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Wahl in Leipzig Leipzig: Lehmann gewinnt den Norden – Pellmann holt den Süden
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Illustration zur Bundestagswahl 2017 in Leipzig
00:32 25.09.2017
Sören Pellmann (l.) von den Linken ist gut drauf – um 21 Uhr sieht es sehr gut aus für ihn als Sieger im Wahlkreis Leipzig-Süd. Quelle: Christian Modla
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LEIPZIG

 Da lag Spannung in der Luft, selbst die Kronleuchter im Neuen Rathaus schienen zu vibrieren, als in dessen Festsaal am Sonntagabend die Ergebnispräsentation zum Bundestagstagsvotum kurz nach 19 Uhr richtig anlief – zugeschnitten auf die Leipziger Resultate.

Ruth Schmidt, die hiesige Wahlleiterin, war die Ruhe in Person, ließ sich nicht anstecken vom Besuchertrubel: „Wir haben für einen reibungslosen Ablauf gesorgt und auch die Auszählung wird mit der gebotenen Sorgfalt so schnell wie möglich erfolgen“, meinte die erfahrene Chefin des Leipziger Amtes für Statistik und Wahlen. Sie mahnte aber zur Geduld: „Wir haben eine erfreulich hohe Wahlbeteiligung, da dauert alles etwas länger“. Mit rund 75 Prozent rechnete Schmidt.

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Im Neuen Rathaus in Leipzig wurden am Sonntagabend die Stimmen der verschiedenen Parteien für die Bundestagswahl ausgezählt. Die AfD schnitt in einigen Wahlbezirken stärkter ab als die etablierten Parteien. Vor dem Rathaus demonstrierten etwa 350 Menschen gegen die AfD.

Pellmann gewinnt den Süden

Zu vorgerückter Stunde sollte es einen Paukenschlag geben: Sören Pellmann (40) von den Linken setzte sich im Wahlkreis 153 (Leipzig-Süd) durch – nach einem langen Kopf-an-Kopf-Rennen mit Thomas Feist (52) von der CDU. Nach dem Sieg gab es für Pellmann kein Halten mehr, der sonst eher bedächtige Stadtrat ließ seinen Emotionen freien Lauf, wurde von Glückwünschen überhäuft und stand im Blitzlichtgewitter.

„Ich habe nicht wirklich mit diesem Erfolg gerechnet, freilich darauf gehofft – und nun ist er da und ich muss das alles erstmal sacken lassen.“ Im Leipziger Norden (Wahlkreis 152) löste CDU-Direktkandidat Jens Lehmann (49) das Ticket nach Berlin, hielt dabei die politischen Konkurrenten auf Abstand. „Ich bin mit dem Resultat natürlich sehr zufrieden, das bewegt mich alles sehr“, fasste er sich kurz.

Mehrere hundert Bürger wollten das Finale nicht über die Medien verfolgen, sondern im Rathaus Seite an Seite mit den Wahlmatadoren, den Direktkandidaten. Elf waren es im Norden (Wahlkreis 152), zwölf im Süden (Wahlkreis 153). Für die CDU galt es beide zu verteidigen, die politische Konkurrenz war auf Angriff programmiert – und das Volk im Festsaal verfolgte den Wahlkrimi mit ganz unterschiedlichen Erwartungen.

„Ich bin gespannt, wie die AfD den Etablierten einheizt, die Karten werden neu gemischt“, sagte einer. Ein anderer merkte mit Blick auf die Schar versammelter Direktkandidaten süffisant an: „Ich will sie alle schwitzen sehen.“ Ihre Namen wollten beide nicht in der Zeitung lesen. Werner Holterbrink hatte kein Problem damit: „Die haben alle einen strapaziösen Wahlkampf hinter sich, das verlangt Respekt ab, aber nun wird abgerechnet.“

Protest vorm Neuen Rathaus gegen AfD

Vor dem Neuen Rathaus demonstrierten etwa 350 Menschen gegen das gute Abschneiden der AfD. Die Partei wurde in einigen Wahlbezirken stärkste Kraft. Gegen 20.30 Uhr hatte sich vom Connewitzer Kreuz aus ein Protestzug von etwa 170 Menschen in Richtung Neues Rathaus in Bewegung gesetzt. Dort wurden sie von weiteren Demonstranten erwartet. Einige versuchten in das Neue Rathaus einzudringen, wurden aber von der Polizei aufgehalten.

Über die große Videowand flimmerten die Zahlenkolonnen und sorgten – je nach Partei-Couleur – für strahlende oder lange Gesichter im Saal. Feist, der angetreten war, erneut den Süden zu holen, wusste vorab, dass es eng werden könnte. 2013 erreichte er 34,3 Prozent der Erststimmen und hängte den Zweitplatzierten damaligen Linken-Bewerber um fast zehn Prozent ab.

Kampf zwischen Pellmann und Feist

im Rathaus wollte der Grundschullehrer und Stadtrat Sören Pellmann (40) von den Linken dem Musikwissenschaftler Feist den Marsch blasen und auch die anderen hinter sich lassen. Mit Stand 21 Uhr war noch alles offen. Pellmann, der tagsüber am Grab seines Vaters war, dann Mittagessen kochte und lange liegengebliebene Hausarbeit erledigte, rangierte zwar mit rund 1000 Stimmen vor Platzhirsch Feist und es sah nach einem Paukenschlag aus.

Nun wollte der Grundschullehrer und Stadtrat Pellmann dem Musikwissenschaftler Feist den Marsch blasen. Für Pellmann, der tagsüber am Grab seines Vaters war, dann Mittagessen kochte und lange liegengebliebene Hausarbeit erledigte, sah es schon 21 Uhr gut aus. Da hatte er den Platzhirsch Feist knapp hinter sich gelassen. „Da kann richtig was abgehen“, gab er zu Protokoll. Feist, der am Morgen beim Gottesdienst war, ließ sich nicht zu Prognosen verleiten. „Zum Glück sind die DDR-Zeiten vorbei, wo das Ergebnis schon vorher feststand.“

Das Ergebnis sei zu akzeptieren, sagte Feist nach dem Verlust seines Wahlkreises. Man könne jetzt nicht die Wähler kritisieren. Dennoch zeigte er sich verärgert. „Wir haben den Kandidaten der Nationalen Front gewählt in der Stadt der Friedlichen Revolution.“ Es wisse noch nicht um die Chancen für seinen Einzug über die Landesliste, sagte Feist. Siegbert Droese (48, AfD) belegte Platz drei im Leipziger Süden. Bei der AfD herrschte im Rathaus beste Laune, es gab German-Pils.

Jens Lehmann ging für die CDU ins Rennen

Ex-Radprofi Lehmann zeigte von Beginn an den Mitbewerbern im Norden die Rücklichter. Vor vier Jahren hatte die diesmal nicht nominierte, aber im Rathaus anwesende Bettina Kudla von der CDU dort triumphiert, verbuchte 40 Prozent der Erststimmen. „Mal sehen, wie fest Herr Lehmann im Sattel sitzt“, meinte einer, der im Festsaal den Showdown verfolgte – und dann die Antwort erhielt.

Horterzieher Lehmann, der auch im Stadtrat sitzt und früher im Radsport Olympiasieger und Weltmeister war, ging als Sieger durchs Ziel. Gerade Onkel geworden, hatte er am Wahltag eine kleine Familienfeier und die obligatorische Joggingtour hinter sich gebracht, ehe er ins Rathaus kam. Christoph Neumann (52, AfD) kam im Windschatten von Lehmann auf Platz zwei, Franziska Riekewald (37) von den Linken landete auf Platz drei.

Von Mario Beck

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