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Thomas Feist (CDU): „Man kann als einzelner Politiker alles erreichen“

Kandidatencheck Thomas Feist (CDU): „Man kann als einzelner Politiker alles erreichen“

Vor drei Jahren hatte Thomas Feist die Vertretungen der eingemeindeten Leipziger Ortschaften in seinem Wahlkreis angeschrieben und um einen Termin gebeten. Er wollte sich einfach mal vor Ort ein Bild machen, sehen, wo es an der Peripherie klemmt, wo er helfen kann.

Thomas Feist (CDU)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Vor drei Jahren hatte Thomas Feist die Vertretungen der eingemeindeten Leipziger Ortschaften in seinem Wahlkreis angeschrieben und um einen Termin gebeten. Er wollte sich einfach mal vor Ort ein Bild machen, sehen, wo es an der Peripherie klemmt, wo er helfen kann. Die Reaktionen auf seine Bitte verblüffen ihn noch heute. „Na, sind denn schon wieder Wahlen?“, wurde er damals gefragt. Der CDU-Politiker erzählt die Anekdote gern. Denn sie soll zeigen: Er kümmert sich um seinen Süd-Wahlkreis 153, den er seit acht Jahren im Bundestag vertritt. Deshalb habe der Wahlkampf sein Leben gar nicht mal so sehr verändert. „Ich mache das, was ich sonst auch mache“, sagt Feist. „Man braucht ein gutes Zeitmanagement, aber mich schrecken 14-Stunden-Tage nicht.“

Der 52-Jährige bewirbt sich nun um eine dritte Wahlperiode. „Bei der letzten Wahl reichte es aus zu sagen, ich bin in derselben Partei wie Merkel“, sinniert Feist über seine Chance, wiedergewählt zu werden. „Das reicht nicht mehr aus.“ Jetzt gehe es viel stärker um Themen. Ein Wahlslogan, mit dem die CDU das Land plakatiert hat, lautet: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.“ Die einfache Botschaft wurde vielfach belächelt. Doch für Feist ist damit das Wesentliche schon gesagt: „,Gut leben’ bedeutet, einen Job zu haben und sozial abgesichert zu sein. ,Gern leben’ heißt, in einem Land zu leben, in dem man sich sicher ist und in dem der Staat einen schützt.“

Was ihn antreibt? „Man kann als einzelner Abgeordneter alles erreichen, wenn man sich Mehrheiten sucht und die anderen von seinem Plan überzeugt.“ Er hat das Sonderprogramm „Kultur macht stark“ mit bislang einer halben Milliarde Euro durchgeboxt, eine Initiative, die kulturelle Bildung auch Kindern und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen näherbringen soll. Die Herstellung der Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung ist so etwas wie seine Mission. 400 Millionen Euro stehen nun schon mal für eine bessere Berufsorientierung an Schulen zur Verfügung. Ziel ist unter anderem, die Zahl der Lehrabbrecher zu verringern, Aufstiegschancen zu verbessern und die Mobilität von Azubis zu fördern.

Das Engagement für die berufliche Bildung hat viel mit seinem eigenen Leben zu tun. Wer Feist nach seinem Beruf fragt, bekommt „Heizungsmonteur und promovierter Musikwissenschaftler“ zur Antwort. Der verheiratete Vater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern hat 15 Jahre auf dem Bau gearbeitet, noch mal 15 Jahre bei der evangelischen Kirche in der Jugendarbeit. Auf den ersten Blick wirkt er auf viele nicht wie der klassische CDU-Abgeordnete. Als er 2009 erstmals kandidierte – da gehörte er der CDU gerade mal zwei Jahre an –, war einer seiner Gegenspieler Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD).

In der CDU hieß es damals spöttisch: Bei der aussichtslosen Lage können wir auch jemanden ins Rennen schicken, der aus dem Rahmen fällt. Feist wirkt auch mit 52 noch wie der nette Junge von nebenan, er spielt in einer Band Keyboard, ist locker-leger im Umgang, aber klar und wertkonservativ in der Sache. Ob die Anhebung des Mindeststrafmaßes für Wohnungseinbrüche auf ein Jahr Haft, die Ausweitung der Videoüberwachung oder das Auslesen von Handy-Daten von Flüchtlingen zu deren Identifizierung – Feist steht voll dahinter. Und er fordert immer wieder dazu auf, über die Rolle des Glaubens im Alltag nachzudenken, wird nicht müde, daran zu erinnern, dass das Grundgesetz mit einem Bekenntnis zu Gott beginnt.

Klaus Staeubert

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