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Studentenleben Studentischer Verein in Leipzig: Wie neue Stammzellen Leben retten können
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12:50 08.02.2018
Gemeinsam gegen Blutkrebs: Der gemeinnützige Studentenverein AIAS Leipzig organisiert Registrierungen zur Stammzellenspende auf dem Campus. Quelle: Lisa Neumann
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Leipzig

Vor der Mensa am Park herrscht reges Treiben. Einige Studierende nehmen an einer Tombola teil, andere füllen einen Fragebogen aus. Große Fahnen und rote Luftballons verraten, worum es an diesem Tag geht: den Kampf gegen Blutkrebs. Allein in Deutschland findet aktuell jeder zehnte Blutkrebspatient keinen passenden Stammzellspender.

Die studentische Initiative AIAS Leipzig e.V. möchte das ändern. Ihr Ziel: Möglichst viele Studierende dazu bewegen, sich in der Spenderdatei zu registrieren. Denn Studierende sind meist jung und fit und haben daher gute Voraussetzungen für eine Spende.

Wer kommt als Spender in Frage?

Wie es sich anfühlt, zur Lebensretterin zu werden, 
hat Saskia Hell erfahren. Sie konnte durch ihre Knochenmarkspende das Leben eines kleinen Jungen retten. Vor drei
 Jahren gründete
 Saskia zusammen mit 
Kommilitonen
den AIAS Leipzig e.V. – 
heute arbeitet die 28-Jährige als Ärztin im Uniklinikum Leipzig.

Saskia Hell: Ihre Stammzellen retteten einem kleinen Jungen das Leben. Quelle: Lisa Neumann

Bereits zu Beginn ihres Studiums hatte sie sich in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Dafür musste sie nur einen Fragebogen ausfüllen und eine Speichelprobe abgeben. Zwei Jahre später bekam sie Post. „Sie scheinen als Spenderin in Frage zu kommen“, hieß es in dem Schreiben.

Um sicher zu gehen, dass ihre Gewebemerkmale mit denen des Empfängers übereinstimmen, folgten Bluttests – zunächst beim Hausarzt, dann im nächstgelegenen Zentrum der DKMS. „Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich noch immer spenden will. Ich hatte jederzeit die Möglichkeit, doch nein zu sagen“, erzählt sie. Nach intensiver Untersuchung stand fest, dass Saskia ihre Stammzellen spenden kann.

Diagnose: Blutkrebs

Es war im Sommer 2014, Alicia Wildemann steckte mitten im Abitur, als es ihr plötzlich immer schlechter ging. „Mir war oft übel und schwindelig und manchmal kippte ich einfach um“, erinnert sich die 21-Jährige. Was Alicia zunächst auf den Prüfungsstress schob, entpuppte sich wenig später als eine akute Leukämie. „Meine Familie war total aufgelöst“, erzählt sie. „Es war komisch. Aber meine erste Reaktion war sofort: Ich schaffe das!“

Alicia Wildemann erkrankte 2014 an Blutkrebs. Quelle: Sylvio Wildemann

Im Uniklinikum Leipzig bekam sie eine zweiwöchige Chemotherapie. Über einen Infusionsschlauch strömten täglich verschiedene Medikamente in ihre Blutbahn. Diese zerstörten neben den Krebszellen auch gesunde Blutzellen. „Nach der Chemotherapie war ich in einem Zelltief, mein Körper musste sich erstmal wieder regenerieren“, erklärt Alicia. Drei Wochen später folgte eine zweite Chemotherapie. Auch diese stand Alicia durch. Doch anschließend erholte sich ihr Körper nicht mehr. „Ich kam aus dem Zelltief einfach nicht mehr heraus“, erzählt sie. Kurz nach Weihnachten stand fest: Alicia braucht dringend eine Stammzellspende.

Wie läuft eine Stammzellentnahme ab?

„Man fühlt sich sehr verantwortlich für einen anderen Menschen“, erzählt Saskia. Sie hat sich dafür entschieden, ihr Knochenmark zu spenden. In etwa 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen direkt aus dem Blut des Spenders herausgefiltert. Vorab spritzt sich der Spender über fünf Tage hinweg ein Wachstumshormon. Es erhöht für diesen Zeitraum die Anzahl der Stammzellen im Blut.

Bei Saskia hingegen musste eine Knochenmarkpunktion durchgeführt werden. Mit einer Nadel wird dabei das Knochenmark aus dem Beckenkamm herausgezogen. Das wäre ohne Betäubung sehr schmerzhaft, deswegen ist eine Vollnarkose notwendig. „Meine größte Angst war, dass ich einfach nicht mehr aufwache“, sagt sie.

„Ich würde es nochmal machen“

Nach einer Stunde öffnete Saskia wieder ihre Augen. Das Knochenmark, das ihr entnommen wurde, hatte da bereits ein Kurier abgeholt. Gekühlt ist es etwa 72 Stunden haltbar. Wie Saskia erst später erfuhr, erhielt ihre Stammzellen ein sechsjähriger Junge aus Südamerika. „Seine Mutter hat sich 
in einem Brief bedankt und mir
 selbstgemalte Bilder von ihrem
 Sohn geschickt“, 
erzählt Saskia. Immer wieder erkundigte sie sich bei
 der DKMS nach
 seinem Zustand. 
„Es geht ihm gut,
 er kann heute wieder in die Schule
 gehen“, freut sie sich.

Saskia hat den
 Eingriff gut überstanden. „Ich habe
 heute zwei ganz 
kleine Narben, 
aber die sieht man 
kaum“, erzählt sie.
 Auch ihr Knochenmark regenerierte sich innerhalb von zwei Wochen wieder. „Ich würde es nochmal machen“, sagt Saskia heute.

Neue Stammzellen, neues Leben

Alicia, die Leukämiepatientin, wurde auf die Transplantationsstation verlegt. Eine passende Spenderin hatten die Ärzte da bereits gefunden. Damit sich eigene und fremde Stammzellen nicht gegenseitig abstoßen, musste ihr eigenes Knochenmark vorher zerstört werden. An zwei Tagen erhielt sie dazu eine hochdosierte Chemotherapie als Infusion. An den drei folgenden Tagen wurde ihr ganzer Körper zwei Mal täglich für zehn Minuten von jeder Seite bestrahlt.

Am letzten Tag konnte Alicia kaum noch aufstehen, so geschwächt war sie. „Eine Treppenstufe zu bewältigen hat sich angefühlt, als würde ich einen Marathon laufen“, erzählt sie. Wäre ihr Spender zu diesem Zeitpunkt abgesprungen, hätte sie nicht überlebt.

Durch eine Stammzellentransplantation konnte Alicia Wildemann die Leukämie besiegen. Quelle: Sylvio Wildemann

In einem sterilen Zimmer gelangten die gespendeten Stammzellen über eine Transfusion in Alicias Blut. Sie wandern dann selbstständig an die Stellen, in denen sie eigentlich gebildet werden – in die Knochen. „Das merkt man richtig. Ein paar Tage später hatte ich starke Knochenschmerzen. Ohne Schmerzmedikamente hätte ich das nicht ausgehalten“, berichtet Alicia.

Die erste Zeit danach war nicht einfach. Alicia war oft übel, ihre Haut schälte sich, zu jeder Mahlzeit musste sie etwa zwölf Tabletten einnehmen, unter anderem damit ihre neuen Stammzellen die eigenen Organe nicht angreifen. Vier Wochen später durfte sie endlich nach Hause – das erste Mal nach vier Monaten. Heute, drei Jahre später, muss sie keine Medikamente mehr nehmen. „Mir geht es richtig gut, ich hatte einen Schutzengel“, sagt sie und lächelt.

Marlen Schernbeck

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