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Tom Rodig (Die Partei): Ernste Politik mit satirischen Mitteln

Kandidatencheck Tom Rodig (Die Partei): Ernste Politik mit satirischen Mitteln

"Politisiert wurde ich 2005 durch die immer wiederkehrenden Naziaufmärsche von Christian Worch“, sagt Tom Rodig, der in Schwedt geboren wurde und in der Leipziger Südvorstadt aufwuchs.

Tom Rodig (Die Partei):

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Politisiert wurde ich 2005 durch die immer wiederkehrenden Naziaufmärsche von Christian Worch“, sagt Tom Rodig, der in Schwedt geboren wurde und in der Leipziger Südvorstadt aufwuchs. Der heute 29-Jährige schloss sich damals der Front Deutscher Äpfel – eine Parodie auf rechtsextreme Parteien – an und merkte schnell „dass es gut ist, Politik so direkt auf der Straße zu machen.“

Von da aus waren es nur noch wenige Schritte bis zur Mitgliedschaft bei „Die Partei“ und in Rodigs Augen „wirklich seriöser Politik.“ „Es geht in dieser Gesellschaft oft um unbegrenztes Wachstum. Deshalb ist ,Die Partei’ mit ihrer Forderung von 100 Prozent plus X genau meine Partei.“ Derzeit arbeitet der studierte Politikwissenschaftler beim Leipziger International-Neighborhood-Verlag sowie für verschiedene Kulturinstitutionen im Produktionsbereich. Zum Vollzeitpolitiker hat es bis jetzt noch nicht gereicht. Das versucht er nun mit seiner Kandidatur für den Bundestag im Leipziger Norden zu ändern.

„Es ist schwer von ernsthafter Politik zu reden, wenn man auf die Parteienlandschaft in diesem Land blickt. Deshalb versuchen wir, ernste Politik mit satirischen und komischen Mitteln zu machen“, erläutert Rodig. Dieses Vorhaben manifestiert sich etwa in Form der sogenannten Bierpreisbremse (errechnet aus Durstgrad und Gläserleerstandsquote; „Wir finden, dass es den Leuten in Deutschland durchaus besser gehen kann.“).

Auch die Entwicklung Leipzigs beobachtet der 29-Jährige mit Sorge: „Die Stadt platzt langsam aus allen Nähten. Durch die prognostizierte Bevölkerungszahl von 800. 000 Einwohnern wäre es nur gerecht, wenn Leipzig wieder eine Führungsrolle in Sachsen einnehmen würde.“ Das erklärte Ziel: Landes- und Humorhauptstadt. Diese Welt mit ihren prozessierenden Widersprüchen sei nämlich nicht mehr ohne Lachen zu ertragen. „Deshalb ist es auch eine Art Selbsthilfegruppe, in der wir uns in der Partei befinden. Nur, dass wir nicht nur uns selbst helfen wollen, sondern auch allen anderen in diesem Land“, erklärt Rodig.

Dass die Satiriker dabei mitunter auch gehörig anecken, offenbart die jüngste Diskussion um ein Wahlplakat des Partei-Kreisverbandes Dresden. Das zeigt das Bild eines toten, am Strand liegenden Flüchtlingsjungen mit dem Satz „Für einen Strand, an dem wir gut und gerne liegen“ – eine klare Anspielung auf den Wahlslogan der CDU. „,Die Partei’ macht damit genau das richtige – zunächst einen Moment des Schocks erzeugen, um ihn dann mit einem Lachen zu brechen, das einem im Halse steckenbleibt“ sagt Rodig.

Grundsätzlich sei die Wahl der Partei immer eine Art Betriebsunfall. „Wir haben trotzdem gute Ideen und so viel schlechter als die etablierten Parteien kann man es eigentlich gar nicht mehr machen“, findet der Kandidat.

André Pitz

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