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Studentenleben RCDS in Leipzig: Jung und konservativ an der Uni
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18:03 15.08.2017
Der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) Leipzig mit seinem Vorsitzenden Lucas Schopphoven (5. v. l.). Quelle: RCDS
Leipzig

Es gibt da dieses Zitat, dessen Urheber bis heute nicht geklärt ist. Zur Auswahl stehen unter anderen Theodor Fontane, Winston Churchill oder Georges Clemenceau. Dieses Zitat handelt vom Jungsein und von der Politik, es lautet in etwa: „Wenn du mit 20 kein Kommunist bist, dann hast du kein Herz, wenn du mit 40 immer noch einer bist, keinen Verstand.“ Jungsein, das bedeutet hier große, utopische Ideen haben. Das bedeutet, emotional für „die richtige Sache“ zu kämpfen.

Der 20-jährige Jurastudent Lucas Schopphoven zeigt, dass dieses Zitat nicht für alle jungen Menschen zutrifft. Es ist Mittwochabend, der RCDS trifft sich zum Stammtisch im Morrison's, einem Irish Pub in der Leipziger Innenstadt. RCDS heißt ausgesprochen „Ring Christlich Demokratischer Studenten“ und ist eine Hochschulgruppe, die konservative Werte vertritt und der CDU nahesteht - sie ist aber keine CDU-Organisation. Lucas Schopphoven ist Vorsitzender der Leipziger Gruppe. Zum Stammtisch kommen etwa zehn junge Männer in Hemden und Pullovern; immerhin einer trägt Sakko und Krawatte. Die zwei Frauen sind deutlich in der Unterzahl.

Bierselig und klischeeüberladen?

Der RCDS-Stammtisch, bierselig und klischeeüberladen? „Es geht eher darum, sich auszutauschen“, sagt Lucas. Wenn er spricht, wirkt das sehr diplomatisch. Dann merkt man ihm den Politiker und den Juristen an, er versucht, Sachverhalte pragmatisch zu schildern und erzählt, was er darüber denkt. Klar gebe es eine linke Mehrheit in den Studentenvertretungen an der Uni Leipzig, das sei nun mal ein Fakt. Junge Menschen sind eben eher Kommunisten mit Herz. Wer sich in jungen Jahren als konservativ denkender Mensch outet, gerät schnell in den Verdacht uncool, verstaubt, ja vielleicht sogar gestrig und reaktionär zu sein.

Warum aber begreift sich Lucas als konservativ? Er war Klassen- und Schülersprecher in einem Gymnasium in Trier und ist seit 2014 Mitglied der CDU. Vielleicht ist das auch familiär bedingt, Opa und Onkel waren schon Mitglieder. Und Lucas ist eben eher ein pragmatischer Kopf: „Die CDU ist nicht dafür da, gesellschaftliche Entwicklungen zu stoppen. Wir versuchen vielmehr, einen gesellschaftlichen Konsens herzustellen.“ Jung und konservativ, das versteht Lucas als vordergründig realpolitische Arbeit, Werte wie Loyalität und Verlässlichkeit sind ihm sehr wichtig.

Als Konservativer ist er in der Minderheit, die meisten Stura-Vertreter stehen dem linken Spektrum nahe. „Es gibt schon Leute, die im Stura eine Meinungsdiktatur etablieren wollen“, findet Lucas. Grundsatzdiskussionen würden unterbunden, wenn konservative Ansichten geäußert werden. Beim heiklen Thema Zivilklausel zeigen sich die Fronten: Lucas und der RCDS lehnen sie ab. Die Klausel sieht vor, dass an der Uni nicht mehr für militärische Projekte geforscht werden darf, die linke Mehrheit ist für die Einführung der Klausel.

Morddrohung per E-Mail

Einen persönlichen Tiefpunkt erlebt der RCDS-Vorsitzende Mitte dieses Jahres: In einer anonymen E-Mail bekommt Lucas eine Morddrohung. Er habe sich „wiederholt rassistisch und antisemitisch auf Facebook geäußert“. Während sich der Stura in einem offenen Brief von der Mail distanzierte, gibt es einzelne Vertreter von linken Hochschulgruppen, die die Echtheit der Drohung anzweifeln: Das hätte der RCDS womöglich selbst geschrieben, um Stimmung gegen Links zu machen. Die Polizei wird den Fall wohl nicht aufklären können, denn die Mail wurde über ein Netzwerk versendet, das Verbindungsdaten verschlüsselt.

So etwas ist Christoph Genzel (26), Mitglied der Jungen Union und Lehramtsstudent, noch nicht passiert. „Wahrscheinlich habe ich beim Stura auch einen Sympathie-Bonus, trotz CDU“, vermutet er. Denn Christoph ist auch Vize-Vorsitzender der Lesben- und Schwulenunion Sachsen und setzt sich für Gleichstellung ein - ein Thema, das ganz oben auf der Agenda des Stura steht. Trotzdem gehe ihm das Gendern auf den Geist, sagt er, also eine geschlechtergerechte Sprache, die alle möglichen sexuelle Identitäten zu repräsentieren versucht.

Doch Christoph trennt sein parteipolitisches Engagement strikt von seiner hochschulpolitischen Aktivität: „In meiner Funktion als Referent für Lehramt im Stura bin ich aber an die Beschlusslage des Stura gebunden und halte mich daran“, sagt Christoph. Jung und konservativ sein, so versteht Christoph es, heißt sich den Dingen lösungsorientiert zuzuwenden, ohne Sprachverbote, mit christlichen Werten im Hintergrund.

Urs Humpenöder, David Knapp

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