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„Leipzig lauscht“: Wie werde ich Literaturpapst?

Bücher besprechen „Leipzig lauscht“: Wie werde ich Literaturpapst?

Im Projekt „Leipzig lauscht“ probieren sich Studierende als Buchkritiker. Vier von ihnen sprechen über den Wert von Romanen, die Leipziger Buchmesse und warum man neben dem Studium mehr lesen sollte.

Vor dem Rezensieren mit anderen Menschen darüber sprechen, hilft dem Literaturkritiker. (Symbolbild)

Quelle: pixabay.com/Gellinger

Leipzig. Das Feuilleton nannte ihn den „Literaturpapst“: Marcel Reich-Ranicki, Kritiker und Leiter der TV-Diskussionsrunde „Das Literarische Quartett“. Seit seinem Tod 2013 ist der Titel jedoch wieder frei. Potentielle Nachfolger für den Posten finden sich aktuell bei „Leipzig lauscht“. Für das 2015 von der Leipziger Buchwissenschaft angeleitete Projekt haben sich in diesem Jahr 63 Studierende zusammengetan. Sie kommen aus verschiedensten Fachrichtungen, von der Politikwissenschaft über die Kunstpädagogik bis zur Theaterwissenschaft. In Seminaren lernen sie, wie man Bücher bespricht und über Lesungen berichtet.

Organisiert wird „Leipzig lauscht“ von Professor Siegfried Lokatis und Patricia Blume aus der Buchwissenschaft sowie dem Literaturkritiker Olaf Schmidt. Im Zentrum des Projekts steht die alljährlich im Frühling stattfindende Leipziger Buchmesse – genauer gesagt die rund 3000 Lesungen, welche unter dem Titel „Leipzig liest“ die Großveranstaltung begleiten. 

Die Teammitglieder von „Leipzig lauscht“ besuchen viele dieser Lesungen und schreiben dann später auf dem gemeinsamen Blog über ihre Erlebnisse und Meinungen. Doch in Interviews mit den Studierenden zeigt sich: Viele haben es gar nicht auf den Posten als Literaturpapst abgesehen.

Annika Sparrenborg – Germanistik

Annika Sparenborg, Studentin Germanistik

Annika Sparenborg, Studentin Germanistik

Quelle: privat

LVZ Campus: Was ist dir von der Buchmesse in Erinnerung geblieben?  

Annika Sparrenborg: Ich war schon mehrmals auf der Messe, aber dieses Jahr war es nochmal was Besonderes: Mit dem Presseausweis um den Hals kommt man sich wichtig vor. Wenn nicht sogar ein bisschen cool. Wie jedes Jahr war die Messe ein Ort der Kreativität und Freiheit Ich war bei drei sehr lustigen Lesungen. Selten habe ich so viel gelacht. Zwei der drei Autoren kannte ich vorher und war trotzdem überrascht, wie viele ernste Gedanken hinter der Komik stecken. 

Hast du vorher schon mal Bücher besprochen? 

Bücher ja, aber Lesungen habe ich vorher noch keine rezensiert. Für Mephisto 97.6, den Lokalradiosender der Universität Leipzig, habe ich mich an drei Buchkritiken gewagt. Die erste war noch ausbaufähig, aber mittlerweile habe ich viel dazu gelernt – auch durch „Leipzig lauscht“.

Ist das ein Berufsziel für dich? Literaturkritikerin?

Ich könnte mir generell vorstellen, in den Kulturjournalismus zu gehen. Ob ich allerdings wirklich mein Berufsleben damit verbringen will, pro Monat 4-5 Bücher zu lesen und dann zu rezensieren? Ich glaube eher nicht. Mal ein Buch rezensieren, mal Interviews mit Autoren führen, aber auch mit komplett anderen Menschen– das wäre mein Wunsch. Mein Traum ist es allerdings, als Adelsexpertin die nächste Generation der Europäischen Royals bei großen Veranstaltungen zu begleiten. Long live the Queen!

Juliane Trinks – Kunstpädagogik

Juliane Trinks, Studentin Kunstpädagogik

Juliane Trinks, Studentin Kunstpädagogik

Quelle: privat

LVZ Campus: Wie funktioniert die Arbeit bei „Leipzig lauscht“?

Juliane Trinks:  Wir speisen und organisieren gemeinsam den Blog „Leipzig lauscht“, der parallel zur Buchmesse mit Lesungsrezensionen geflutet wird. Außerdem werden vorab zum Beispiel Interviews mit Leuten aus der Buchbranche geführt. Zusätzlich zu dieser regulären Seminararbeit sind wir alle in Expertenteams eingeteilt. Die kümmern sich um verschiedene Aufgabenbereiche wie Organisation, Social Media und Offline-Öffentlichkeitsarbeit.

Welcher Autor oder welche Autorin ist dir in Erinnerung geblieben?

Arno Frank war einer der sympathischsten Autoren, deren Lesung ich besucht habe. Im Cafe baubau hat er sehr ungezwungen aus seinem Debütroman „So, und jetzt kommst du“ gelesen. Darin hat Frank seine eigene Geschichte als Sohn eines Hochstaplers niedergeschrieben. 

Was hast du in der Zeit gelernt?

Ich habe ein Livequiz für Messebesucher_innen organisiert. Das hat unser Team an drei Messetagen abends als Finale durchgeführt – am Stand des Universitätsbunds von Halle, Jena und Leipzig. Besonders in der intensiven Vorbereitungszeit und während der Messe habe ich viel über Organisation, Kommunikation, Kreativität und Beobachtungsgabe mitnehmen können.

Clemens Patzwald – Soziologie

LVZ Campus: Von Fachartikeln mal abgesehen, welche Rolle spielt Literatur in deinem Studium?

Clemens Patzwald: Ich muss ehrlich sagen, dass ich vor meinem Studium ein viel größerer Leser war, als ich es heute bin. Das mag daran liegen, dass ich weniger Zeit habe. Aber ich nehme mir auch weniger Zeit, mal das zu lesen, was ich möchte. Auf der anderen Seite haben sich vielleicht auch meine Interessen oder meine Vorstellungen von einem lesenswerten Buch verändert. Viele Bücher lese ich nur noch an. Literatur an sich spielt eher in digitaler Form eine Rolle.

Was für Bücher liest du gerne privat?

Im Rahmen von „Leipzig lauscht“ habe ich zwei sehr gute Fachbücher über die Neue Rechte gelesen: „Wenn die Wahrheit Kopf steht“ von Christian Röther und „Bürgerliche Scharfmacher“ von Andreas Speit. Um den Kopf dann aber freizubekommen, lese ich gerade die wunderschön gezeichnete Ausgabe von „Dagobert Duck - Sein Leben, Seine Milliarden“ von Don Rosa. Eine Biografie über die reichste fiktive Figur der Literatur. Unbedingt lesenswert. 

Was hat dich an „Leipzig lauscht“ interessiert?

Für mich stand eher der Organisationsfaktor im Vordergrund. Es war eine wunderbare Gelegenheit, sich in Online-Tools einzuarbeiten, unseren bis dahin eher lauen Facebook-Auftritt zu optimieren und die Reichweite zu steigern. Man kann zwar den besten Blog mit den schönsten Rezensionen betreiben, er sollte aber auch gelesen werden. Die Suche nach immer neuen Inhalten und Formaten, um den undurchsichtigen Facebook-Algorithmus zu begeistern, hat viel Arbeit und Kreativität gefordert. Aber daran hat das ganze Team mitgewirkt.

Rewert Hoffer – Politikwissenschaft

Rewert Hoffer, Student Politikwissenschaft

Rewert Hoffer, Student Politikwissenschaft

Quelle: privat

LVZ Campus: Wie passen Literaturkritik und Politikwissenschaft zusammen

Rewert Hoffer: In der Literatur werden oft Dinge, die unser gemeinschaftliches Zusammenleben betreffen, präziser und besser beschrieben als im wissenschaftlichen Diskurs: Missstände, dumpfe Gefühle über Themen oder die Innensicht von Akteuren. So oder so ähnlich versuche ich mir meine Liebe zur Literatur zu erklären. Von da aus ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Interesse an Literaturkritik.

Wie viel liest du in deiner Freizeit? 

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Monate, da komme ich fast gar nicht zum Lesen. Das ist vor allem während des Semesters, wenn ich sehr viel für die Uni lesen und noch viel nebenbei tun muss – etwa für die Hochschulzeitung „student!“, für die ich auch schreibe. Auch wenn es Tage gibt, wo ich nicht viel anderes mache, außer zu lesen, hätte ich insgesamt gerne mehr Zeit dafür. 

Welchen Roman sollte man als Politikwissenschaftler gelesen haben? 

„Das Treibhaus“ von Wolfgang Koeppen. Darin werden einem nicht nur viele Illusionen über die junge Bundesrepublik und die Demokratie geraubt. Man wird auch daran erinnert, dass es mehr im Leben gibt als Politik.

Interviews und Text: Markus Lücker

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