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In guten wie in schlechten Zeiten

Leipziger Studenten-WGs In guten wie in schlechten Zeiten

WGs sind eine Wohnform, die oft an den Nerven zerren kann. LVZ Campus hat Leipziger Studenten zu ihren WG-Erfahrungen befragt und die Klassiker, aber auch Skurriles aus dem Zusammenleben zusammengefasst.

Quelle: Ole Steffen

Leipzig. Wer macht was?

Der Putzplan, eine grandiose Erfindung, und wohl auch die, die immer von mindestens einem Mitbewohner ignoriert wird. In den Bioabfall passt immer noch was rein – so lange, bis die Tüte reißt. Und auch die Gemeinschaftsräume putzen sich von alleine. Oder eben doch von der Mitbewohnerin – von Lara Jacobi zum Beispiel. Die Romanistik-Studentin lebt in einer Vierer-WG in der Südvorstadt und sagt: „An Putzpläne wird sich generell nicht so wirklich gehalten.“ Das stört die 24-Jährige, weil es das WG-Klima verschlechtert. „Es ist schon unangenehm und ab einem gewissen Punkt nervt es dich so sehr, dass du dann auch irgendwie anfängst, die Leute anzuzicken“, gibt sie zu.

Aron Schwertner hat in seiner Connewitzer WG unterdessen ein ganz anderes Problem: „Lange, schwarze Haare in der Dusche“, erklärt der Philosophie-Student. „Das ist einfach eklig!“

Und auch der Abwasch ist bei den Leipziger Studenten ein leidiges Thema. Geschirr-Berge in der Küche („und unsere Küche ist gar nicht so groß“) stehen oft so lange, bis sie Schimmel ansetzen. Schön, wenn der pragmatische Mitbewohner die dreckigen Tassen dann gleich noch als Aschenbecher benutzt.

Wem gehört was?

Gemeinschaft, das heißt auch miteinander teilen. Doch die Vorstellung und Definition vom Teilen geht innerhalb derselben WG oft weit auseinander. Der teure Wodka? Plötzlich leer. Und keiner will’s gewesen sein. Gähnende Leere aber immer wieder auch in der WG-Kasse. „Und wenn dann mal Geld drin ist, wird davon nichts für die Gemeinschaft, sondern zum Beispiel ein ganz spezieller Tee für sich selbst gekauft“, klagt eine Studentin. Das Klopapier, sehr wohl für alle, muss dann aus eigener Tasche bezahlt werden. Oder auch nicht: In manch einer WG geht der „Wer-kauft-Klopapier-von-welchem-Geld-Streik“ so weit, dass immer wieder mit Taschentüchern oder Küchenpapier ausgeholfen werden muss. Ein Trick für besonders gerissene Mitbewohner: Klopapierrollen aus den öffentlichen Toiletten der Uni mitgehen lassen und im eigenen Zimmer bunkern.

Es rappelt in der Kiste…

…und im immer schneller werdenden Rhythmus kracht das Bett des Mitbewohners gegen die dünne Zimmerwand. Eine Freude, wenn man auf der anderen Seite der Wand im Bett liegt und versucht einzuschlafen!

Und Sex kann auch zum Partykiller werden. Als Julia Weiß eines Abends mit Freunden zu einer Party aufbrechen wollte, fehlte nur noch ihre Mitbewohnerin. In guter Absicht stürmten die Freunde gemeinsam ihr Zimmer, um sie mitzunehmen: „Und dann waren die da gerade zugange und irgendwie war dann die Luft aus der Party raus“, erinnert sie sich lachend.

Zuweilen lernt man die (Sex-)Gewohnheiten der Mitbewohner sogar so richtig gut kennen. Ein bis zwei Mal pro Woche wird Larissa Stahl von ihren Reudnitzer Mitbewohnern geweckt, „wenn sie morgens im Badezimmer Sex haben und ich nebenan alles höre.“ Schlafen, essen, Kaffee trinken – das sei dann nicht mehr möglich und „Fernsehen gucken ist auch schwierig“. Einen Vorteil hat das Ganze dann aber doch: „Das Klima in der WG ist danach eigentlich immer entspannter – zumindest auf Seiten meiner Mitbewohner“, erzählt die 23-Jährige. Manchmal springe dann sogar ein Essen für sie dabei heraus.

  Tierische Mitbewohner…

…können zum Beispiel Mäuse sein. Diese werden von besonders „tierlieben“ Mitbewohnern auf der Terrasse zwischen den gelben Säcken eingefangen und dann der ebenfalls besonders „tierlieben“ Freundin als Haustier geschenkt.

In Larissa Stahls WG hat eine griechische Austauschstudentin es auch schon mit Marienkäfern probiert: „Ich wollte mir eines Tages etwas aus dem Gefrierfach nehmen und mir ist ein Glas mit gefrorenen Marienkäfern entgegengekommen“, erinnert sich die Germanistik-Studentin. Die Griechin hatte einen ultimativen, wenn auch leider realitätsfernen Plan: Sie wollte die Insekten mit zurück in ihre Heimat nehmen, dort wieder auftauen und, so die Idee, sie lebendig aussetzen, da es dort zu wenig gebe.

Nicht zu spaßen ist außerdem mit dem geliebten Kater der Mitbewohnerin. Eine Leipziger Studentin hatte ihn aus Versehen über Nacht auf dem Balkon im sechsten Stock ausgesperrt – normalerweise schläft er im Bett der Mitbewohnerin. Der kalte Balkon passte dem Vierbeiner wohl nicht, denn am nächsten Morgen kam er äußerst verstört wieder in die Wohnung. Gut, dass Frauchen nicht da war und es nicht mitbekommen hat…  

Die Mitbewohner (und ihre Freunde)…

…sind das, was das WG-Leben ausmacht und manchmal trotzdem einfach zu verfluchen. Vor allem die Partner der Mitbewohner sind bei vielen Leipziger Studenten ein Konfliktthema. Wenn diese ihre dreckige Wäsche zum Waschen mitbringen, ihr Wellness-Programm in der Dusche durchführen, eigentlich 24 Stunden da sind und trotzdem keinen Cent zahlen.

Aber auch der Freundeskreis der Mitbewohner kann zum Problem werden: „Wenn man nach Hause kommt und immer Besuch da ist, nervt es einfach“, findet Lara Jacobi. Vor allem, wenn dann schon klar sei, dass man wieder nicht in Ruhe schlafen könne.

Immer  wieder sorgen Mitbewohner mit ihren Macken für Irritation Zum Beispiel, wenn einem am Morgen halbnackte Fremde in der eigenen Wohnung begegnen. Über Vieles kann man - zumindest im Nachhinein - aber auch Lachen. Etwa, wenn die Freundin im Beziehungsstreit den Mitbewohner auf dem eigenen Balkon aussperrt und dieser verzweifelt alle Mitbewohner anruft, um wieder hereingelassen zu werden. Oder wenn man im Supermarkt nebenan für ein Eis ansteht und plötzlich der Mitbewohner mit vollem Einkaufskorb hinter einem in der Schlange auftaucht – oben ohne, barfuß und in Boxershorts - und sagt: „Sich nur für ein Eis anstellen. Du hast dein Leben auch echt nicht im Griff.“

Raja Kraus

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