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Pro & Contra: Sollten Eltern das Studium finanzieren?

Absacker Pro & Contra: Sollten Eltern das Studium finanzieren?

Es ist die Gewissensfrage, die die meisten Studenten umtreibt: Kann ich mir mein Studium bedenkenlos von den Eltern finanzieren lassen? Oder bin ich moralisch verpflichtet, meinen Lebensunterhalt während des Studiums selbst zu bestreiten? Zwei Master-Studenten diskutieren.

Studenten und das liebe Geld - eine komplizierte Beziehung. (Symbolbild)

Quelle: Adrian Breda

Leipzig. Kann ich mir mein Studium bedenkenlos von den Eltern finanzieren lassen? Zwei Master-Studenten diskutieren.

Pro

Wofür geben Studierende ihr Geld aus? Für Partys, Alkohol und Freizeitbeschäftigungen? Mag sein. Aber eben auch für Semesterbeiträge, Unterhalt und Materialien für die Uni. Die können je nach Fachbereich teuer sein. Wer ernsthaft studiert, der betreibt sein Studium als Vollzeitjob. Mit dem Ziel, schnellstmöglich abzuschließen.

Je nach Studiengang ist ein paralleler Job damit nur vereinbar, wenn man die Prioritäten neu verteilt und dem Studium nicht mehr den gleichen Stellenwert wie zuvor beimisst. Das kann aber nicht der richtige Ansatz sein. Der Staat tätigt hohe Investitionen in Infrastruktur, Personal und Lehre, um eine moderne Bildungsgesellschaft zu ermöglichen.

Diese Investitionen werden ad absurdum geführt, wenn das Studium nur noch an zweiter Stelle steht. Deshalb werden in vielen Fällen die Eltern zur Kasse gebeten. Und das ist gut so. Denn unser staatliches System baut auf innerfamiliäre Unterstützung. Zuerst finanziert sich die Familie untereinander.

Erst wenn das nicht ausreicht, greift der Staat unterstützend ein, zum Beispiel mit Bafög. Der Staat wird durch die Familie entlastet und kann so mit seiner Förderung denen eine Bildung ermöglichen, die durch finanzielle Engpässe ihrer Eltern ausgeschlossen wären.

Bedeutet das also für die zahlenden Eltern ein Verlustspiel? Nein. Denn ihr Nachwuchs ist wiederum verpflichtet, mit seinem Einkommen für die Pflege der Eltern aufzukommen. Das System ist vergleichbar mit einem Darlehen: Geld wird in jungen Jahren für die Bildung geliehen und in Form von Pflegeausgaben später zurückgezahlt.

Der elterliche Zahlungszwang erlischt, wenn Studierende ihren Abschluss hinauszögern. Es sollte also im eigenen Interesse liegen, das elterliche Geld zu nutzen, um sein Studium durchzuziehen. Für die Regelstudienzeit aber haben sie das Recht, auf das elterliche Geld zurückzugreifen. Wie sie es konkret in ihr Studium oder ihre Freizeit investieren, ist Privatsache und geht niemanden etwas an – nicht einmal die eigenen Eltern.

Tobias Kisling,  Master-Student der Journalistik im 2. Semester und Autor der Campus-Redaktion

Contra

Wir sind eine verdammt privilegierte Generation von Studenten. Viele von uns wurden in eine Wohlstandsgesellschaft hineingeboren. Ein Wohlstand, den wohlgemerkt die Generationen vor uns erarbeitet haben – während wir in erster Linie profitieren. Dieser Wohlstand bedeutet für viele auch die Möglichkeit, frei von finanziellen Notwendigkeiten ihrem Wunschstudium nachgehen und es sich von den Eltern finanzieren lassen zu können.

An sich kein verwerfliches Konzept, im Gegenteil. Doch damit läuft man automatisch Gefahr, diesem Privileg nicht mit gebotener Wertschätzung zu begegnen. Frei nach der Devise: Was wir nicht selbst bezahlen müssen, ist uns nichts wert.

Jeder kennt diese Sorte Student: Solche, die in der Gewissheit stets schwarzer Zahlen ihr breites Bildungsangebot kaum wahrnehmen (müssen). Die sich erst ewig Zeit lassen, um dann womöglich noch abzubrechen. War ja nicht die eigene Kohle, die dabei draufging. Wer sich ein Studium selbst finanziert, der geht weitaus bewusster damit um. Wer sich etwas selbst erkämpfen muss, weiß um dessen Wert.

Wer sich hingegen während des Studiums nicht selbst über Wasser halten muss, läuft Gefahr, es sich hinter dem Bibliothekstisch im studentischen Elfenbeinturm bequem zu machen. Weshalb zusätzlichen Aufwand betreiben, wenn sich Konto und Kühlschrank wie von selbst füllen? Doch auf einem solchen Weg bleibt vieles auf der Strecke.

Wer sich sein Studium durch einen Nebenjob finanziert, eignet sich universale Fähigkeiten an, die im theoretischen Akademiker-Kosmos oft zu kurz kommen. Wer sich beispielsweise mal durch die Widrigkeiten der Gastro-Arbeitswelt gekellnert hat, kann ein Lied davon singen. Vor allem aber bedeutet ein selbstfinanziertes Studium Freiheit. Man schuldet niemandem Rechtfertigung dafür, wenn man sich Zeit lässt, das Fach wechselt oder irgendwann abbricht. Wer sich selbst finanziert, studiert nicht für seine Eltern, um deren Investment zu rechtfertigen, sondern einzig und allein für sich selbst.

Daniel Reimann, Master-Student der Journalistik im 2. Semester  und Autor der Campus-Redaktion

 

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