Gipfeltreffens der NFL. Auf der einen Seite Thomas Edward Patrick Brady, der Quarterback schlechthin. Nachdem Dauerrivale Peyton Manning vor der Saison zurückgetreten war und „Big Ben“ Roethlisberger sich mit Rücktrittsgedanken trägt, scheint sein Stern hell.

Ryan hingegen war bisher wahrlich kein Playoff-Spieler. In fünf Saisons stehen drei Erstrunden-K.o.s, ein Zweitrunden-Aus und nur ein Finaleinzug zu Buche. Als Ryan seine Karriere am Boston College als Starting Quarterback begann, hatte Tom Brady ein paar Meilen entfernt mit den Patriots schon drei Super-Bowl-Ringe gewonnen.

Bradys Beliebtheit hat gelitten

Das müsste doch eigentlich eine klare Angelegenheit sein, könnte man meinen. Aber zum Glück ist Papier ja geduldig und Statistik nur die halbe Wahrheit. Denn so phänomenal die Physis des bald 39-jährigen Brady auch sein mag, der Leitwolf hat schon deutliche Narben im Pelz.

Denn da ist das Stigma des, sagen wir, Tricksers, der immer an die äußerste Grenze der Fairness geht, um sein Team voran zu bringen. Dieser Ruf rührt vor allem von der „Deflategate“-Affäre her. Dabei ging es um den Vorwurf, die Patriots hätten im Halbfinale der Saison 2015 Bälle verwendet, die nicht den von der Liga vorgeschriebenen Fülldruck hatten. Beim American Football darf jedes Team eigene Bälle mitbringen.

Viel Wind um zu wenig Luft

Die Liga suspendierte daraufhin Brady, der jegliche Mitwisserschaft bestreitet. Er legte Widerspruch ein, aber Ligachef Roger Goodell lehnte den ab. Daraufhin zog Brady vor Gericht und bekam Recht. Die Liga legte dagegen erneut Widerspruch ein und gewann. Nach diesem Eiertanz um Zehntel-Atü, deren Wirkmächtigkeit nie bewiesen wurde, saß Brady eine Sperre zu Beginn dieser Saison ab.

Doch hinderte die Patriots nicht daran, mit drei Siegen und einer Niederlage in die Saison zu starten. Golden Boy Brady, der mit dem brasilianischen Topmodel Gisele Bündchen verheiratet ist, kehrte triumphierend zurück.

Bradys Nähe zu Trump

Schon beim „Deflategate“ war ihm übrigens ein mächtiger Freund beigesprungen: Golf-Kumpel Donald J. Trump. Der gab auch im Wahlkampf mit seiner 15 Jahren währenden Freundschaft zum Brady an.

Diese Nähe, die Brady auch immer wieder betonte, wird für Brady jetzt allerdings zur Belastung. Der Superstar rudert zurück. „Warum ist das so eine große Sache? Ich verstehe das nicht“, sagte er. „Ich will da nicht näher drauf eingehen. Wenn man jemanden kennt, heißt das ja nicht gleich, dass du mit allem, was der sagt einverstanden bist. Stimmt’s?“

Brady hatte sich nicht von Trump distanziert, nachdem dieser das sogenannte „Muslimban“-Dekret erlassen hatte. Das wird Brady nun übelgenommen.

Bei den Patriots, deren Eigentümer Robert Kraft und Chefcoach Bill Belichik ebenfalls als Trump-Anhänger gelten, formiert sich Widerstand an der Basis. So hat Offensivspieler Martellus Bennett angekündigt, im Falle eines Sieges nicht zum traditionellen Empfang im Weißen Haus zu erscheinen. „Ich unterstütze den Mann nicht“, ließ er verlauten.

In Massachusetts, der Heimat der Patriots, erhalten die Demokraten gemeinhin mehr als 60 Prozent der Wählerstimmen. Da half Bradys ausweichende Aussage in Houston auch nicht weiter: „Was passiert eigentlich gerade in der Welt? Ich habe gar nicht so recht darauf geachtet. Ich bin nur ein positiver Mensch.” Die Zeitung USA Today kommentierte das Rumgeiere kurz und knapp mit den Worten: „Wer schweigt, stimmt zu.“

Brady vor Rekord, Ryan gelassen

Politik überschattet in diesem Jahr den Superbowl wie nie zuvor. Dabei könnte Brady in Houston der erste Quarterback werden, der fünfmal den Super Bowl gewonnen hat. Dagegen spricht nur zweierlei: die unglaubliche Gelassenheit von Matt Ryan und die Urgewalt von dessen Offense.

Ryan stand bisher zwar eher für einen Spieler, dem in den Playoffs nichts gelingt. Doch der ambitionierte Spieler holte sich vor dieser Saison Rat bei den Football-Gurus Adam Dedeaux und Tom House in Kalifornien. Seitdem ist er die Effektivität in Person. Ryan belegt in allen Quarterback-Statistiken dieser Saison entweder den ersten oder zweiten Platz. Und in den beiden Playoff-Spielen holten die Falcons satte 80 Punkte. Ryan ist höchstwahrscheinlich ein Titel schon sicher: der des besten Spielers der Saison.

Doch Ryan, der in seinem ganzen Auftreten eine Art Gegenentwurf zum glamourösen Brady ist, bleibt auf dem Teppich. „Wäre ich heute zehn Jahre alt, ich würde mir bestimmt raten: Genieße den Augenblick. Genieße jeden Moment, arbeite hart und sei gut in der Schule. Denn wenn du nicht gut in der Schule bist, wirst du keine Gelegenheit bekommen, zu spielen“, sagt Ryan. Er ist zuversichtlich, mit dieser Haltung auch gegen den Favoriten aus Foxboro zu bestehen.

Beste Abwehr gegen besten Angriff

Beste Abwehr (Patriots) gegen besten Angriff (Falcons): Das ist eine Ausgangslage, die ein ausgesprochen attraktives Spiel verspricht. Die Patriots müssen erstmal beweisen, dass sie Atlantas Angriffswalze um die Wide Receiver Julio Jones und Mohamed Sanu sowie Runningback Devonta Freeman in den Griff bekommen. Diese Offensive ist in dieser Saison darauf geeicht, früh zu punkten. Auch hier klingt Ryan recht selbstbewusst: „Klar wird es schwierig werden. Schließlich hat New England die beste Abwehr der Liga. Sie haben wirklich ganze Arbeit geleistet, gegnerische Spieler aus ihrer Endzone fernzuhalten. Für uns wird es darum gehen, gut zu spielen. Wir haben die Spielzüge umzusetzen, wenn sie sich anbieten – gut werfen, gut laufen, gut fangen und gut blocken. Es kommt auf die Details an in solchen Spielen.“

Das klingt wie einer, der seine Hausaufgaben gemacht hat. Matt Ryan war übrigens gut in der Schule. Und er wird gut spielen am Sonntag, sehr gut.

Von RND/Daniel Killy

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