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16:59 06.07.2018
PoliLab-Mitarbeiter Julia Leser, Professor Rebecca Pates und Philipp Lemmerich erforschen nationale Gefühle. Quelle: Bastian Schröder
Leipzig

Für Deutschland brachte die Fußballweltmeisterschaft in Russland ein frühes Aus. Aus der Traum, vorbei das Daumendrücken für die Müllers, Özils und Boatengs dieser Nation. Wie in den Jahren zuvor jedoch gab es auch bei dieser WM wieder jene, die die Gelegenheit für politische Statements nutzen und öffentlich beklagen, dass ihnen die Nationalmannschaft schon lange nicht mehr deutsch genug sei. Obwohl alle Spieler nachweislich die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

Die Frage nach dem „Deutschsein“ – zuletzt zeigte sie sich, als die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatschef Erdogan für ein Foto posierten. Aber auch durch den Zuzug großer Migrationsgruppen hat sie in den letzten Jahren wieder an politischer Sprengkraft gewonnen. Doch was bedeutet sie im 21. Jahrhundert?

Gemeinsame Identität trotz kultureller Unterschiede?

Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit knapp 750.000 Euro gefördertes Projekt am Institut für Politikwissenschaften der Universität Leipzig will nun Antworten auf diese und weitere Fragen finden. Unter dem Titel „Fremde im eigenen Land? Veränderbarkeit nationaler Narrative mithilfe Politischer Laboratorien“ wollen die Forscher bis 2021 ermitteln, welche unterschiedlichen Vorstellungen von „der Nation“ in der Gesellschaft verbreitet sind und ob eine gemeinschaftliche Identität in Zeiten der Migration auch über kulturelle Unterschiede hinweg möglich ist.

„Die altertümliche Vorstellung über die Nation im Deutschen hat etwas mit Volk und mit dem Abstammungsprinzip zu tun“, erklärt Projektleiterin Professorin Rebecca Pates. „Wenn wir aber sagen, man kann auch Deutscher werden, dann ist die Frage: wie? Heißt das, die Sprache zu lernen? Heißt es, Werte zu lernen? Heißt das, sich an bestimmte kulturelle Gepflogenheiten zu halten?“

Bürgernahe Forschungsmethode

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, arbeiten die Forscher in den kommenden drei Jahren mit einer mehrstufigen und neuartigen Forschungsmethode: den sogenannten politischen Laboratorien, kurz „PoliLab“. „Im ersten Jahr wollen wir herausfinden, welche Erzählungen es über die Nation in der Bevölkerung gibt“, so die stellvertretende Forschungsleiterin Julia Leser. Dafür werden die Forscher in Sachsen, Thüringen, Berlin und Schleswig-Holstein teilnehmende Beobachtungen und Interviews mit unterschiedlichen sozialen Gruppen führen. „In der Debatte, wer die Deutschen sind und was sie sind, müssen diejenigen berücksichtigt werden, die hier sind, sowie jene, die die deutsche Staatsbürgerschaft haben“, so Pates.

Im zweiten Jahr sollen die Ergebnisse dann an die Bürger zurückgegeben werden. „Wir möchten in die Diskussion kommen und schauen, welche Reaktionen unsere Ergebnisse hervorrufen“, so Leser. Im dritten Jahr veranstalten die Forscher dann die eigentlichen Laboratorien. In Bürgerversammlungen sollen deutschlandweit mithilfe der bis dahin vorliegenden Ergebnisse Fragen zur Migrationspolitik diskutiert werden.

Vorbild ist eine kanadische Studie aus dem Jahr 2008, die ethnische und kulturelle Unterschiede in der Provinz Quebec untersuchte, sich für eine Anerkennung der Grundrechte für alle ausspricht und Sonderrechte für einzelne Gruppen entschieden ablehnt.

Ziel: Handlungsempfehlungen für die Politik

Ziel dieses praxisorientierten Ansatzes ist es, allen Teilnehmern eine aktive politische Teilhabe zu ermöglichen und Handlungsempfehlungen für die Politik zu erarbeiten. „Brauchen wir mehr Migration? Wollen wir mehr Migration? Warum? Warum nicht? Unsere Ergebnisse wollen wir zur Verfügung stellen“, so Pates. Dadurch erhoffen sich die Forscher, die öffentliche Debatte über Migration zu entschärfen, die ihrer Ansicht nach oft zu feindselig geführt werde.

Von Bastian Schröder

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