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Sportmix Wie geht es weiter nach dem WADA-Bericht über Doping?
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18:25 10.11.2015
Die Russen halten die Dopingvorwürfe für unbewiesen. Quelle: Maxim Schipenkow
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Berlin

Doping, Korruption, Machtmissbrauch, Verschleierung - der WADA-Bericht über systematischen Betrug in der russischen Leichtathletik kam so überraschend nicht. Aber er schlägt hohe Wellen.

Drastische Forderungen stehen im Raum, zum Beispiel lebenslange Sperren für Sportler und ein Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes ARAF. Das würde auch den Olympia-Bann für Rio 2016 bedeuten. Durchsetzen kann diese Sanktionen aber nur der Weltverband IAAF.

Welche Sanktionen hat die WADA-Kommission in ihrem Bericht empfohlen?

Die gravierendste Forderung in dem 323-seitigen Report ist der Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes ARAF aus dem Weltverband IAAF. Damit droht der Bann von Weltmeisterschaften oder gar Olympischen Spielen. Auf Lebenszeit sollten fünf Athletinnen, vier Trainer und der Chef-Mediziner des Verbandes gesperrt werden. Dem Moskauer Dopingkontroll-Labor wurde am Dienstag bereits die Akkreditierung der WADA entzogen; dessen Chef soll abgelöst werden.

Welche Maßnahmen können der Leichtathletik-Weltverband IAAF und das Internationale Olympische Komitee (IOC) ergreifen?

Die IAAF kann Mitgliedsverbände von ihren internationalen Veranstaltungen ausschließen. In diesem Fall dürften russische Athleten auch nicht an Olympischen Spielen teilnehmen. Das IOC selbst wird - wie in der Vergangenheit oft praktiziert - genau überprüfen, ob sanktionierte Leichtathleten beispielsweise 2012 in London zu den olympischen Medaillengewinnern gehörten. In diesem Fall droht der Verlust der Plaketten.

Wie haben Sport und Politik in Russland reagiert?

Eher trotzig und fast beleidigt: Der Kreml hält die schweren Vorwürfe für unbewiesen. Der Bericht der WADA-Ermittlungskommission sei nicht stichhaltig, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Das russische Sportministerium forderte die WADA auf, sich "an reale Fakten und Beweise" zu halten. Man werde den Bericht "gründlich studieren" und die "geeigneten Maßnahmen umsetzen."

Warum wurde das Moskauer Labor jetzt von der WADA suspendiert?

In dem jüngsten Bericht wird den Verantwortlichen vorgeworfen, an Dopingmanipulationen beteiligt gewesen zu sein. Labor-Chef Grigori Rodschenko wurde als "Helfer und Mittäter" bei den illegalen Maßnahmen bezeichnet - mehr als 1400 Dopingproben sollen beseitigt worden sein. Die WADA hatte das Labor schon einmal, drei Monate vor den Winterspielen im Februar 2014 in Sotschi, vorläufig suspendiert. Russland kann jetzt vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch einlegen.

Welche Rolle spielt der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe?

Der Brite muss sich in der größten Krise der Welt-Leichtathletik beweisen. Schon nach seiner Wahl im August hatte er angekündigt, den Verband einer grundlegenden Revision zu unterziehen. Kritiker werfen ihm allerdings vor, nicht aktiv genug zu sein und als IAAF-Vize acht Jahre lang unter seinem Vorgänger Diack treu gedient zu haben. Die Informationen im WADA-Bericht seien "alarmierend", sagte Coe nun. Recherchen der ARD und der britischen Zeitung "Sunday Times" zu verdächtigen Dopingtests kanzelte er im August 2015 als "eine Kriegserklärung an meinen Sport" ab.

Was passiert jetzt mit seinem Vorgänger Lamine Diack?

Ihm werden Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Die französische Justiz hat Anklage gegen den 82-Jährigen aus Senegal erhoben. Diack war von 1999 bis zum August 2015 Chef der IAAF. Er soll in seiner Amtszeit mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Dopingproben kassiert haben. Das IOC reagierte am Dienstag: Das Exekutivkomitee suspendierte das IOC-Ehrenmitglied vorläufig. Es folgte damit der Empfehlung der Ethikkommission des IOC.

Wann treffen sich die zuständigen Gremien von IAAF und IOC, um über das Thema zu beraten?

IAAF-Chef Coe gab den Russen bis Ende der Woche Zeit, um auf den Bericht zu antworten. Turnusmäßig tagt die IAAF-Exekutive erst wieder am 26./27. November in Monaco. Der IOC-Vorstand kommt im Dezember in Lausanne zusammen.

dpa

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