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Formel 1 Vettel zeigt Größe - Hamilton kann Triumph noch nicht fassen
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08:25 29.10.2018
Sebastian Vettel (r) zeigte sich nach dem Rennen als fairer Verlierer und gratulierte Lewis Hamilton zum Titel. Quelle: Marco Ugarte/AP
Mexiko-Stadt

Lewis Hamilton erzählte im stolzesten Moment seiner bisherigen Formel-1-Karriere voller Respekt von Sebastian Vettel. "Er kam zu mir und sagte: Ich brauche dich nächstes Jahr wieder, um gegen dich zu kämpfen. Er hat seine Größe als Sportler gezeigt."

Wie vor einem Jahr musste sich der 31 Jahre alte Heppenheimer im Kampf um die WM dem 33 Jahre alten Briten von Mercedes geschlagen geben. Vettel tat es mit Würde, er ging sogar in den Besprechungsraum der Silberpfeile auf dem Autódromo Hermanos Rodríguez und gratulierte den leicht verwundert wirkenden Mitarbeitern per Handschlag. "Auch wenn ich das nicht will, gibt es leider Tage an denen man nicht der Beste ist", sagte Vettel und an Hamilton gerichtet: "Ich bewundere seine Leistung auf der Strecke."

Für Vettel war es "schrecklich", für Hamilton "unglaublich" und "surreal". "Es fühlt sich nicht echt an", sagte Hamilton und es schien auch eine Weile zu dauern, bis er die Tragweite seines historischen Erfolgs realisiert hatte. Inmitten der Mariachi und feiernden mexikanischen Fans schien Hamilton vor allem eines: Unendlich dankbar zu sein. Er winkte seine persönliche Trainerin zu sich und drückte sie, dann eilte er in die Box seines Teams, um sich bei jedem Mitarbeiter zu bedanken.

"Er hat den Unterschied ausgemacht", lobte Mercedes-Teamchef Toto Wolff seinen Starpiloten. "Während einer Karriere erkennst Du die Größe noch nicht, die erkennst Du erst, wenn die Karriere vorbei ist. Er hat aber Fangios Rekord eingestellt. Davon gibt es nicht viele", meinte Wolff und erklärte: "Der Grund, warum er die fünf Weltmeisterschaften gewonnen hat, ist, weil er sich nur auf den Job jetzt konzentriert und nicht zu weit nach vorne schaut."

Deswegen dachte Hamilton auch in der Stunde des Triumphs daran, dass der Tag für die Konstrukteurswertung kein guter für Mercedes war. Bei immer noch 55 Punkten Vorsprung vor den letzten beiden Rennen haben die Silberpfeile aber weiter gute Chancen, auch in dieser Wertung zum fünften Mal in Serie zu gewinnen.

Mit seinem persönlichen Titel Nummer fünf nach den WM-Triumphen 2008, 2014, 2015 und 2017 liegt Hamilton nun gleichauf mit Juan Manuel Fangio und nur noch zwei WM-Titel hinter Rekordchampion Michael Schumacher. "Ich habe nicht an diese Zahlen gedacht, weil ich nur an diesen Titel im Kopf hatte", sagte Hamilton. "Ich weiß auch nicht, ob ich die Chance habe, noch mehr zu gewinnen, aber ich gebe alles, es zu schaffen."

Dabei musste Hamilton vor dem Wochenende der Entscheidung sogar einen privaten Schicksalsschlag verkraften. Am Donnerstag sei sein Großvater väterlicherseits gestorben, berichtete Hamilton. Sein Vater war aus der Karibik nach England eingewandert, mit mehreren Jobs gleichzeitig hatte er die Rennleidenschaft von Lewis Hamilton während dessen Kindheit finanziert.

Und nun hat sich Hamilton bereits verewigt. "Lewis Hamilton hat sein Erbe zementiert, das der Zeit standhalten wird", schrieb die britische Zeitung "Independent". "Lewis Hamilton hat seinen Namen in Mexiko in die Geschichtsbücher mit seinem fünften WM-Titel eingetragen", meinte der "Mirror".

364 Tage nach seinem WM-Triumph an gleicher Stelle ließ sich Hamilton von offiziell 135 407 Zuschauern feiern. Der vierte Platz reichte in einem Rennen, das vor allem durch die Reifen diktiert wurde. Nicht zu schlagen war erneut Vorjahressieger Max Verstappen im Red Bull. Vettel schaffte es mit einem starken Auftritt ohne Fehler auf Platz zwei. Er hätte im Ferrari aber gewinnen müssen und Hamilton höchstens Achter werden dürfen, um die Fiesta des Briten noch einmal zu verschieben.

"Dreimal in meinem Leben hatte ich diese Art von Enttäuschung, dass Du feststellen musst, dass Du keine Chance mehr hast, die WM zu gewinnen. Das sind nicht die glücklichsten Tage", meinte Vettel. 2009 hatte er bei Red Bull im WM-Kampf gegen den damaligen BrawnGP-Piloten Jenson Button verloren, im vergangenen Jahr im Ferrari auch schon gegen Hamilton. Auch in Mexiko.

Vettel räumte in der Pressekonferenz nach dem Rennen ein, dass dieses kein einfaches Jahr war. "Aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um einen Schlussstrich oder ein Resümee zu ziehen", betonte der weiterhin viermalige Weltmeister aus Heppenheim. Mit zwei Siegen war Vettel in die Saison gestartet, in der zweiten Hälfte erlebte er aber auch durch eigene Fehler einen Einbruch und am Sonntag den endgültigen K.o. im WM-Kampf gegen einen Hamilton, der laut Wolff der beste Hamilton ist, den es je gab.

dpa

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