Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Studentenleben "Rheingold" an der Leipziger HMT: Ein Krimi um Liebe und Macht
Thema Specials Campus Online Studentenleben "Rheingold" an der Leipziger HMT: Ein Krimi um Liebe und Macht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Campus Online
21:46 27.01.2017
Die Göttin Freia, auf der Bühne der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Quelle: Sophie Aschenbrenner
Leipzig

Vor der Hauptprobe, drei Tage vor der Premiere, sind die roten Holzstühle fürs Publikum in der Blackbox an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater (HMT) noch leer. Nur Nathanel Bas sitzt am Klavier und spielt sich ein. Sängerin Monika Zens will vor der Probe ihren Part üben. Noch trägt die 28-Jährige graue Jeans und ein grau-weiß-gepunktetes Oberteil. Auf der Bühne wird sie mit Fellmütze, Pelzjacke und rotem Rock ein bisschen eleganter auftreten. "Ist das richtig interveniert?", fragt sie.

Nathanael Bas singt immer wieder mit, manche Stellen wiederholen die beiden mehrmals. Monika Zens studiert den Master Operngesang an der HMT im zweiten Semester. "In dieser Inszenierung habe ich nur eine kleine Rolle, ich spiele die Urmutter Erda", erzählt sie. Das sei aber auch eine besondere Herausforderung, denn man habe nur einen kurzen Moment, um sich zu beweisen. 

"Das Rheingold" von Richard Wagner bildet zusammen mit den Stücken "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" das Gesamtwerk "Der Ring des Nibelungen". "Das Rheingold" dauert in der klassischen Inszenierung etwa zweieinhalb Stunden. Die Studiofassung für Klavier von Matthias Oldag ist knapp eine Stunde kürzer. Oldag ist Regisseur und an der HMT als Professor für die szenische Ausbildung der Gesangsstudenten verantwortlich.

Reduziert auf die knappe, krimihafte Handlung

Das Theaterstück handelt vom Vorabend der Nibelungen-Tetralogie. Im "Rheingold" werden die grundlegenden Konflikte der folgenden Stücke dargelegt. Im Zentrum steht ein Schatz, das Rheingold, bewacht von den drei Rheintöchtern. Er kann zu grenzenloser Macht verhelfen, wenn sein Besitzer der Liebe abschwört und aus dem Gold einen Ring schmiedet - dem Zwerg Alberich vom Volk der Nibelungen gelingt genau das. Parallel schwelt ein Konflikt zwischen zwei Riesenbrüdern und dem Gott Wotan. Wotan hatte den Brüdern für das Bauen der Burg Walhall die Göttin Freia versprochen, die zu Unsterblichkeit verhelfen kann. Im Lauf der Geschichte gelingt es Wotan, Freia gegen den Nibelungenschatz einzutauschen.
"Wir alle haben irgendwie ein Bild vom Ring des Nibelungen, das gigantisch ist. Große Stimmen, riesiges Orchester, riesiger Bombast", sagt Matthias Oldag, Regisseur der Inszenierung. Doch "Das Rheingold" habe eine ganz "klare, knappe, fast krimihafte Handlung".

Oldag hat eine besondere Verbindung zum "Rheingold": "Besonders dieses Stück hat es mir angetan", erzählt er. "Ich habe es schon oft gesehen und gehört, und als junger Mensch hat mich immer dieses riesige Brimborium gestört, das um den 'Ring des Nibelungen' gemacht wird. Umso schöner ist es jetzt für mich zu sehen, dass es ein sehr anspruchsvolles Stück ist - aber ein Theaterstück."

"Die besten Studenten, die wir an unserer Hochschule haben"

Eine halbe Stunde vor der Probe ist die Stimmung in der Umkleidekabine der Sänger vertraut und ein bisschen aufgedreht. Manche singen sich noch kurz ein, die Rheintöchter schminken ihre Lippen blau. Carolin Schumann ist eine der drei Bewacherinnen des Rheingolds. "Es ist immer eine Herausforderung, sich in einen Charakter hineinzudenken. Aber ich spiele wahnsinnig gerne", erzählt die HMT-Studentin im 3. Semester. Ein paar Minuten vor der Hauptprobe ist sie noch ganz locker. "Die Aufregung kommt vor der Premiere sicher noch."

Die Rheintöchter eröffnen die Inszenierung. Verspielt sehen sie aus, lange, blaue Röcke und ein Oberteil in der gleichen Farbe, die Haare toupiert zu einer großen Mähne, blaue Strumpfhosen, blaue Schläppchen. Mit elfenhaften Bewegungen tanzen sie auf der Bühne. "Uns gehört das Gold, das ist unser größter Schatz und unser größtes Glück. Wir verraten zu viel, und schwupps, wird uns das Gold geraubt", fasst Schumann ihre Rolle als Rheintochter zusammen.

Die drei sind besonders stark, wenn sie synchron singen. Man merkt: Schauspielern macht ihnen Spaß. Oldag schaut konzentriert zu. "Dieses Stück kann nicht jeder singen. Das sind die besten Studenten, die wir an unserer Hochschule haben", sagt er. Er greift selten ein, ruft ab und zu einen kurzen Satz auf die Bühne, macht sich Notizen. 

Anspielungen auf die heutige Gesellschaft

Die Inszenierung funktioniert ohne aufwendige Kulisse, die Bühne der Blackbox ist bis auf die Vertiefung des Rheins das ganze Stück über leer. Umso beeindruckender, als die Rheintöchter das blaue Tuch von der Bühne ziehen, das bis dahin das Rheingold verdeckt hat. Golden glänzend strahlt der Schatz nun und blendet in den Saal hinein.

Oldag spielt in der Inszenierung auch auf aktuelle Probleme an. Die Göttin Freia trägt ein langes, weißes Kleid und eine Schärpe aus einer Europaflagge, die beiden Riesen werden flankiert von Demonstranten, die durch die Zuschauerränge auf die Bühne strömen und Schilder in die Luft halten, auf denen "Kapitalistenschweine" oder "Volksverräter" steht. Sie tragen schwarze Overalls und Sturmmasken. "Wir stellen uns diesem Stück mit dem, was es als Krimi und als Zeitstück hat. Es ist, wie ich finde, wie ein richtiger Tatort geworden", sagt der Regisseur.

Premiere: 27. Januar, 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: Samstag, 28. Januar, 15 Uhr, Sonntag, 29. Januar, 15 Uhr, Montag, 30. Januar, 19.30 Uhr
HMT Dittrichring 21, Großer Probesaal, Raum -1.33. Karten zu 7,50 EUR, ermäßigt 5,50 EUR, HMT-Studierende 2,50 EUR. Achtung: begrenzte Platzkapazität!

Sophie Aschenbrenner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In einer Ausstellung im Neuen Augusteum mischen sich Informationen über die Geschichte der Psychologie mit modernen Experimenten und Erkenntnissen. Dabei steht Wilhelm Wundt im Fokus, der Gründer der Leipziger Psychologie.

26.09.2016

Das Sommertheater der HMT bringt Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ auf die Bühne. Die kreative und kurzweilige Inszenierung mischt Tanz mit Schauspiel und Musik – und strotzt dabei vor Energie.

06.07.2016
Studentenleben HMT-Studenten konkurrieren mit Europas Musikelite - Instrumentalisten unter Leistungsdruck

Die Hochschule für Musik und Theater (HMT) muss ihre Studierenden auf einen hart umkämpften Musikmarkt vorbereiten. Zu dieser Vorbereitung gehört auch das Spielen vor Publikum. Am 10. Juni fand das „Konzert der Bläsermusik“ statt.

06.07.2016