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Köpfe Schauspieler Max Hubacher: Sein Studium und Leben in Leipzig
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19:33 31.08.2018
Max Hubacher vor der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Nach vier Jahren Studium zieht er weiter - bleibt der Messestadt aber verbunden. Quelle: Marcel Jud
Leipzig

LVZ-Campus: Max, als du vor vier Jahren an die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ gekommen bist, hattest du dir mit Filmen wie „Der Verdingbub“ bereits einen Namen als Schauspieler gemacht. Warum wolltest du dennoch an der HMT studieren?

Max Hubacher: Weil ich auf jeden Fall Theater spielen wollte und will! Ohne eine entsprechende Ausbildung ist es sehr schwierig, Bühnenrollen zu erhalten. Und bevor ich mich an verschiedenen Schauspielschulen in Deutschland und der Schweiz beworben habe, merkte ich einfach, dass ich mich auf etwas ausruhe. Ich machte nur noch das, von dem ich dachte, es funktioniere: Ich wusste, diese Emotion spiele ich so, die andere so. Es war nichts Überraschendes an meinem Spiel und das hat mich nicht befriedigt. Ich wollte mehr, neue Sachen ausprobieren. Und ja, als ich dann bei drei Schulen angenommen wurde, war für mich klar: Leipzig ist es.

Warum war das so klar?

Ich hatte sehr viel Positives über die Schule gehört und ich wollte definitiv nach Deutschland. Zum einen wegen der Sprache: Klar lernt man auch in Zürich oder Bern ein gutes Bühnendeutsch, aber ich wollte ein Alltags-Hochdeutsch sprechen können, das nicht so gestelzt wirkt und einfach normal, frisch und direkt klingt. Ein Deutsch, das mir bei Filmrollen helfen könnte.

Zum anderen liebe ich zwar meine Heimatstadt Bern, aber für das Studium musste ich irgendwohin, wo ich komplett weg von allem Bekannten war – raus aus den sicheren Gewässern, um mich weiterzuentwickeln. Irgendwohin, wo ich nicht Gefahr laufe, in alte Muster zurückzufallen.

Schauspieler Max Hubacher Quelle: Marcel Jud

Was meinst du mit alten Mustern?

An der HMT habe ich zum Beispiel gelernt, mich mehr von innen wahrzunehmen, flexibler und sensibler zu sein. Ich wollte jetzt nicht irgendwie meine Persönlichkeit verändern. Aber ich denke: wenn man als Schauspieler im Spiel reifen will, muss man auch in der Persönlichkeit reifen, neue Sachen wagen. Und ich glaube, das ist schwieriger an einem Ort, an dem man bereits sehr lange ist, als an einem Ort, an dem man vorher noch nie war. Also während meiner ersten beiden Jahre in Leipzig habe ich nur Rollen gespielt, auf die ich überhaupt keine Lust hatte. Ich dachte so: Hä? Aber das liegt mir überhaupt nicht.

Das hat nicht wirklich Spaß gemacht, aber ich habe dadurch wahnsinnig viel gelernt, konnte mein Spektrum enorm erweitern. Ich konnte mich nicht mehr länger auf meine Stärken verlassen, sondern musste bewusst in die eine oder andere Schwäche hineingehen. Nur dann kann was Neues entstehen, wenn man sich selbst überrascht – den Mut hat, sich selbst zu überraschen.

Es besteht ja das Vorurteil, dass sich Theaterleute oft in einer Art „Blase“ bewegen …

Logisch, die Schauspielschule ist wahrscheinlich die krasseste Blase, die es gibt. Also vor allem in den ersten zwei Jahren war das so bei uns. Dann sprichst du auch nur übers Theater und alles dreht sich nur darum. Du bist da voll drin. Und ich glaube, das ist am Anfang auch gut so. Klar muss man sich dann nachher auch wieder davon lösen können. Aber wenn du hierherkommst, dann ist einfach alles nur geil: Wir 18 haben es geschafft, geil, geil! Und du hypst dich erstmal und bei allem, was dir gelehrt wird, denkst du: Oah, wir haben die Weisheit gepachtet.

Aber irgendwann beginnst du mehr zu differenzieren, suchst dir aus dem Gelernten die Dinge raus, die du für dich mitnehmen willst. Dann kommst du auch wieder aus dieser Blase raus.

Du sagst, ihr hättet euch vor allem in den ersten beiden Jahren in dieser Blase bewegt. Was war danach anders?

Die letzten beiden Jahre ist man nur noch selten an der Schule, denn die HMT hat dieses Studio-Prinzip, sprich: du bist ab dem dritten Jahr vor allem am Leipziger Schauspielhaus, wirst in Produktionen eingebunden. Also bei mir lief es noch ein bisschen anders, da ich im fünften und sechsten Semester vier Filme gedreht habe und dank einer speziellen Vereinbarung während dieser Zeit kaum an der Schule war. Aber seit letztem Herbst bin ich auch im Studio und das ist großartig.

Max Hubacher

Der Schauspieler wurde 1993 im schweizerischen Bern geboren. Sein Filmdebut gab er mit 15 Jahren in der Rolle eines krebskranken Jungen in „Stationspiraten“. Der Durchbruch gelang ihm 2011 als „Verdingbub“ im gleichnamigen Film von Markus Imboden. Dafür erhielt er den Schweizer Filmpreis als bester Hauptdarsteller und war als Shooting Star zur Berlinale 2012 eingeladen.

Seit 2014 studiert er an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Am Schauspiel Leipzig stand Hubacher unter anderem in „Little Shop of Flowers“ und „König Ubu/Ubus Prozess“ auf der Bühne. Mit einem Mitstudenten adaptierte er Herman Melvilles „Bartleby der Schreiber“ fürs Theater. Daneben ist er immer wieder auf der Kinoleinwand zu sehen: zuletzt in der Hauptrolle des Kriegsverbrechers Willi Herold in Robert Schwentkes „Der Hauptmann“.

Im Herbst 2018 wird der Schweizer Film „Mario“ von Marcel Gisler in den deutschen Kinos anlaufen. Darin spielt Hubacher einen Fußballer, der sich in seinen Mitspieler verliebt.

Für mich ist das ein sehr gutes Ausbildungssystem: Zwei intensive Jahre an der Schule, wo es richtig zur Sache geht: zack, zack und hier an dem arbeiten und dann an dem, neue Gebiete erforschen und hier das verändern und tak und tak – sind die zwei Jahre rum und du wirst Teil des Studios des Schauspielhauses. Unterricht an der Schule hat man dann nur noch einmal die Woche sowie ab und an Projekte, wie zurzeit die Masterarbeit. Und dieses Studio-Prinzip gibt es zwar auch an anderen Schauspielschulen, aber keine macht das in dem Ausmaß und so konsequent wie die HMT.

Mit dem Abschluss deiner Masterarbeit wird auch deine Zeit an der HMT vorbei sein. Wie geht es dann bei dir weiter?

Es hat sich spontan ergeben, dass ich mit einem guten Freund nach Berlin ziehe. Aber ich wirke noch bei einem Stück am Schauspiel Leipzig mit und bleibe hier als Gast. Daneben laufen auch neue Filmprojekte an, aber es ist noch nichts spruchreif. Und das ist genau das, was ich wollte: Theater spielen UND Filme drehen. Als festes Ensemblemitglied eines Theaters würde das nicht gehen. Das können sich wahrscheinlich nur so Schauspieler wie Samuel Finzi, Wolfram Koch oder Lars Eidinger erlauben – dann nehmen dich die Häuser so oder so und du kannst viel Theater spielen und gleichzeitig viel drehen. Aber wenn du wie ich am Anfang stehst, geht das nicht.

Und ist es hart für dich, Leipzig wieder zu verlassen?

Ich glaube, es ist gut, weiterzuziehen – und von Berlin dauert es mit dem Zug nur ne gute Stunde bis nach Leipzig. Ich werde sicher oft hierher zurückkommen, denn ich liebe die Stadt. Hier geht so viel: Du hast super Bars wie die „Skala“ und Clubs wie das „So&So“, das „IfZ“ und, und, und ... Die Leute sind meistens wahnsinnig freundlich, in der Kunstszene geht extrem viel und irgendwie haben alle Lust, neue Sachen zu machen. Oftmals ist alles ein bisschen improvisiert, aber es kommt immer etwas Neues zustande. Und Leipzig ist einfach „ä huere schöni Stadt“! (Eine extrem schöne Stadt!) Jedem, der das erste Mal hier ist, würde ich empfehlen: einfach losgehen, schauen, entspannen – und entdecken!

Interview: Marcel Jud

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