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Studentenleben Alles mal sieben: Über das Leben in einer Groß-WG
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16:43 21.12.2017
Alles mal sieben: Über das Leben in einer Groß-WG. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Leipzig zum Semesterstart nahm mir die Entscheidung ab. Seit einem Jahr teile ich Küche, Wohnzimmer, Flur und Bad mit Menschen, die ich zuvor nicht kannte. Manches ist schön, manches nervt. Meine Mitbewohner aber würde ich nicht mehr eintauschen. Ein Einblick in den Lebensraum einer Groß-WG:

Das Wohnzimmer

Der Gemeinschaftsraum, in unserem Fall das Wohnzimmer mit Kochnische, ist für die WG das, was für Venedig der Marcusplatz ist: Das Herzstück. Jeder Einwohner kommt zumindest einmal am Tag daran vorbei, oft auf der Suche nach einer Unterhaltung oder einer Tasse Kaffee. Hier finden gemeinsame Kochabende statt, Plenarsitzungen und WG-Partys. Hier warten vergessene Pizzareste darauf, aufgegessen zu werden und hier lassen sich aufgebrachte Gemüter mit einem Glas Wein beschwichtigen. Eine Wohlfühloase im WG-Dschungel.

Das Badezimmer

Im gleichen Maße, wie das Wohnzimmer zum gemeinschaftlichen Kuschelbereich erklärt werden kann, ist das Badezimmer eine Konfliktzone. Hier prallen Welten aufeinander, wenn überzeugte Stehpinkler auf Bitte-Sitzen-Schilder und Putzfimmel auf lange Haare im Abfluss treffen. Die morgendliche Dusche erfordert außerdem eine gewisse Sportlichkeit. Wer nicht rennt, wenn das Rauschen des Wassers verstummt, hat das Nachsehen. Aber auch der Schnellste geht aus diesem Wettlauf nicht unbedingt als Sieger hervor. Denn an der Tür wartet nicht selten der Mitbewohner mit einem schuldbewussten Grinsen und den Worten: „Ich würde da jetzt nicht reingehen.“

Nähe

Ob gewollt oder nicht: Wer sich sein Zuhause mit sechs Mitbewohnern teilt, kommt ihnen nah – auf die ein oder andere Weise. Von meinen Wohnungsgenossen kenne ich Zahnbürstenfarbe, Datingverhalten und Lieblingsteesorte. Ich kann an den Spuren in der Küche ablesen, wer nachts einen Fressanfall hatte und am Schritt erkennen, wer durch den Flur schleicht. Privatsphäre ist ein schwieriges Thema, wenn die Wände dünn sind. Toleranz und Ohropax sind ein Muss. Nähe zu den Mitbewohnern hat aber noch einen anderen Effekt: Verstellen und verstecken funktioniert nicht. Man lernt sich kennen - ungeschönt, ungeschminkt und mit allen Macken. Wer sich seine Mitbewohner zu Freunden macht, sollte sie daher gut festhalten. Das ist wahre Liebe.

Sauberkeit

Kein anderes Thema stellt das Zusammenleben in einer WG so sehr auf die Probe. Denn Sauberkeit in der WG ist vor allem eins: Definitionssache. Was für den einen eine blitzblanke Küche ist, grenzt für den anderen an einen Schweinestall. Bei sieben Menschen ist es deshalb sinnvoll, nicht nur einen Putzplan auszumachen, sondern auch, was in jedem Raum gereinigt werden muss. Damit zumindest ein Rahmen abgesteckt ist, der in der Praxis dann wieder umgeworfen werden kann. Unsere Whatsapp-Gruppe ist voll mit Nachrichten á la: „Wer ist dran mit der Küche?“ und „Ist im Biomüll was gestorben?“. Fakt ist: Manche Mitbewohner putzen mehr als andere. Diesen disziplinierten Menschen möchte ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen.

Die Organisation

Es braucht ein beachtliches Maß an Organisationstalent, um sieben Menschen unter einen Hut zu bringen. Allein die Terminfindung für ein WG-Treffen mit allen Mitbewohnern erfordert manchmal wochenlange Planung. Aber auch kleine Alltäglichkeiten wie ein Einkauf müssen abgesprochen werden. Wer schon mal einen Tag in einer Wohnung mit vier Kästen Bier, aber ohne Klopapier verbracht hat, wird mir da recht geben. Die Einkaufsliste am Kühlschrank hat dabei ausgedient: Heute kann man das Zusammenleben wunderbar über eine App organisieren. Wer muss was bezahlen, was fehlt im Haushalt, wer ist dran mit putzen? All das kann einfach online eingetragen und abgehakt werden. Das bedeutet noch immer nicht, dass am Abend auch Klopapier da ist. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Von Hanna Gerwig

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