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Geprellte Unister-Gründer: Rip-Deal in Venedig kommt vor Leipziger Gericht

Finanzmakler angeklagt Geprellte Unister-Gründer: Rip-Deal in Venedig kommt vor Leipziger Gericht

Der seit Juli 2016 in U-Haft sitzende Finanzmakler Wilfried Schw. muss sich im März vor dem Landgericht Leipzig verantworten. Er soll den Finanzbetrug gegen die Unister-Manager Thomas Wagner und Oliver Schilling in Venedig eingefädelt haben.

Das Hotel Antony Palace.

Quelle: PR

Leipzig. Warum hat sich Unister-Gründer Thomas Wagner (38) auf ein windiges Kreditgeschäft vergangenen Sommer in Venedig eingelassen? Eine Antwort darauf könnte Finanzvermittler Wilfried Schw. aus Unna liefern. Er soll den Betrug mit eingefädelt haben und sitzt deshalb seit Juli vergangenen Jahres in Dresden in Untersuchungshaft.

Das Landgericht Leipzig hat jetzt eine Anklage gegen Schw. zugelassen. Das bestätigte Gerichtssprecher Johann Jagenlauf gegenüber LVZ.de. Die Hauptverhandlung vor der 16. Strafkammer soll am 7. März gegen den Geschäftsmann eröffnet werden. Kammervorsitzender ist Norbert Röger, Präsident des Landgerichts. Vorerst wurden bis zum 29. März sieben Verhandlungstage terminiert.

Schw. ist eine der zentralen Figuren um den Rip-Deal in Venedig.  Damals wurden Wagner und sein Mitgesellschafter Oliver Schilling (39) in der Lagunenstadt vom angeblichen Israeli Levy Vass hereingelegt. Für ein Darlehen über zwölf Millionen Schweizer Franken hinterlegten die Unister-Manager 1,5 Millionen Euro als Sicherheit. Beim Austausch der Geldkoffer am 13. Juli 2016 vor dem Hotel „Antony Palace“ jubelte Vass seinen Geschäftspartnern Falschgeld unter und entkam unerkannt. Wagner und Schilling stürzten am Tag danach auf dem Rückflug nach Leipzig ab und starben.

Die Unister-Manager wollten mit frischem Geld ihr in aktuter wirtschaftlicher Schieflage befindliches Unternehmen retten. Schw. erschien ihnen als rettender Strohhalm. Den Kontakt zum 69-Jährigen aus Unna hatte im vergangenen Juni Karsten-D. K., ein ehemaliger Banker mit Geschäftsvergangenheit in Leipzig, hergestellt.

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Und K. legte sich damals für den jetzt Angeklagten mächtig ins Zeug. „Der gestern bei dem Gespräch in Hannover mit anwesende Herr Schw. kennt Herrn Vass aus dem Diamantenhandel seit 17 Jahren, hat bisher nur gute Geschäfte mit ihm gemacht und hat auch noch nie Negatives über ihn gehört“, schrieb K. am Abend des 29. Juni per E-Mail an Wagner. Der Unister-Chef ließ sich davon beeinflussen und entschloss sich schließlich zum verhängnisvollen Geschäft in Venedig.

K. stellte sich später den Behörden und sagte schon kurz nach dem Absturz von Wagner und Schilling aus. Schw. wurde wenig später festgenommen. Levy Vass, bei dem angenommen werden darf, dass weder Name noch Nationalität stimmen, ist bis heute untergetaucht. Von ihm existieren nur verwackelte Bilder der Hotel-Videoüberwachung vom Parkplatz.

Die ermittelnde Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat Vass bisher nicht aufgespürt, bestätigte Sprecher Wolfgang Klein auf Anfrage. Finanzmakler Schw., Banker K. und auch mindestens eine weitere in der Vergangenheit geprellte Personen haben den vermientlichen Diamantenhändler zwar persönlich gesehen, ein Phantombild wurde aber bis heute nicht erstellt. „Darüber haben wir nachgedacht, es aber wieder verworfen“, so Klein. Die Begegnungen der verschiedenen Personen lägen zu weit auseinander. Derzeit würden Daten von Handys und Computern ausgewertet. Weitere Anklagen seien derzeit nicht in Vorbereitung, hieß es.

Matthias Roth

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