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Studentenleben Debattierklub der Uni Leipzig: Flamboyanter Tanz der Argumente
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17:41 10.08.2017
Audimax an der Universität Leipzig: Hier führt der Debattierklub hitzige Diskussionen. (Symbolbild) Quelle: André Kempner
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Leipzig

Kultivierte Debatten scheinen heute, da viele ihre Meinungen nur noch in Twitter- und Facebook-Filterblasen kundtun, eine Seltenheit geworden zu sein. Aber es geht auch anders. Vor kurzem lud der „Streitpunkt“ – der studentische Debattierklub an der Universität Leipzig – zu einer Sonderveranstaltung. Bei der Donnerstagsdebatte sollten sich Mitglieder des Klubs und zwei Professoren, ein Historiker und ein Politikwissenschaftler, argumentativ bekriegen. Thema: „Ist die jüngere Generation zeitgemäß repräsentiert?“ Also hinein in dieses letzte Refugium der analog Streitlustigen: das Auditorium Maximum.

19:34 Uhr: Von den 800 Sitzplätzen im Audimax sind gut zwei Dutzend belegt. Der analogen Debattenkultur fehlen die Zuschauer. Ein junger Student in feinem Zwirn samt Fliege und gescheiteltem Haar tritt ans Pult und erklärt den Ablauf der Debatte. Es tritt an: Team Regierung (zwei Studierende, ein Professor) und Team Opposition (zwei Studierende, ein Professor). Team Regierung möchte das Wahlalter auf null Jahre herabsetzen, Team Opposition ist dagegen. Team Regierung eröffnet die Debatte mit einem zehnminütigen Vortrag, dann folgt Team Opposition mit einer zehnminütigen Gegenrede, dann wieder Regierung, dann noch einmal Opposition.

Bei der Debatte geht es ums Ganze: Die Regierung plädiert für „One man, one vote“. Früher habe man unzulässigerweise Frauen vom Wahlrecht ausgeschlossen, das sei eine schlimme Verirrung der Menschheit gewesen. Wie werde man also später über uns urteilen, wenn wir jetzt nicht Kindern oder gar Babys das Wahlrecht ermöglichten? Die Opposition hält dagegen: Zu einer begründeten Wahlentscheidung gehöre ein gewisses Maß an politischer Bildung.

Die Argumente sind so fein gegliedert wie das Verfahren: Möchte das gegnerische Team einen Einwand einlegen, wird dies per Handzeichen oder durch Aufstehen signalisiert. Dieser Unterbrechung wird von den vortragenden Teams je nach Gusto mal stattgegeben und mal nicht.

Nach vier Vorträgen wird das Publikum zwischengeschaltet, der flamboyante Tanz der Argumente ruht für einen Moment und Fragen an die Debattierenden wird Raum gegeben. Es folgen die Schlussplädoyers, dann entscheidet das Auditorium, wer den Sieg für sich beanspruchen darf. Dieser gesittete Austausch von Argumenten entlarvt die Facebook-Kommentareschreiber in ihrer ganzen Wutbürgerlichkeit: Einfach nur den eigenen Senf dazugeben bringt keine Debatte weiter.

Sachlich Argumente vortragen und sich mit anderen austauschen, das kann man beim Debattierclub lernen. Es bleibt die streitbare Erkenntnis des Abends: 75 Prozent der Zuschauer sprechen sich dafür aus, in Zukunft auch Babys an die Wahlurne treten zu lassen. Ein Ergebnis, so kontrovers, dass das Publikum darüber nach der Debatte bei einem lauwarmen Flaschenbier im Auditorium Maximum weiterdiskutierte.

David Knapp

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