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Absacker Romantisch wie ein Putzplan
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Campus Online
06:48 08.06.2017
Quelle: privat
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Leipzig

In Büchern, Blogs und Online-Magazinen werden wir ständig als „Generation Beziehungsunfähig“ betitelt. Beziehungen unter Studenten sind angeblich so langlebig wie Eintagsfliegen. Wir swipen und tindern uns anscheinend von einem Quasi-Freund zur nächsten Das-haben-wir-nicht-so-genau-definiert-Affäre. Und das auch nur solange, bis uns das nächste Praktikum nach Barcelona, in den Kaukasus oder – Gott bewahre – nach Ostwestfalen-Lippe ruft. Soweit der Ruf der „Generation Y“.

Dabei wird völlig übersehen, dass wir doch seit Jahren erfolgreiche Beziehungen führen: mit dem Mitbewohner. Mit der WG führen wir die vielleicht stabilste Beziehung unseres Studiums. Wir bringen uns gegenseitig an Kater-Tagen die Suppe vom Vietnamesen um die Ecke ans Bett oder überreden einander, in stressigen Lernphasen doch nochmal vor die Tür zu gehen. Und nach dem dritten Feierabendbier sieht er (oder sie) eigentlich auch ganz attraktiv aus. Es liegt nahe, aus dieser gut funktionierenden platonischen Symbiose eine romantische zu machen. Das Ganze ähnelt ja eh schon einer Beziehung. Aber Vorsicht!

Denn der Mitbewohner wird am Morgen danach nicht verschwinden. Ebenso wie seine nervige Angewohnheit, das Klo nicht zu putzen oder den letzten Kaffee zu trinken. Beim Streit über den Haushalt geht die Romantik ganz schnell den Bach runter.  Aber so kommen wir am Ende dann doch noch zu einer richtigen Beziehung, nach dem Prinzip der deutschen Standard-Ehe: zwei Menschen, die zusammen wohnen, sich einen Kühlschrank teilen und keinen Sex haben.

Pia Siemer

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