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170 Jahre Israelitische Religionsgemeinde Rabbiner Zsolt Balla kümmert sich um alle religiösen Bedürfnisse
Thema Specials 170 Jahre Israelitische Religionsgemeinde
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07:00 16.06.2017
Zsolt Balla wurde in Budapest geboren. Seit Mai 2010 ist er Gemeinderabbiner. Gemeinsam mit Avraham Radbil war seine Ordination die erste nach 1938 in Deutschland.
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Leipzig


„Das ist auf keinen Fall mein Verdienst, sondern ein Ergebnis der wundervollen Zusammenarbeit aller Menschen hier. Oft kommen junge Menschen von weither, weil die Gemeinde in der Löhrstraße Übernachtungsmöglichkeit für den Sabbath vorhält. Die Gemeindemitglieder heißen sie herzlich willkommen und sorgen auch dafür, dass koschere Speisen im Angebot sind. Rabbiner Balla stellt sicher, dass alle ihre religiösen Bedürfnisse leben können. Deshalb gibt es in der Gemeinde ein eigenes Geschäft, in dem koscheres Fleisch eingekauft werden kann. Viele Produkte gibt es auch im normalen Handel.

Vorträge vor Studenten und Schulklassen

„Wer gerne in ein koscheres Restaurant gehen möchte, kann dies in Leipzig allerdings nicht“, schränkt der Rabbiner ein. Eine eigene Schule gebe es auch nicht, dafür Partnerschaften mit Regelschulen. Das liegt wohl ein wenig daran, dass die Zahl schulpflichtiger Kinder in der Gemeinde übersichtlich ist. In den letzten Jahren sind viele Jüngere weggezogen, um im Westen eine Arbeit zu bekommen. Dieser Trend kehrt sich allmählich um.

Seit 2006 wird dem Leipziger Nachwuchs die Möglichkeit geboten, in einem jüdischen Kindergarten mit jüdischer Kultur und Tra­dition aufzuwachsen. Zur Lehre und Verbreitung jüdischen Wissens trägt seit 2005 auch das Tora-Zentrum Leipzig bei. Das wurde aus einem Jugendzentrum heraus entwickelt und erreicht vor allem junge Menschen bis 30 Jahre.

Um Leipziger das Judentum nahezubringen, hält Balla regelmäßig Vorträge vor Studenten oder Schulklassen. Auch in der Volkshochschule ist er präsent, regelmäßig besichtigen interessierte Gruppen die Synagoge und bekommen all ihre Fragen beantwortet. Der gebürtige Ungar versteht es, die Besucher in seinen Bann zu ziehen. Er besuchte die Berliner Jeschiwa Beis Zion und das Seminar, wo er zu den ersten beiden orthodoxen Rabbinern gehörte, die in der Bundes­republik ausgebildet worden waren. Nach Leipzig kam er im September 2010. Gelockt von seiner Frau Marina, die hier als Zuwanderin einer ukrainisch-jüdischen Familie aufwuchs. Mittlerweile hat das Paar drei Kinder.

Eine andere Welt

Voller Interesse saugen die Besucher alles auf, was Rabbi Balla über das Judentum und die Synagoge erzählt. Denn für viele ist dies nach wie vor eine andere Welt. Er erzählt vom Tempelberg in Jerusalem, der Einrichtung des Gotteshauses mit dem Schulchan (Tisch), dem Schrein, der Menora und dem rot leuchtenden ewigen Licht. Und natürlich von den Torarollen, den fünf Büchern Moses, die ausgerollt 70 bis 90 Meter lang sein können. Von ihnen hat sich die Gemeinde in den letzten zehn Jahren zwei neue zugelegt. Die zu schreiben, kostet 20 000 bis 30 000 Euro. Die älteren zu restaurieren, sei zwar etwas preiswerter, erklärt der Rabbiner. Doch niemand kann garantieren, wie lange sie durch den täglichen Gebrauch halten.

„Kommen Sie, wenn sie sich für unsere Religion interessieren“, sagt Balla, der gern mal zur Gitarre greift. Und Männer, die keinen Hut dabei haben, bekommen im Gotteshaus selbstverständlich eine Kippa, um ihr Haupt zu bedecken.

Von Mathias Orbeck

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