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Unterirdische Sanierung: Leipzigs Wasserwerke erneuern Stahlträger im alten „Citytunnel“

Unterirdische Sanierung: Leipzigs Wasserwerke erneuern Stahlträger im alten „Citytunnel“

Die Preußen, sie verharren unter der Messestadt. In Reih und Glied stützen sie seit mehr als 120 Jahren das Abwassersystem der sächsischen Metropole. Flankiert von Stahlträgern bilden die in der Fachsprache „preußische Kappe“ genannten Tonnengewölbe die Decken in Leipzigs größten Mischwasserkanälen.

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Mario Kleinert, von der HTR Bau GmbH, zeigt das Abstrahlen der Stahlträger - hier noch ohne Spezialhelm.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Gut ein halbes Dutzend dieser Hauptsammler gibt es in der Stadt. Sie führen das Wasser aus dem weitverzweigten KWL-Leitungssystem bis in Kläranlage Rosental.

Einer der größten der Kanäle, der etwa bis 1890 errichtete zweite östliche Hauptsammler, verläuft auf mehreren Kilometern direkt unter der Leipziger Innenstadt. Dieser 3,1 Meter mal 2,5 Meter geräumige „Citytunnel“ des 19. Jahrhunderts muss derzeit auf einer Länge von ca. 1,2 km, zwischen Fürstenhof und Littstraße aufwändig saniert werden. Denn im Gegensatz zum „preußischen“ Tonnengewölbe, das auch nach 100 Jahren kaum Blessuren aufweist, nagt an den Stahlträgern inzwischen der Zahn der Zeit.

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Leipzig. Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) machen am 6. September interessierten Bürgern einen der ältesten Kanäle unter dem Innenstadtring zur Besichtigung zugänglich. Vor Ort lasse sich Wissenswertes über die Geschichte und die Funktionsweise der rund 2800 Kilometer langen Kanalisation der Messestadt erfahren, hieß es.

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Viele der Träger sind nach Jahrzehnten der Dauerbelastung angerostet, erzählt Projektleiterin Andrea Bauer. Eine Gefahrensituation bestehe zwar noch nicht, allerdings seien die Reparaturen jetzt leichter zu schaffen, da noch keine ganzen Stahlträger ausgetauscht werden müssen. Seit Anfang März wird deshalb in gut zwei bis vier Metern Tiefe gearbeitet – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Denn bis auf die Einstiegsstellen sind keine oberirdischen Baustellen notwendig.

„Knapp 1200 solcher Träger gibt es auf den drei Teilstücken“, erklärt Marten Sperling von der KWL-Tochter Bau und Service Leipzig (BSL) den Umfang der Restauration. Bei guten Wetterbedingungen lassen sich pro Woche bis zu 20 der waagerechten Stützen schaffen, schätzt er. Regnet es, geht es schleppender voran, denn dann führt der Kanal oft zu viel Wasser, um darin noch arbeiten zu können.

„Kosmonauten“ trotzen den Staubwolken – Arbeiten bis Dezember

Am Dienstagvormittag schien über der Messestadt die Sonne und so konnte Polier Thomas Wawrzyniak das Schuften unter Tage auch vor Ort erklären. Am Fürstenhof, an der aktuellen Einstiegsstelle für die Sanierer, ging es in die Tiefe. Unterhalb der Straßenbahnhaltestelle am Gördelering sind bereits einige der Stützen ausgebessert, andere werden derzeit noch bearbeitet. Später geht es weiter in Richtung Osten, folgen zwischen Halleschem Tor, Willy-Brandt-Platz und Littstraße die weiteren Abschnitte. Bis Mitte Dezember soll alles fertig sein. Insgesamt 936.000 Euro hat die KWL für das Großprojekt eingeplant.

Nachdem die Tunnelabschnitte grob vom Schmutz bereinigt wurden, werden vorhandene Putzteile auf dem Stahl abgestemmt, erklärt Wawrzyniak. Danach reinigen seine Kollegen von der HTR Bau GmbH die Träger mit einem Hochdruck-Sandstrahler – bis sie blank sind. Die ohnehin düstere und stickige Röhre wird dabei in eine Wolke aus Schutt und mineralische Strahlmittel gehüllt. Kein angenehmer Ort zum Verweilen.

Neben Spezialanzügen müssen Leipzigs Kanalsanierer deshalb auch Spezialhelme tragen, die denen von Kosmonauten ähneln und die Staubpartikel aus den Lungen halten, sagt der Polier. Glänzt der Stahl nach dem Abstrahlen wieder, kommen Grundierung und zwei Schichten der neuen wasserabweisenden Epoxidharz-Schutzhülle drauf. Die mag wieder mehrere Jahrzente halten, hofft Marten Sperling, der die Arbeiten für die Wasserwerke koordiniert.

Ohnehin sei der Stahl in den 120 Jahre alten Unterführungen heute noch in besserem Zustand als in manch' anderen. „Die Kanäle, die vor dem zweiten Weltkrieg gebaut worden sind, sehen deutlich besser aus als die aus späteren DDR-Tagen“, berichtet Mathias Berger, Vorarbeiter der Wasserwerke. Das mag an den Stahllegierungen aus der Hochphase der industriellen Revolution liegen. Vielleicht aber auch an verklinkerten „preußischen Kappen“, die jeden sozialistischen Beton zumindest optisch in den Schatten stellen.

Am 17. Mai laden die Kommunalen Wasserwerke zum Tage der offenen Tür im Klärwerk Rosental ein. Dabei ist neben einer Besichtigung der Faultürme auch ein Kanaleinstieg möglich. Zudem gastiert der Bauwagen aus der ARD-Kindersendung "Löwenzahn" mit vielen Experimenten auf dem Gelände. Mehr Infos dazu: www.wasser-leipzig.de

Matthias Puppe

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