Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Studentenleben Kollektivfestival an der Uni Leipzig wirbt für Respekt und Toleranz
Thema Specials Campus Online Studentenleben Kollektivfestival an der Uni Leipzig wirbt für Respekt und Toleranz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Campus Online
12:21 12.06.2016
Vom 19. bis zum 25. Mai fand das erste Kollektiv-Festival des StuRa auf dem Campus statt. Quelle: Christoph Schäfer
Anzeige
Leipzig

Als Jamie Schearer noch ein Kindergartenkind war, hatte sie noch keine Vorstellung, wodurch sich Nationalitäten voneinander unterscheiden. Aber Abneigung und Fremdenfeindlichkeit bekam sie schon am eigenen Leibe zu spüren. Sie erinnert sich noch gut daran, wie ihre Hautfarbe ihr schon im Kindergarten zum Hindernis wurde. Als Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) sowie Vertreterin des Europäischen Netzwerks gegen Rassismus (ENAR) teilt Schearer heute ihre Erfahrung und Expertise. Auf der Eröffnungsveranstaltung des Kollektiv-Festivals hat sie vergangenen Donnerstag von Rassismus im Alltag und insbesondere an der Universität erzählt.

 

Um Vorurteilen und gesellschaftlichen Ungleichheiten entgegenzutreten, hat der Student_innenRat (StuRa) der Universität Leipzig zum ersten Mal das Kollektiv-Festival veranstaltet. Vom 19. bis 25. Mai fanden unter dem Motto „Gesellschaftlicher Klimawandel“ mehr als 40 Veranstaltungen statt, darunter Vorträge, Workshops, Konzerte und Ausstellungen. Ziel war es dabei, Respekt, Akzeptanz und interkulturelles Miteinander zu fördern und so ein Zeichen gegen das zunehmend schlechter werdende gesellschaftliche Klima zu setzen.

 

Zusammen mit der Journalistin Kübra Gümüsay und der Autorin Sabine Mohamed etablierte Jamie Schearer 2013 den Hashtag #schauhin, um Alltagsrassismus im Netz zu dokumentieren. In ihrem Vortrag an der Uni Leipzig berichtet sie, dass sich viele Menschen häufig nicht über Alltagsrassismus bewusst seien. Dunkelhäutige Menschen wie Schearer bekämen dieses fehlende Bewusstsein durch Kommentare wie „Stell dich nicht so an“ zu spüren, sagt sie.

Der Begriff „people of color“ (POC) fällt im Vortrag immer wieder. Die Ursprünge dieser Bezeichnung wurzeln in der Kolonialzeit, geprägt von Bewegungen wie den „Free People of Color“. Später wurde er erneut aufgegriffen, unter anderem von der US-amerikanischen Black-Power Bewegung in den 1960er Jahren. Heute wird der Begriff vor allem von Aktivisten verwendet und bezieht sich auf nicht-weiße Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sind.

 

Neben dem Thema Rassismus widmete sich das Kollektiv-Festival auch der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Behinderung oder sexueller Orientierung. Ein Gast, der ebenfalls schon während seiner Kindheit mit seiner Besonderheit zu kämpfen hatte, war der Autist Julian Telgen. Lange wusste er gar nicht, warum er sich in vielen Dingen von seinen Mitmenschen unterschied. Erst als er 18 war, änderten die behandelnden Ärzte ihre Diagnose von „diffus mehrfachbehindert“ zu Asperger-Autismus. Seither erzählt er seine Geschichte in Vorträgen vorwiegend an Universitäten – für ihn eine Art Therapie, um zu lernen, mit der Krankheit umzugehen.

 

Im Rahmen des Kollektiv-Festivals sprach Telgen vor allem darüber, wie sich das Krankheitsbild bei ihm abzeichnet: Er sei einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt und habe den Drang nach akribischer Ordnung und Struktur im Alltag. Oft hätten Autisten auch individuelle Hobbys oder Vorlieben, für welche sie sich extrem begeistern. Telgen erzählt, dass er sich gerne mit einer Bahnfahrt dem Alltag entzieht. Für seinen Vortrag, den er selbst als autobiografischen Alltagsbericht bezeichnet, erhielt er vom Publikum großen Zuspruch. Das Audimax war bis auf die letzten Reihen besetzt.

 

Als antirassistisches und inklusives Projekt hat das Kollektiv-Festival einen ersten Impuls in Richtung gesellschaftlichen Klimawandel gegeben. Dass diese Thematiken mit Abschluss des Festivals nicht zu Ende gedacht sein sollten, ist dem StuRa offenbar ein großes Anliegen, wie eine Reihe früherer Projekte zeigt. Betroffene können sich jederzeit an den StuRa oder an den Arbeitskreis Kollektiv wenden.

Text: Vera Podskalsky

Video: Friederike Rohmann und Christoph Schäfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Grassi-Museum für Völkerkunde will zu einem Ort politischer Bildung werden. Dafür hat seine neue Direktorin Nanette Snoep Leipziger Kunststudenten eingeladen, die Dauerausstellung zu bearbeiten. „Fremd“ heißt der Titel dieser dreimonatigen Intervention. Das Ergebnis polarisiert.

26.04.2016

Studium beendet – und jetzt? Der Start ins Berufsleben ist für junge Künstler oft schwer: Arbeitsräume und -utensilien sind teuer, das Vertrauen der Galerien oft noch nicht da. Diesen Berufsstartern eine Plattform zu bieten, um Kontakte zu knüpfen und Austausch zu schaffen, hat sich der Verein gegenwart e.V. zum Ziel gesetzt.

27.04.2016

Ungefähr 1.000 Chinesen nahmen in den letzten 16 Jahren an dem Programm „Panda“ teil, um sich auf ein Studium in Mitteldeutschland vorzubereiten. Doch nicht alle Teilnehmer sind zufrieden.

21.02.2018
Anzeige