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100 Jahre Leipziger Hauptbahnhof Konsum-Kathedrale mit Gleisanschluss
Thema Specials 100 Jahre Leipziger Hauptbahnhof Konsum-Kathedrale mit Gleisanschluss
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15:36 20.10.2015
Dino-Alarm: Schwere Technik ist bei den Abrissarbeiten im Querbahnsteig des Hauptbahnhofs im Einsatz. Quelle: Wolfgang Kluge
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Leipzig

Geht das überhaupt – Konsum-Kathedrale und Eisenbahn-Knotenpunkt? Diese Frage stand zu Beginn der Planungen zum Umbau des Hauptbahnhofs in den 1990er-Jahren. Galten doch Bahnsteigansammlungen dieser Größenordnung von jeher als eher schmuddelig und zwielichtig und waren in der alten Bundesrepublik oft ein Hort von Drogenhandel und Prostitution.

Gemeinsam mit dem Kölner Hauptbahnhof wurde das hiesige Geburtstagskind dann 1994 für ein Modellprojekt auserkoren, das für stark frequentierte Bahnhöfe eine (kommerzielle) Mehrfachnutzung beim Umbau zum Ziel hatte. Dafür musste letztlich der gesamte Querbahnsteig komplett aufgeschnitten werden, um zwei Etagen Einkaufszentrum in der Erde zu versenken – samt großem ellipsoiden Lichthof. Die Pläne hierfür erstellte das in einem offenen Realisierungswettbewerb als Sieger hervorgegangene Architekturbüro Hentrich-Petschnigg & Partner aus Düsseldorf.

Für etwa drei Jahre wurde der Hauptbahnhof Großbaustelle. Viele werden sich noch an die beiden großen Fußgängerbrücken erinnern, die über Wochen den Zugang zu den eigentlichen Bahnsteigen herstellten. Das Interesse der Leipziger und ihrer Gäste war riesengroß – zahlreiche Schaulustige verfolgten die Arbeiten.

Das 250 Millionen Euro teure Ergebnis der ECE – einer Tochter des Versandhandelskonzern Otto – kann sich letztlich sehen lassen. Es gilt als Blaupause für andere Revitalisierungen von Bahnhöfen selbst außerhalb Europas und auch des Dresdner Pendants. Zur Eröffnung ließ es sich der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nicht nehmen, zur Eröffnung Mitte November 1997 persönlich an die Pleiße zu reisen. Seitdem locken neben dem Bahnbetrieb weit über 100 Geschäfte auf rund 30000 Quadratmetern. Schmonzette am Rande: Nur in Leipzig hat die Bahn bis auf die Gleise ihren Bahnhof für 99 Jahre verpachtet.

Der Umbau wurde von der Leipziger Bevölkerung allerdings nicht unkritisch gesehen. So gab es unter anderem am 10. Oktober 1995 eine große Demonstration mit mehr als 800 Teilnehmern, die sich gegen die Parkdeckpläne und damit einhergehende Reduzierung um drei Gleise aussprachen. Über 5000 Unterschriften waren bereits im Vorfeld gesammelt worden. Ebenso wandten sich Architekten und Denkmalschützer gegen die Umbaupläne. Am Ende wochenlangen Protests gab es den nunmehr sichtbaren Kompromiss mit dem Museumsgleis 24.

Von LVZ

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