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170 Jahre Israelitische Religionsgemeinde Ariowitsch-Haus im Waldstraßenviertel hat sich als Kulturzentrum etabliert
Thema Specials 170 Jahre Israelitische Religionsgemeinde
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18:01 05.04.2018
Kinderballett gehört zu den vielen Angeboten, die das Ariowitsch-Haus im Waldstraßenviertel regelmäßig anbietet. Quelle: Foto: Michael Lempert
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Leipzig


Der 70-Jährige ist zugleich Projektmanager für das Kultur- und Begegnungszentrum. Konzert- und Lesereihen, Ausstellungen, Vorträge und Seminare, aber auch private Feiern und Firmenveranstaltungen finden hier statt. Auch das Theater der Jungen Welt bespielt regelmäßig “Das glickliche Haus“, wie das Sommertheater 2014 beispielsweise hieß. Im Jahre 2009 gab es etwa 45 Veranstaltungen, mittlerweile sind es 85, die von gut 4000 Gästen pro Jahr besucht werden. Nicht mitgerechnet: das vielfältige Kursangebot.

Nahezu vergessen ist das Gerangel um den Ausbau des ehemaligen, von der Familie Ariowitsch 1931 gestifteten jüdischen Altenheims zum Kulturzentrum, welchen Nachbarn per Klage verhindern wollten. Mittlerweile gibt es ein friedliches Miteinander im Waldstraßenviertel. Und wenn auf der Dachterrasse musiziert wird, schauen die Anwohner umliegender Häuser aus dem Fenster zu.

Lesungen, Musik und mehr

„Wir sind ein guter Nachbar“, betont Kaufmann. Publikumsmagneten sind Jahr für Jahr die Lesungen deutscher und israelischer Autoren des Bertelsmann-Verlages zur Buchmesse im März sowie die Konzertreihe „Schalom liebe Nachbarn“ mit Musikern des Gewandhausorchesters.

Seit nahezu zehn Jahren hat sich ein Mehrgenerationenhaus Leipzig-Mitte im Gebäude etabliert, bei der Menschen verschiedener Kulturen und Religionen aufeinandertreffen. „Begegnungen – das ist das Leitthema unseres Hauses“, betont Veranstaltungskoordinatorin Anja Lippe (36). Zum Angebot gehören Mal- und Zeichenkurse, Tanzgruppen, Chor, Theater- und Literaturklubs, Schach-, Sprach-, PC- und Kreativkurse ... 65 Prozent der Kursteilnehmer haben einen Migrationshintergrund. „Deshalb dienen vor allem die Sprachkurse dem Abbau von Sprachbarrieren und der Integration in den Alltag“, so Lippe. Ein Hebräisch-Kurs bringe den Gemeindemitgliedern zudem ihre Religion sprachlich näher. Viele stammen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Deshalb wird im Gemäuer oft Russisch gesprochen. Besonderes Highlight für Senioren ist ein Tanzkurs, den blinde und sehende Menschen gemeinsam besuchen.

Jüdische Feste und Feiertage wie Purim, Rosch ha-Schana, Jom Kippur, Sukkot oder Chanukka werden regelmäßig gefeiert, aber auch Hochzeiten finden statt. „Wir möchten allen Leipzigern die Möglichkeit geben, koschere Küche und Schabbat sowie jüdische Bräuche und Traditionen genauer kennenzulernen“, so Kulturwissenschaftlerin Lippe. Pessach sowie Chanukka für Jedermann heißt es jährlich bei gemeinsamen Projekten mit der Volkshochschule sowie der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft. Das Programm lebt aber auch von der Kooperation mit vielen weiteren Partnern.

Von Mathias Orbeck

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