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Lehre & Forschung „Computerspiel-Helden sind Idole, wie es früher Boybands waren“
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18:47 29.06.2016
Die „Mass Effect“-Reihe ist eine der wenigen Videospielserien, in der Spieler ihre sexuelle Orientierung frei wählen können. Quelle: Mass Effect 3/Electronic Arts
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Leipzig

Dass die Videospielbranche ein Frauenproblem hat, bemerkten viele Spieler im August 2014. Zu dieser Zeit nahm die „GamerGate“-Affäre ihren Anfang: Unter diesem Twitter-Hashtag tobte eine monatelange Auseinandersetzung, in der es im Kern darum ging, wie mit Frauen in Spielen, in der Branche und im Gamingjournalismus umgegangen wird. Den Höhepunkt fand der „GamerGate“-Skandal, als eine Hasskampagne gegen die Videobloggerin Anita Sarkeesian gestartet wurde. Die US-Kanadierin analysierte Spiele aus einer feministischen Perspektive.

Computerspiele sind Kulturgut – und trotzdem oft frauenfeindlich

Kaum jemand bestreitet noch, dass sich Computerspiele zum Kulturgut entwickelt haben. Doch noch immer stehen Games wegen der oft frauenfeindlichen und auch gewaltverherrlichenden Inhalte in der Kritik. Das ist längst ein Thema für die Wissenschaft: Unter dem Oberbegriff „Game-Studies“ beleuchten Medienwissenschaftler, Historiker, Japanologen und andere Fachleute die Welt der Computerspiele.

Die Probleme der Branche wurden nun auf einer Podiumsdiskussion der Universität Leipzig debattiert. Der Gleichstellungsbeauftragte Georg Teichert hatte Wissenschaftler eingeladen, um über die Wirkung von gewalthaltigen und diskriminierenden Spielen zu sprechen. Dabei erklärte der Leipziger Kommunikationswissenschaftler Dr. Benjamin Bigl, dass Frauen und Männer sich in Horrorspielen unterschiedlich verhielten: Männliche Spieler würden bewusst ihren Puls herunterfahren, wenn Gegner im Anmarsch sind. Dagegen reagierten Frauen bei Gefahr aufgeregter. 

Medienforscherin betont Idolfunktion von Spielen 

Kritik am Frauenbild in vielen Games übte die Kölner Diplom-Sozialwirtin Maike Groen. Weibliche Charaktere würden oft als passive Schönheiten dargestellt, die gerettet werden müssten. Groen mahnte an, dass Spiele heutzutage mit den früher populären Boybands vergleichbar seien: „Genau solche Idolfunktionen übernehmen Computerspiele und ihre Heldinnen und Helden“, sagte die Wissenschaftlerin. In diesem Zusammenhang lobte Groen die „Mass Effect“-Reihe, in der Spieler frei wählen können, ob sie einen Mann oder eine Frau spielen. In dem Science-Fiction-Abenteuer sind sogar homosexuelle Liebesbeziehungen möglich.

Von Tobias Schmutzler 

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