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Lehre & Forschung Digital Humanities an der Uni Leipzig: Geisteswissenschaften im digitalen Zeitalter
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11:26 13.07.2018
Ab dem kommenden Wintersemester wird der Masterstudiengang Digital Humanities an der Uni Leipzig angeboten. (Symbolbild) Quelle: Pixabay
Leipzig

Die Digitalisierung hat die Welt der Geisteswissenschaften längst erreicht. Seit knapp zwei Jahren bietet die Universität Leipzig den Bachelorstudiengang Digital Humanities ("Digitale Geisteswissenschaften") an – mit großem Erfolg. Bereits im zweiten Jahr waren die Anmeldezahlen so hoch, dass die Uni mittlerweile Zulassungsbeschränkungen einführen musste. Ab dem kommenden Wintersemester startet nun zusätzlich der weiterführende Masterstudiengang.

Pionier der Digital Humanities

Für die rasche Entwicklung der digitalen Geisteswissenschaften an der Hochschule ist unter anderem Gregory Crane mit verantwortlich. Crane kommt ursprünglich aus den USA, studierte klassische Philologie an der Harvard-Universität und gilt als einer der führenden Pioniere auf dem Gebiet der Digital Humanities. Vor fünf Jahren kam er als Humboldt-Professor an die Uni Leipzig, um hier den digitalen Schwerpunkt mit aufzubauen.

„Digital Humanities sind der Raum zwischen Informatik und den traditionellen Geisteswissenschaften. Wir schauen, was in diesem Feld alles möglich ist, und kombinieren Methoden und Ideen neu miteinander", erklärt Crane das Studienfach. Er selbst ist für seine Forschungen und Entwicklungen im digitalen Bereich bekannt. Zum Beispiel erstellte er bereits vor etwa 30 Jahren mit der "Perseus Digital Library" eine digitale Bibliothek für antike Texte.

Informatik und Geisteswissenschaften kombinieren

Crane ist sich sicher, dass die Digitalisierung auch in den Geisteswissenschaften weiter voranschreiten wird. „Schon jetzt liegen viele Texte in digitaler Form vor und in Zukunft werden alle unsere Texte und Quellen digital sein.“ Für einen Geisteswissenschaftler sei es deshalb vorteilhaft, auch Informatik-Kenntnisse zu haben. „In den Digital Humanities ist man Informatiker und Geisteswissenschaftler zur gleichen Zeit“, so Crane.

Die Studierenden lernten vor allem, mit digitalen Texten und neuen Technologien umzugehen. Mittels der neuen Forschungsmethode Topic Modeling könne man zum Beispiel die zentralen Ideen aus Textsammlungen automatisch bündeln. Data-Mining helfe dabei, die wichtigsten Wortgruppen und Schlagwörter aus einem Text herauszufiltern.

Papyrus-Schriften in digitale Texte umwandeln

Ned studiert im ersten Semester Digital Humanities an der Uni Leipzig. Bisher ist er mit dem Studium sehr zufrieden. Es sei grob in drei Teile gesplittet – einen geisteswissenschaftlichen, einen digitalen und einen informatischen.

„Momentan lernen wir, wie Texte in verschiedene Formen umgewandelt werden. Früher hat man zum Beispiel auf Papyrus geschrieben. Der Stoff hat jedoch eine kurze Lebensspanne. Die Texte wurden später in Bücher übertragen und jetzt werden sie durch verschiedene Softwares mit Optical Character Recognition gescannt und in eine digitale Form umgewandelt“, erzählt Ned begeistert.

Englisch und Deutsch sind Voraussetzung

Neben den digitalen und informatischen Fächern besucht Ned auch eine Reihe bunt zusammengewürfelter Module – etwa aus den Musikwissenschaften sowie den Sprach- und Kommunikationswissenschaften. Um zusätzliche Leistungspunkte zu sammeln, könne man außerdem diverse Sprachkurse belegen.

Dass Ned ursprünglich aus Großbritannien kommt und daher fließend Englisch spricht, kommt ihm im Studium zugute. Der Studiengang ist zweisprachig angelegt. Die Studierenden müssen Deutsch und Englisch auf dem Level B2 verstehen und sprechen können. Zusätzlichen Sprachkurse gehören jedoch nicht zum Pflichtbereich.

Griechische Texte ohne Sprachkenntnis verstehen

Um auch antike Texte verstehen zu können, müssen die Studierenden keine alten Sprachen mehr lernen. Stattdessen komme hier innovative Technologie zum Einsatz, so Crane.

„Die Studenten arbeiten mit den original griechischen Texten. Spezielle Softwares ermöglichen direkt eine Wort für Wort Übersetzung“, erklärt der Professor. Die Computerprogramme schaffen somit die notwendigen Voraussetzungen, um sich mit den Texten beschäftigen zu können.

Digital Humanities bieten verschiedene Berufsperspektiven

Durch die Verknüpfung der Geisteswissenschaften mit digitalen Elementen könnten die Studierenden später in ganz verschiedenen Bereichen tätig sein, so Crane. Schon jetzt werden in vielen Berufen oftmals technische Kenntnisse vorausgesetzt. Ob im Informationsmanagement, im Bildungswesen, in Bibliotheken, Archiven oder in den Medien wie Radio, Fernsehen und Internet – den Absolventen des Studiengangs stünden sämtliche Wege offen.

Auch in Zukunft werde technisches Know-how immer wichtiger, davon ist Crane überzeugt. Schließlich befänden wir uns in einem digitalen Zeitalter. Die Frage sei, wie auch die Geisteswissenschaften diese neuen technischen Möglichkeiten am effektivsten nutzen können – ohne auf der Strecke zu bleiben und zu stagnieren. Digital Humanities könnte die Antwort darauf sein.

Von Alexandra Möckel

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