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Hochschulpolitik Digitale Währung an Leipzigs Hochschulen - Keine Bildung gegen Bitcoins
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23:11 18.05.2017
Akzeptieren Bitcoins: Inhaber Gregory Ramos Tio (links) und Mitarbeiter Tommy Lee Wegner nehmen im Uptown Coffee Zahlungen mit Bitcoins entgegen. Quelle: Tobias Kisling
Leipzig

Kriminelle Transaktionen in den Hinterzimmern des Internets: Die Währung Bitcoin hat bei vielen keinen guten Ruf. Man kennt sie vor allem als Zahlungsmittel im Darknet für Drogen oder illegale Waffen. Dabei sind die digitalen Münzen weit mehr. In vielen Ländern, zum Beispiel in Tschechien, ist die Digitalwährung bereits im Alltag etabliert. Einkäufe, Arztbesuche oder der nächste Kaffee – vieles lässt sich mit Bitcoins begleichen. Mit ihnen wird weltweit an Börsen spekuliert und immer mehr Unternehmen sehen sie als Währung der Zukunft an. Denn im Gegensatz zum Euro oder Dollar haben die Online-Taler einen Vorteil: Sie sind unabhängig von einem stabilen Bankensystem und somit für jeden nutzbar, der über ein internetfähiges Endgerät verfügt.

Berliner ESMT ist Vorreiter

Als erste deutsche Hochschule hat die Berliner Wirtschaftshochschule ESMT Digitalwährungen für sich entdeckt. Erstmalig bot sie ab Herbst 2016 die Möglichkeit, Semestergebühren mit Bitcoins zu bezahlen. „Vor allem Studierende aus Südamerika und Afrika hatten in der Vergangenheit Probleme mit hohen Transaktionskosten ihrer Banken“, erklärt ESMT-Sprecherin Martha Ihlbrock. Nun können Studierende mit Bitcoins zahlen, die die ESMT als weiteres Zahlungsmittel nutzt oder über einen digitalen Marktplatz zurück in Euro wechseln kann.

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Für die Leipziger Hochschulen sind solche Konzepte hingegen noch unbekanntes Terrain. Die Universität Leipzig weist in einem Schreiben Studierende zwar darauf hin, dass Banken Gebühren für internationale Überweisungen erheben können, stellt aber auch klar, dass sie außer dem Euro kein anderes Zahlungsmittel akzeptieren kann. „Uns ist bewusst, dass dadurch leider für einige Studierende Transaktionskosten anfallen. Aktuell sind wir dabei, alternative Lösungswege für dieses Problem zu finden“, versichert Lina Hörügel vom Akademischen Auslandsamt der Uni.

An Leipzigs zweitgrößter Hochschule, der HTWK, sind alternative Währungen neben dem Euro kein Thema, ebenso an der Hochschule für Musik und Theater. Etwas entgegenkommender ist da schon die Handelshochschule Leipzig, an der derzeit 341 Auslandsstudierende eingeschrieben sind – rund 55 Prozent der dortigen Studierendenschaft. Die HHL hat in Ausnahmefällen die fälligen Anzahlungen nicht erhoben und erst die Gebühren begleichen lassen, als die Studierenden ein deutsches Konto besaßen. „Aber in der Regel kommen die Studierenden nicht aus überweisungsproblematischen Ländern“, meint Volker Stößel, Pressesprecher der HHL. Ähnlich hält es die Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Bitcoinzahlung seit 2011 in Leipzig möglich

Abseits vom Campus können Bitcoins in Leipzig an verschiedenen Orten genutzt werden. Als erstes Leipziger Geschäft bot 2011 das IT-Unternehmen Datarecovery in der Nonnenstraße Zahlungen mit Bitcoins an. Genutzt wurde das Zahlungsmittel dort zwar selten, trotzdem hat die Währung seine Berechtigung, findet Geschäftsführer Jan Bindig: „Wir fanden die Idee gut und wollten ein kleines Zahnrad im großen System sein.“

Auch das Café „Uptown“ in der Riemannstraße akzeptiert seit einem Jahr die digitale Währung. Inhaber Gregory Ramos Tito sieht großes Potential in den Bitcoins: „Im Prinzip ist es nichts anderes als Paypal. Das wollte am Anfang auch niemand. Aber mittlerweile nutzen es alle.“ Der Zahlungsverkehr ist dabei denkbar einfach: Wer seinen Kaffee mit Bitcoins bezahlen möchte, der hält einfach sein Smartphone mit dem entsprechenden Code über das Handy des Inhabers. Zwei Sekunden später ist die Schuld beglichen. Ramos Tito ist sich sicher: „Das ist die Währung der Zukunft.“

Tobias Kisling

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