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Wie die Telekom Journalisten unter Druck setzt

Unruhe an der Leipziger HfTL Wie die Telekom Journalisten unter Druck setzt

Der Haussegen hängt schief in der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig (HfTL), fand die Campus-Redaktion bei einer Recherche heraus. Bei den Recherchen machte die Telekom Druck, Quellen an der HfTL wollten plötzlich nicht mehr sprechen.

Quelle: dpa

Leipzig. Der Haussegen hängt schief in der Hochschule für Telekommunikation in Leipzig (HfTL), fand die Campus-Redaktion bei einer Recherche heraus. Dabei scheinen viele Probleme aus Bonn, der Zentrale der Deutschen Telekom AG, zu kommen. Mit dieser hatte auch unsere Rechercheurin einige seltsame Begegnungen. Ein Erlebnisbericht.

„Grenzen gab’s gestern“, verspricht die Deutsche Telekom AG auf ihrer Website, wo sie „Integrität und Wertschätzung“ nicht nur gegenüber ihren Kunden, sondern auch gegenüber der Öffentlichkeit betont. Bei Recherchen zu den aktuellen Spannungen an der HfTL, die sich in Trägerschaft einer 100-prozentigen Tochter-GmbH der Telekom befindet, stieß die Campus-Redaktion jedoch schnell an Grenzen.

Nachdem die Probleme in Gesprächen mit Betroffenen gesammelt waren, konfrontierten wir die Geschäftsführer der Träger-GmbH per E-Mail mit den Ergebnissen und baten um Antwort auf unsere Fragen innerhalb der nächsten drei Tage. Dies sorgte offenbar für einige Aufregung. Am Tag danach rief aus Bonn ein Telekom-Pressesprecher bei der Rechercheurin an und sprach, da diese gerade nicht erreichbar war, auf ihre Mailbox: Er habe herausgefunden, dass wir noch eine Reihe von Mitarbeitern der Hochschule kontaktiert hätten. Ein solches Vorgehen sei „unseriös“ und würde „den Rahmen überschreiten, den das Presserecht vorschreibt“. Wenn wir so weitermachten, hätte das „rechtliche Konsequenzen“.

Von solchen presserechtlichen Vorschriften, die die Kontaktaufnahme zu Mitarbeitern privater Unternehmen verbieten würden, wissen wir nichts. Ein Einschüchterungsversuch also? Da wir nicht alles wissen können und gern dazulernen, baten wir den Pressesprecher telefonisch um Nachhilfe, welche Rechtsnormen denn genau gemeint seien. Er sicherte zu, uns nach Rücksprache mit seiner Rechtsabteilung die entsprechenden Gesetzesstellen zu nennen. Getan hat er dies bis heute nicht.

Zeitgleich gab es Bewegung an der Hochschule: Mitglieder des Studentenrates wurden ins Rektorat zitiert. Es ging wohl darum, wieviel die Studenten öffentlich sagen dürfen. Einige unserer Quellen zogen danach ihre anfänglichen Aussagen zurück. Auffällig war auch, dass alle unsere Quellen von nun an nur noch über private Mailadressen fernab des Hochschul-Servers mit uns kommunizierten – offenbar aus Angst, die Telekom könne sich Einblick in den Schriftverkehr verschaffen.

Um 8 Uhr des dritten Tages nach unserer Anfrage lief die von uns gesetzte Frist ab, ohne dass wir Antworten auf unsere Fragen erhalten hätten. Anrufe beim Pressesprecher während des Vormittags führten zu keinem Erfolg. Anfangs ließ er es noch klingeln, später schaltete sich sofort die Mailbox ein. Um 14 Uhr noch einmal ein Versuch – diesmal mit unterdrückter Nummer. Der Pressesprecher nahm ab. Die Antworten hatte er kurz zuvor abgeschickt.

Wie heißt es so schön im Verhaltenskodex für die Mitarbeiter der Telekom: „Wir arbeiten so, dass uns jeder Vertrauen schenken kann.“

Jennifer Rauch

factbox

Der ursprüngliche Text entstand im Rahmen von CAMPUS, einem Gemeinschaftsprojekt der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung. Die Reportage erschien zuerst am 2. Juli in der Printausgabe der LVZ. Unter diesem Link können Sie sie nachlesen.

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