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Jens Katzek (SPD): Für Leipzig: Ein Mann, der sich als Kämpfer versteht

Kandidantencheck Jens Katzek (SPD): Für Leipzig: Ein Mann, der sich als Kämpfer versteht

Für seinen Vorschlag, in Leipzig eine Freiheitsstatue nach New Yorker Vorbild zum Gedenken an den Herbst 1989 zu errichten, hat er im Frühjahr viel Aufmerksamkeit bekommen, aber auch reichlich Spott einstecken müssen.

Jens Katzek (SPD)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Für seinen Vorschlag, in Leipzig eine Freiheitsstatue nach New Yorker Vorbild zum Gedenken an den Herbst 1989 zu errichten, hat er im Frühjahr viel Aufmerksamkeit bekommen, aber auch reichlich Spott einstecken müssen. „Ich finde diese Idee immer noch grandios“, gibt Jens Katzek (54), der für die SPD in den Bundestag einziehen möchte, unumwunden zu. “Ich kann Unterdrückung und Ungerechtigkeiten einfach nicht ertragen. Eine der Gründe, warum ich nach Leipzig gekommen bin, ist, weil das bunte, vielfältige Leipzig für mich die Verkörperung einer mutigen Stadt ist“, betont der promovierte Biochemiker, der im Zentrum des Ruhrgebiet, in Mülheim, aufgewachsen ist. „Die Leute in Leipzig haben etwas riskiert. Das kann gar nicht genug geschätzt werden.“

Von früher Kindheit hat Katzek, inzwischen Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer des Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD), gelernt sich durchzubeißen. Der Vater arbeitete als Maurer und baute Hochöfen, die Mutter war Kellnerin. Bücher gab es zu Hause keine, das Abitur abgelegt, studiert und promoviert hat er später trotzdem. Irgendwann bekam der damals 16-Jährige Günter Wallraffs „13 unerwünschten Reportagen“ in die Hände und begriff, dass es viel Unrecht gibt.

Das wollte er nicht akzeptieren, begann sich politisch zu engagieren. Damals organisierte er Mahnwachen und Aktionen gegen Atomwaffen, die sich gegen den sogenannten Nato-Doppelbeschluss wendeten, dessen geistiger Vater der damalige SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt war. In die SPD trat er 1989 dennoch ein, weil ihn bei einem dreiwöchigen Praktikum der damalige Bundestagsabgeordnete Wolf-Michael Catenhusen begeisterte. „Ich bin eine Kämpfernatur, deshalb habe ich auch den Slogan ’Kämpfer für Leipzig“ gewählt“, erklärt Katzek, der im SPD-Stadtvorstand sitzt und mit seine Frau unweit des Lindenauer Marktes lebt. Beruflich beschäftigte er sich in den unterschiedlichsten Unternehmen mit Gentechnologie. Fuß fassen konnte das Technologiefeld in Deutschland nicht, viele Unternehmen gingen in Konkurs oder verlagerten ihre Tätigkeit ins Ausland. Katzek orientierte sich neu. Heute arbeitet er mit einem kleinen Team daran, die Zusammenarbeit zwischen der ostdeutschen Zulieferindustrie, Forschungsinstituten und großen Autokonzern zu fördern.

Weshalb will er dann nach Berlin? „Ich bin seit 30 Jahren politisch aktiv, kann mit bei Ungerechtigkeiten noch immer aufregen. Das ist eine gute Voraussetzung, um in den Bundestag zu gehen“. Ohne ein „Fachidiot zu sein“, wie er sagt, will er Zukunftstechnologien vorantreiben und diese Innovationen für die Entwicklung der Region nutzen. „Wir haben zwei Automobilhersteller samt Zulieferern, bei denen weit über 20000 Menschen arbeiten“.

Die Förderung von Elektrobussen sei ihm ebenfalls wichtig. „Leipzig ist die Stadt in Deutschland, die am stärksten wächst. Wir haben ein Riesenproblem mit Kitas und sozialem Wohnungsbau. Fördermittel müssen deshalb direkt in die Kommunen kommen.“ Weiterhin will er sich kümmern, Kindern und Jugendliche möglichst früh zu fördern, ihre Neugierde zu entwickeln und zu bewahren. Für die 12000 kleineren und mittelständischen Unternehmen, die von Bürokratie gebeutelt werden, will Katzek ebenfalls viel tun. „Ich möchte keiner von den Abgeordneten sein, die sich nur auf Fotos drängeln und Hand-Shakes machen.“

Mathias Orbeck

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