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Daniela Kolbe (SPD): Solidarrente contra Altersarmut

Kandidatencheck Daniela Kolbe (SPD): Solidarrente contra Altersarmut

Mit Angela Merkel hat sie zumindest eins gemeinsam: ein Physikstudium in Leipzig. Daniela Kolbe (37), in Schleiz in Thüringen geboren, ist wie die Bundeskanzlerin eine Frau und Ostdeutsche.

Daniela Kolbe (SPD)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Mit Angela Merkel hat sie zumindest eins gemeinsam: ein Physikstudium in Leipzig. Daniela Kolbe (37), in Schleiz in Thüringen geboren, ist wie die Bundeskanzlerin eine Frau und Ostdeutsche. „Die politischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind aber sehr unterschiedlich“, betont sie. Denn Merkel mache weder Politik für Ostdeutsche noch für Frauen.

Dass Politik ein fester Teil ihres Lebens sein würde, das wusste Daniela Kolbe schon ganz früh, als sie sich beim Abendessen mit ihrem etwas konservativen Vater „bis aufs Messer gestritten“ hat. Sie wollte die Welt besser machen, Ungerechtigkeiten beseitigen helfen. Damals versuchte die Jugendliche, in ihrem Dorf nahe Schleiz eine Greenpeace-Gruppe zu gründen. Das scheiterte aber. Kolbe engagierte sich bei den Falken, einem politischen Kinder- und Jugendverband. Später war sie dann auch bei den Jusos, der SPD-Jugendorganisation. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich Philosophie, Romanistik und Politikwissenschaften studieren. Doch die Eltern waren dagegen.

„Das Physikstudium war eher eine Vernunftsentscheidung. Ich war auf einem Spezialgymnasium für Naturwissenschaften“, sagt sie. Heute hilft es ihr bei der Analyse vieler Themen oder dem Lesen von Statistiken. Seit Oktober 2009 sitzt Kolbe, die sich während des Studiums in die Messestadt Leipzig verliebte und seit 1998 hier lebt, im Bundestag. Zunächst in der Opposition, durfte sie die neugegründete Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ leiten. Im Mai 2012 traf sie ein Schicksalsschlag, sie erkrankte an Lymphdrüsenkrebs und ging mit der Krankheit sehr offen um, weil eben auch dies zum Leben gehört. “Wir haben ein tolles Gesundheitssystem. Doch auch da müssen wir viel tun, etwa für die Pflegekräfte, die unter einem enormen Druck arbeiten müssen.“

Mit ihrem Lebenspartner, einem Hörfunkjournalisten, der sie sehr unterstützt, hat sie eine fast zweijährige Tochter. „Es ist toll, so eine kleine Maus zu haben. Dadurch kann ich aber noch viel besser nachvollziehen, was es für viele Leute für ein Spagat ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.“ Seit dem Landesparteitag 2015 in Görlitz ist Kolbe im Ehrenamt auch Generalsekretärin der sächsischen SPD.

Im Bundestag sitzt Kolbe im Ausschuss für Arbeit und Soziales. „Der schönste Moment war für mich, für den Mindestlohn stimmen zu können“, sagt Kolbe. Gerade die Regulierung von Leiharbeit und Werkverträgen sei für Leipzig ein großes Thema, etwa in der Automobil- und Logistikindustrie. Künftig wolle sie sich engagieren, dass mehr Tariflöhne gezahlt werden. Sichere Renten und der Kampf gegen Altersarmut seien ihr ebenso wichtig. „Viele Menschen, die nach 1989 das Land wiederaufgebaut haben und vielleicht gestolpert sind und kurz arbeitslos waren, haben wenig verdient. Sie laufen Gefahr, in die Altersarmut zu rutschen. Das wollen wir mit einer Solidarrente verhindern.“ Wichtig sei ihr, dass die Betroffenen nicht zum Sozialamt gehen müssen, wo sie ihre Ersparnisse oder die Einkünfte des Partners offenlegen müssten.

Mathias Orbeck

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