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Gudrun Kimmerle (MLPD): Die Erbin von Marx und Lenin

Kandidatencheck Gudrun Kimmerle (MLPD): Die Erbin von Marx und Lenin

Man sieht es ihr nicht an, aber die zierliche Frau mit dem lieblich-schwäbischen Dialekt und freundlich-fröhlichen Naturell ist kampferprobt. Den Versandriesen Quelle zwang Gudrun Kimmerle einst bis vors Bundesarbeitsgericht. 

Gudrun Kimmerle (MLPD)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Man sieht es ihr nicht an, aber die zierliche Frau mit dem lieblich-schwäbischen Dialekt und freundlich-fröhlichen Naturell ist kampferprobt. Den Versandriesen Quelle zwang Gudrun Kimmerle einst bis vors Bundesarbeitsgericht. Sie bekam recht, doch Geld aus der Insolvenzmasse des 2009 pleite gegangenen Konzerns sah sie nicht mehr.

Die heute 60-Jährige, die vor 25 Jahren aus Baden-Württemberg nach Leipzig gekommen war, arbeitete damals in der Verpackung des Versandzentrums, baute dort einen Betriebsrat mit auf und wurde entlassen. Sie spricht von einer „politisch motivierte Kündigung“. Kimmerle gehört der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) an, für die sie bei der Bundestagswahl als Direktkandidatin im Süd-Wahlkreis 153 antritt. Verfassungsschützer stufen die 1982 aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands hervorgegangene Partei als linksextremistisch ein. „Wir sind radikal, aber nicht linksextrem“, widerspricht Kimmerle, „wir sind die konsequente Linke.“

Für eine „Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung“ engagiere sie sich seit ihrer Jugend. Beruflich arbeitet die geschiedene Frau heute als Heilerziehungspflegerin in einem Hort, den Wahlkampf will sie ganz nebenbei bewältigen.

Und wofür steht ihre Partei? Die Abschaffung der „Hartz-Armutsgesetze“, kostenlosen Nahverkehr, niedrige Betreuungsschlüssel in Kitas und Pflegeeinrichtungen, ein Verbot faschistischer Organisationen, ein „soziales und fortschrittliches Europa“ sowie ein niedrigeres Renteneintrittsalter (Männer mit 60, Frauen mit 55) zählt die Kandidatin auf. Sie hegt auch Sympathien für die Besetzer des Umspannwerkes auf dem Gleisdreieck an der Arno-Nitzsche-Straße. Das alles könnte so auch im Programm der Linken stehen. Doch mit der will sich Kimmerle nicht in einen Topf werfen lassen. „Die Linkspartei scheut davor zurück, sich mit den Mächtigen der Welt anzulegen“, sagt die Erbin von Marx und Lenin, sie versuche nur, den Kapitalismus etwas humaner zu gestalten. Kimmerle schwebt dagegen eine Gesellschaft vor, „in die sich jeder nach seinen Fähigkeiten einbringen kann“, in der es kein privates Eigentum an Produktionsmitteln mehr gibt.

Dass die selbst ernannten Weltverbesserer die Welt wirklich besser machen, daran haben zumindest Sachsens Verfassungsschützer Zweifel. Die MLPD stehe offen in der Tradition kommunistischer Diktatoren wie Stalin und Mao, schreiben sie in ihrem aktuellen Bericht. Erklärtes Ziel der Partei sei „der revolutionäre Sturz der Diktatur des Monopolkapitals und die Errichtung der Diktatur des Proletariats für den Aufbau einer klassenlosen kommunistischen Gesellschaft.“ Allerdings: Die Partei zähle in Sachsen nur drei Dutzend Mitglieder, habe keinerlei politischen Einfluss.

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