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Lehramtsstudierende: Gekommen, um zu gehen

Hochschulpolitik in Sachsen Lehramtsstudierende: Gekommen, um zu gehen

Geringer Lohn, lange Arbeitszeiten, keine Verbeamtung: Nach dem Studium verlassen viele frischgebackene Lehrer Sachsen. Studierende sehen hier oftmals keine berufliche Zukunft. Die Staatsregierung prüft nun Pläne, sie zu umwerben.

Nach dem Studium an der Universität Leipzig kehren viele Lehramtsstudierende Sachsen den Rücken zu. (Symbolbild)

Quelle: Lennart Banholzer

Leipzig. Bleiben oder Gehen? Diese Frage stellen sich Leipziger Lehramtsstudierende zurzeit mehr denn je. Sachsen ist, neben Berlin, das einzige Bundesland, das Lehrer nicht verbeamtet. Geht es nach der SPD-Fraktion im Landtag, soll das auch so bleiben.

Maren Beischall studiert in Leipzig Lehramt für das Gymnasium, ihre Fächer sind Gemeinschaftskunde und Mathe. Im Sommer legt sie ihr Staatsexamen ab. Damit kann sie sich in jedem Bundesland für ein Referendariat bewerben, den letzten Schritt auf dem Weg zum Lehrerberuf. Beischall sagt zur Situation in Sachsen: „Man muss verbeamten, um wettbewerbsfähig zu sein.“ Ihr gehe es dabei vor allem um das höhere Gehalt, das mit einer Verbeamtung einherginge. Wenn das Gehalt drastisch angehoben werde, könne sie sich aber auch vorstellen, ohne Verbeamtung in Sachsen zu arbeiten. Es müsse sich aber definitiv etwas ändern, sonst gehe sie. Ganz oben auf ihrer Liste steht Niedersachsen – da kommt sie her.

Bis Ende Januar soll Konzept der Landesregierung vorliegen

Ob die Verbeamtung in Sachsen kommt, sei derzeit offen, sagt der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Lothar Bienst. Seiner Aussage nach benötigt das Bundesland zurzeit zwischen 1500 und 2000 neue Lehrer. Die Staatsregierung soll bis Ende Januar ein Konzept vorlegen, wie diese Lücke geschlossen werden kann. Die Verbeamtung sei dabei nur eine der Möglichkeiten, auch ein Ausgleich des Nettolohns für Lehrer soll geprüft werden. „Ob die Verbeamtung kommt oder nicht entscheidet die Fraktion, niemand anders – auch nicht der Kultusminister,“ so Bienst.

Gegen die Verbeamtung und für höhere Löhne ist die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag, Sabine Friedel. Um Sachsen für angehende Lehrer attraktiver zu machen, könne man sich an Berlin orientieren. Auch dort werden Lehrer nicht verbeamtet, aber deutlich besser bezahlt. Laut einer Übersicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) liegt das Netto-Einstiegsgehalt eines Gymnasiallehrers in Berlin derzeit bei gut 2840 Euro. In Sachsen sind es laut GEW nur knapp 2330 Euro – 500 Euro weniger. Das Bundesland zahlt demnach im Ländervergleich mit Abstand am wenigsten. Im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt liegt das Einstiegsgehalt für Gymnasiallehrer laut GEW fast 600 Euro höher.

Studierende bewerben sich deutschlandweit für Referendariate

Unter den Kommilitonen der Lehramtsstudierenden Maren Beischall ist es üblich, sich in mehreren Bundesländern für ein Referendariat zu bewerben, wie sie sagt. Fünf amtlich beglaubigte Zeugniskopien bekomme jeder nach dem ersten Staatsexamen. Viele würden sich dann auch in fünf Bundesländern bewerben. „Die meisten haben keine Kinder und sagen deshalb nicht: Ich muss unbedingt hier bleiben.“

Laut dem Lehramtsreferenten des "Student_innen Rats" der Universität Leipzig, Christoph Genzel, komme nur die die Hälfte der Lehramtsstudierenden an der hiesigen Universität aus Sachsen. Weil viele der Studierenden sehr heimatverbunden seien, ziehe es sie nach dem Studium zurück in ihr Heimat-Bundesland. Daran würde auch eine Verbeamtung in Sachsen nichts ändern, vermutet Genzel. Er sieht die Pläne kritisch. Zwar müssten die Bedingungen für Lehrer in Sachsen verbessert werden – etwa durch bessere Tarife und eine bessere Lehrerausbildung. Die Verbeamtung würde aber nur zu Ungleichheit in den Lehrerzimmer führen und so Spannungen hervorrufen. Diese Gefahr sieht auch Sabine Friedel (SPD): Von den etwa 30.000 Lehrern in Sachsen seien 24.000 älter als 46 Jahre und damit zu alt für eine Verbeamtung.

Die Einführung der Verbeamtung wäre ein langwieriger Prozess

Auch Beischall sieht die Gefahr einer Neiddebatte in den Lehrerzimmern. Wichtig sei aber, dass der Unterricht in Sachsen auch in Zukunft gewährleistet werde. Deshalb müssten für neue Lehrer Anreize geschaffen werden, die das Land attraktiv machten. Für Beischall müsste sich schnell etwas ändern. Dort, wo sie im Sommer ihr Referendariat beginnt, wolle sie auch langfristig arbeiten. Friedel von der SPD sagt aber, selbst wenn es in der Koalition eine Einigung über die Verbeamtungspläne geben würde: Bis darüber im Landtag entschieden werde, würde es noch einige Monate dauern. Einstellungstermine für Referendariate sind in Sachsen Anfang Februar und Anfang August. Viel Zeit bleibt dem Landtag also nicht.

Von Lennart Banholzer

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