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17:05 21.12.2017
Regionale Unternehmen präsentierten sich den Studierenden bei der Vorlesungsreihe „Hidden Champions in der Region“ - doch viele Stühle blieben unbesetzt. (Symbolbild) Quelle: Marlen Schernbeck
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Leipzig

Das Leben in Studentenstädten ist meist familiär: Beim Einkaufen trifft man auf bekannte Gesichter, abends sieht man sich in der Stammkneipe. Doch nach und nach verschwinden die bekannten Gesichter aus dem Stadtbild. Denn ist das Studium vorbei, verstreuen sich viele in alle Himmelsrichtungen. Laut einer bundesweiten Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung wechselt knapp ein Drittel aller deutschen Hochschulabsolventen für ihren ersten Job das Bundesland.

Befragt wurden Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2013. Die Gründe für den Wechsel sind vielfältig und variieren je nach Fachgruppe. Fehlende Arbeitsplätze, bessere Karriereoptionen und der Rückkehrwunsch in die Heimat sind nur einige der Punkte, die in die Entscheidung einfließen. 

Gebürtige Sachsen bleiben häufig nach dem Studium hier

Wie sieht die Situation in Sachsen aus? Einen Einblick liefert die zweite sächsische Absolventenstudie der Technischen Universität Dresden. Sie befragte sächsische Hochschulabsolventen der Prüfungsjahrgänge 2010 und 2011. Demnach verließen 43 Prozent der befragten Absolventen den Freistaat wieder. Etwa 57 Prozent der Absolventen traten hier ihre erste Arbeitsstelle an. André Bischoff (28) gehört zu denjenigen, die nach dem Studium in der gleichen Stadt geblieben sind – in Leipzig. Im vergangenen Herbst hat er hier sein duales Studium zum Ingenieur für Nachrichtentechnik bei der Deutschen Bahn abgeschlossen.

Bereits vor seinem Abschluss bot ihm sein Arbeitgeber eine Stelle an. Lange überlegen musste er nicht: „Für mich stand schon während des Studiums fest, dass ich in Leipzig bleiben möchte. Ich mag die Stadt, viele meiner Freunde sind hier. Außerdem ist es in Leipzig vergleichsweise günstig.“ Aufgewachsen ist André Bischoff vor den Toren Leipzigs, in Pegau. Eine gewisse heimatliche Verwurzelung offenbart auch die sächsische Absolventenstudie: Etwa zwei Drittel der Befragten, die sowohl ihr Abitur als auch ihr Studium in Sachsen absolviert haben, blieben auch für ihre erste Arbeitsstelle im Freistaat. Umgekehrt verließen etwa zwei von drei Absolventen, die aus einem anderen Bundesland für das Studium nach Sachsen gekommen waren, den Freistaat anschließend wieder. 

Vor allem Ingenieure gehen weg

Eine der höchsten Abwanderungstendenzen zeigten Studierende der Ingenieurwissenschaften. Sie gingen häufig in die südlichen und westlichen Bundesländer. „Ingenieure können sich heute die Stelle aussuchen“, sagt André Weiß, Vorsitzender des Leipziger Ablegers des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI). Der Fachkräftemangel mache sich bundesweit bemerkbar. Während es in Leipzig hauptsächlich mittelständische Unternehmen gibt, sitzen im Süden und Westen Deutschlands viele große Konzerne. Unter anderem deren Name und hoher Verdienst locken viele Absolventen an.

André Bischoff kennt ein Beispiel aus seinem Umfeld: „Ein Bekannter von mir hat seinen Master in Elektrotechnik an der HTWK in Leipzig gemacht. Er hat sich zunächst in einer kleinen Firma in Bitterfeld beworben, das Einstiegsgehalt lag bei etwa 26.000 Euro im Jahr. Dann hat er sich bei einem Unternehmen in Nürnberg beworben, das hat ihm 45.000 Euro angeboten. Er hat den Arbeitsvertrag sofort unterschrieben.“ Später habe er erfahren, dass das Unternehmen seit langem keinen so günstigen Arbeitsvertrag mehr abgeschlossen hatte. 

Hidden Champions der Region

Doch auch in Sachsen gibt es attraktive Stellenangebote für junge Ingenieure, sagt André Weiß vom VDI Leipzig. „Neben den vielen kleinen Firmen gibt es auch hier mittelständische Spitzenunternehmen, die auf ihrem Gebiet marktführend sind und dementsprechend gut bezahlen.“ Das Problem laut Weiß: Viele der Studierende kennen die sächsischen Marktführer schlichtweg nicht. Deshalb bezeichnet der VDI diese Unternehmen als „Hidden Champions in der Region“. Um sie den Leipziger Studierenden näher zu bringen, hat der Leipziger VDI in Kooperation mit der HTWK eine Vorlesungsreihe veranstaltet.

Regionale Unternehmen wie Axmann Fördersysteme GmbH, die unter anderem für Daimler und BMW produzieren, und der Betonanlagenhersteller Ebawe Anlagentechnik GmbH konnten sich vorstellen und Fragen der Studierenden beantworten. Mit nur etwa zehn Zuhörern pro Veranstaltung hielt sich das Interesse der Studierenden jedoch bisher in Grenzen. „Der Arbeitgebermarkt ist längst ein Arbeitnehmermarkt geworden“, sagt Werner Eckert, Geschäftsführer von Ebawe Anlagentechnik. Unternehmen müssten sich heute verstärkt selbst präsentieren, um Nachwuchs zu sichern. Dafür dürfen sie für die Studierenden nicht länger im Verborgenen, also „Hidden Champions“, bleiben.

Von Marlen Schernbeck

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