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Wie Studenten die Freiheit suchen

Auf dem Pfad der Selbstfindung Wie Studenten die Freiheit suchen

Ob mit stylishen BMWs, gepflegten Drahteseln oder auf leisen Sohlen: Leipzigs Studenten suchen Individualität und Freiheit an ihren je eigenen Orten.

Die große Freiheit finden Studenten nicht unbedingt am Schreibtisch. (Symbolbild)

Quelle: Gisela Gramsch

Leipzig. Fetter V8 Motor, ordentlich Hubraum, verchromte 21-Zoll-Felgen, stylishes Bodykit und Sportauspuffanlage – das versetzt manchen BWL-Studenten in der Jahnallee in neidvolles Staunen. Die Kommilitonen der Geisteswissenschaften fahren am Augustusplatz mit anderen Gestellen auf. Beim schwungvollen Gesehenwerden zählen hier gemuffter Stahlrahmen, Ledersattel, Hohlkammerfelgen und Scheibenbremsanlage.

Immer mehr Studenten wollen solche Status-Mätzchen hinter sich lassen und die letzte Freiheitsstufe des Mobilseins erreichen. Diejenigen, die erkannt haben, dass auch auf dem Rücken der Drahtesel nicht das Glück der Erde liegt, wenden sich als hochindividualisierte Produkte westlicher Akademikerschmieden von der westlichen Welt ab und machen das Individuellste überhaupt: Sie gehen, und zwar den Pfad der Selbstfindung. Mit zwei einzelnen Dreadlocks im Haar, einer tätowierten Lebensblume im Nacken und Barfußschuhen an den Sohlen fühlt der Körper jetzt jedes einzelne Sandkorn und jeden noch so dünnen Grashalm. Schweigemeditationen wie im indischen Hippie-Staat Goa und schamanische Ayahuasca-Rituale wie im Amazonas geleiten sie in die endgültige Entschleunigung, und zwar mitten im Clara-Park.

Klar, dass man am Ende des Selbstfindungstages einen Milchkaffee braucht, und im Musikpavillon kommt das Blumenkind aus dem Master Ethnologie mit dem BWL-Popper-Yuppie ins Gespräch. Besitzlosigkeit führt zum Glück, im Einklang mit der Natur muss man leben und die Erde für künftige Generationen erhalten! Da bekommt der Betriebswirtschaftsstudent schon ein schlechtes Gewissen, wenn er an die 17 Liter denkt, die sein BMW schluckt, und an die fünf Rinder, die für seine Ledersitze sterben mussten. Ob er seine Art der Fortbewegung einmal überdenken sollte? Da wird seine Grübelei jäh unterbrochen: „Du, ich wohne in Anger-Crottendorf, könntest du mich vielleicht fahren?“

Vera Weber

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