Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Illustration zur Bundestagswahl 2017 in Leipzig
Google+ Instagram YouTube
Monika Lazar (Grüne): Eine Bäckerin macht grüne Politik

Kandidatencheck Monika Lazar (Grüne): Eine Bäckerin macht grüne Politik

Unter den 23 Direktkandidaten, die sich um ein Bundestagsmandat bewerben, hat sie die meisten Wahlkampferfahrungen: Seit 1998 trat Monika Lazar bei jeder Bundestagswahl an.

Monika Lazar (Grüne)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Unter den 23 Direktkandidaten, die sich um ein Bundestagsmandat bewerben, hat sie die meisten Wahlkampferfahrungen: Seit 1998 trat Monika Lazar bei jeder Bundestagswahl an. 2005 gelang der Grünen der Einzug ins Parlament, dem sie als sächsische Spitzenkandidatin auf der Landesliste ihrer Partei bis heute angehört.

1986 begann die heute 49-Jährige an der Handelshochschule Betriebswirtschaft zu studieren. In der Wendezeit stieg sie erst mal in die elterliche Bäckerei ein, hängte dort noch eine Lehre dran. Sie sieht es auch heute ganz pragmatisch: „Du weiß nicht, was die neue Zeit so bringt. Aber Bäcker werden immer gebraucht.“ Lazar steht für eine Generation Ostdeutscher, die mit solch ungewöhnlichen Biografien noch in die Politik kamen und die nicht viel von Schule-Hörsaal-Plenarsaal-Karrieren halten.

Aufgewachsen in Markkleeberg, erlebte Lazar mit den Tagebauen den Raubbau an der Natur und die Umweltverschmutzung hautnah mit. 1993 wurde sie Mitglied der Grünen, führte danach mehrere Jahre deren Fraktion im Markkleeberger Stadtrat an. Noch vor der Bundestagswahl 2005 zog sie als Nachrücker für ein halbes Jahr ins Parlament ein. Zu den schönsten Momenten ihrer Bundestagszeit zählt die ledige Politikerin die Einführung der „Ehe für alle“.

Ihr Markenzeichen bleibt aber ihr Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus. In den vergangenen Jahren sah sie sich vor dem Hintergrund der Gida-Bewegung zunehmend als „Mittler zwischen den Welten“. Während manche Politiker die Demonstranten als Pack bezeichneten, verteidigte Lazar auch das Demonstrationsrecht der Anhänger von Pegida und Legida, solange diese nicht verfassungsfeindlich auftraten. „Die Einstellungsforschung hat uns schon lange gezeigt, dass der Abstand zur Demokratie da ist und wächst“, sagt Lazar. Sie selbst war einst auf der Straße politisch aktiv geworden, nahm im Herbst 1989 an Montagsdemos teil. Zu den rohen Beleidigungen jedoch, denen sie auf vielen Legida-Demos ausgesetzt war, sagt sie nur: „Ich habe mir vorgenommen, durchzuatmen und nicht zurückzupöbeln.“ In einer Demokratie setzten sich letztlich Mehrheiten durch, nicht die, „die am lautesten schreien“.

Mit Diesel- und Eierskandal gerieten zuletzt grüne Themen wie erneuerbare Energien, Klimapolitik und Lebensmittelsicherheit wieder in den öffentlichen Blick. Auch fordern die Grünen ein Zuwanderungsgesetz. „Denn viele, die jetzt zu uns kommen, sind nicht vor Krieg oder politischer Verfolgung geflohen“, so Lazar. Für sie sei das Aslyrecht nicht geschaffen. „Die Themen sind da“, rätselt Lazar über den ruhig dahinplätschernden Wahlkampf, „nur sie bleiben nicht haften.“ Eines stimmt sie aber zuversichtlich. „Im Gegensatz zu 2013 gibt es wieder mehr Einladungen zu Wahlkampfdiskussionen“, berichtet sie. „Viele Leute haben also das Bedürfnis, die Kandidaten zu befragen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kandidatencheck Leipzig-Süd

Welche Koalition soll nach der Bundestagswahl 2017 regieren?