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13:17 26.07.2018
Die Leipzigerinnen Sophie Jaster (25) und Ronja Büchner (27) eröffneten während ihres Studiums ihr eigenes Café im Szeneviertel Plagwitz. Quelle: Lydia Kluge
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Leipzig

Die Zeit läuft. In nur fünf Minuten gilt es, die Zuhörer zu überzeugen. Fünf junge Leipziger und Leipzigerinnen „pitchen“, wie es im Fachjargon heißt - sie stellen ihre Projekte vor. Der Raum in der unteren Etage des „Social Impact Labs“, einem Gründungszentrum für soziale Projekte, ist gut gefüllt. Durch die großen Glasfenster fallen die letzten Sonnenstrahlen, draußen plätschert der Karl-Heine-Kanal. Einige der Zuhörer haben sich ebenfalls selbstständig gemacht und sind gekommen, um sich mit anderen Gründern zu vernetzen.

Mit einer Handy-App umweltbewusst einkaufen

„Foodmark“ ist eines der gepitchten Projekte an diesem Abend. „Die Idee unserer App entstand im Supermarkt“, erzählt Studentin Leonie Witte (25). Zusammen mit Julia Roth und Jonas Heinroth gehört Leonie zum Kernteam. „Wir haben uns gefragt, was umweltschonender ist: die verpackte Gurke aus Deutschland zu kaufen oder die unverpackte aus Spanien?“, erzählt sie.

Leonie Witte (25) ist Mitbegründerin der Lebensmittel-App „Foodmark“. Quelle: Marlen Schernbeck

Mit der App wollen sie genau diese Frage beantworten. Dafür sammeln sie zu unverarbeiteten Lebensmitteln wie Gemüse und Obst sämtliche Daten – zum Beispiel den CO2- und Wasserverbrauch, der bei Produktion und Transport der Lebensmittel anfällt.

"Das Studium ist die beste Zeit, um sich selbstständig zu machen"

Eine Mammutaufgabe, deren finale Umsetzung noch in der Zukunft liegt. Während Julia die Daten zu den Lebensmitteln sammelt, ist Leonie für die Programmierung der App zuständig. Im Master studiert Leonie Informatik für Geistes- und Sozialwissenschaftler. Bis auf die Masterarbeit hat sie ihr Studium beendet.

Für sie ist es der richtige Zeitpunkt, um sich in einem Projekt zu engagieren. „Ich finde, gegen Ende des Studiums ist es die beste Zeit, um sich selbstständig zu machen. Man ist noch sehr motiviert und steht noch nicht so unter Zugzwang wie im Beruf.“ Die Idee des gemeinsamen Projekts kommt gut an. Vom „Social Impact Lab“ erhielten sie ein Stipendium, seitdem dürfen sie die Räumlichkeiten am Kanal nutzen sowie eine kostenlose Beratung in Anspruch nehmen.

Gründerberatungen an der Uni Leipzig

Auch die Uni Leipzig bietet kostenlose Hilfe für Studenten an, die sich selbstständig machen wollen – mit dem Gründernetzwerk „Selbst Management Initiative Leipzig“ (SMILE). Helge Löbler ist Professor für Betriebswirtschaftslehre und einer der Projektleiter von SMILE. „Jede Person hat einen Fundus an Kompetenzen und wir versuchen herauszufinden, was jemand mitbringt und was man daraus machen kann“, erklärt er.

Insgesamt zwölf Coaches sowie externe Referenten bieten sowohl individuelle Beratungen als auch verschiedene Workshops für kleine Gruppen an. Die Themen erstrecken sich von Steuer-Grundlagen bis hin zum Schreiben eines Businessplans.

Seit dem Start der Initiative im Jahr 2006 konnte SMILE bei mehr als 400 Gründungen mitwirken. „Hier geht richtig was ab, das macht total viel Spaß“, strahlt Helge Löbler. „Man muss sich trauen und im Studium hat man noch die Freiheit, sich zu trauen. Im Berufsleben wird das schon schwieriger.“ Wichtig sei ein ausgefeiltes Konzept, dann gelte es die eigene Idee umzusetzen.

Mehr Freiheiten im Studium

Dass ein solches Vorhaben gelingen kann, zeigen die Studentinnen Ronja Büchner (27) und Sophie Jaster (25). Vor dreieinhalb Jahren eröffneten sie neben dem Studium das Café Kater im Leipziger Westen.

„Wir fanden, es war ein guter Moment, um sich selbstständig zu machen. Wir haben noch keine Kinder. Dadurch hat man mehr Freiheiten – zeitlich, aber auch finanziell“, erzählt Sophie. Zusammen mit Ronja wohnte sie damals in einer WG. Ronja studiert Psychologie, Sophie Wirtschaftswissenschaften.

Unterstützung fanden sie hauptsächlich bei ihren Familien und Freunden. „Meine Eltern sind beide selbstständig und konnten uns Tipps geben“, erzählt Sophie. Die Räumlichkeit in der Zschocherschen Straße war schnell gefunden, die Anträge beim Bau- und Gewerbeamt zügig gestellt. Beim Streichen und Tapezieren packten alle mit an. Für das Startkapital plünderten sie Erspartes und liehen sich Geld von ihren Eltern.

„Der Anfang war sehr stressig“

Kurz nach der Eröffnung nahm Ronja ein Urlaubssemester, auch Sophie besuchte zu der Zeit keine Uni-Veranstaltungen. „Der Anfang war für uns sehr stressig. Vieles war auch erst provisorisch eingerichtet“, berichtet Sophie rückblickend.

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Dem Erfolg tat das keinen Abbruch. Ihr Café war auf Anhieb gut besucht, bald konnten sie Gewinn verbuchen und mehr Leute einstellen. „Dadurch konnten wir langsam wieder Module in der Uni belegen – seit letztem Semester sogar wieder die volle Anzahl.“

Studium durch Selbstständigkeit finanzieren

Finanzieren können Ronja und Sophie ihr Studium nun aus eigener Tasche. „Niemanden mehr zu belasten, bringt eine gewisse Freiheit mit sich“, erzählt Sophie. Gleichzeitig wissen sie es mehr zu schätzen überhaupt studieren zu können. „Im Endeffekt bezahlen wir ja unsere Angestellten dafür, dass wir unserem Studium nachgehen können.“

Nach ihrem Abschluss wollen sie ihr Café jedoch abgeben. „Für uns stand immer fest, dass es ein Projekt auf Zeit ist. Danach wollen wir auch in unseren jeweiligen Berufen arbeiten.“ Die Erfahrungen, die sie bis dahin bereits gesammelt haben, kann ihnen jedoch keiner mehr nehmen.

Von Marlen Schernbeck und Alexandra Möckel

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