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Friedrich Vosberg (FDP): „Alternativlos heißt für mich phantasielos“

Kandidatencheck Friedrich Vosberg (FDP): „Alternativlos heißt für mich phantasielos“

Friedrich Vosberg war „eigentlich schon immer“ ein politischer Mensch. „Ich war deshalb auch von Anfang an bei den Montagsdemonstrationen dabei“, erzählt der gebürtige Naumburger, der als 14-Jähriger mit seinen Eltern nach Leipzig kam.

Friedrich Vosberg (FDP)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Friedrich Vosberg war „eigentlich schon immer“ ein politischer Mensch. „Ich war deshalb auch von Anfang an bei den Montagsdemonstrationen dabei“, erzählt der gebürtige Naumburger, der als 14-Jähriger mit seinen Eltern nach Leipzig kam. „Ich habe die deutsche Einheit sehr begrüßt.“ Deshalb trat der heute 49-jährige verheiratete Jurist 1990 zunächst in die CDU ein, die er aber wieder verließ. Schuld daran sei „die obrigkeitliche Politik“ der CDU. „Die sehe ich dort noch immer“, sagt er heute. „Ich halte es für sehr wichtig, dass Parteien politische Alternativen entwickeln. Wenn etwas als alternativlos hingenommen wird, dann bedeutet das für mich in erster Linie Phantasielosigkeit.“ Wenn sich ein eingeschlagener Weg als nicht gut für die Menschen erweise, müssten „Alternativen gesucht und ausprobiert werden“.

Außerdem vermisst Vosberg in der aktuellen Bundespolitik Verlässlichkeit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe die Atomenergie lange Zeit als Brückentechnologie bezeichnet, die noch Jahrzehnte benötigt wird – dann aber innerhalb von Tagen eine Wende vollzogen und damit den Steuerzahlern Milliardenbeträge und zusätzlich extrem hohe Stromkosten aufgebürdet. „Auf staatliches Handeln muss Verlass ein“, sagt Rechtsanwalt Vosberg. „Wir sagen so leicht, dass wir einen Rechtsstaat haben. Aber wenn der Staat das Recht außer acht lässt, wird aus Herrschaft Tyrannei.“

Wenn die Bewohner des Leipziger Süd-Wahlkreises den Knauthainer in den Bundestag wählen, will er sich dort vor allem auf die Themen Sozialpolitik, Medienpolitik und Generationen-Gerechtigkeit konzentrieren. Denn Deutschland brauche mehr Ideen für eine neue Sozialpolitik, sagt er. „Wenn wir die besten Autos der Welt bauen können, dann können wir auch das beste Sozialsystem der Welt bauen“, fordert Vosberg, der aus einer evangelischen Pfarrerfamilie stammt. „Das heißt nicht das teuerste, sondern das effizienteste System.“ Deutschland könne nicht zulassen, dass sich Leute aus der Gesellschaft verabschieden, sondern müssen sie „mit einem Mix aus Motivation, Angeboten und Entscheidungsalternativen“ wieder zurückgewinnen. „Das bisherige System des Förderns und Forderns greift dabei zu kurz“, glaubt der Vater von zwei Kindern. Denn dies bedeute eigentlich nur: „Mach, was wir sagen, oder du wirst bestraft.“

In der Medienpolitik will Vosberg ebenfalls neue Wege gehen. „Wir sollten darüber nachdenken, ob der gebührenfinanzierte öffentliche Rundfunk dauerhaft ein sinnvolles Modell ist“, sagt er. Statt öffentlicher Anstalten seien auch private Anbieter in der Lage, qualitativ hochwertigen Journalismus zu bieten. „Das sehen wir bei den privaten Tageszeitungen“, meint er. Auch die Sendezeiten der Öffentlich-Rechtlichen sollten als „begehrte Ressource“ stärker für Kommunen, gesellschaftliche Organisationen und Vereine geöffnet werden.

Um für mehr Generationen-Gerechtigkeit zu sorgen, würde er unter anderem das Erbrecht entschlacken – und den gesetzlichen Pflichtteil abschaffen. „Kinder sollten stattdessen einen Anspruch auf Startkapital von ihren Eltern haben“, denkt er laut nach. „Und der Staat sollte den Eltern helfen, dieses Startkapital zu bilden – zum Beispiel indem er auf Dinge wie die Grunderwerbssteuer für das selbst genutzte Eigenheim verzichtet. Die Eltern können das ersparte Geld ihren Kindern zur Verfügung stellen, die sich dieses Kapital später auf ihren Erbteil anrechnen lassen.“

Andreas Tappert

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