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Petition: Unister-Mitarbeiter verlangen U-Ausschuss gegen Sondereinheit INES

Wegen Razzia und Prozess Petition: Unister-Mitarbeiter verlangen U-Ausschuss gegen Sondereinheit INES

Wenige Tage vor dem Abschluss des Strafprozess gegen zwei frühere Manager von Unister, gehen ehemalige Mitarbeiter in die Offensive und wollen einen Untersuchungsausschuss im Landtag erreichen.

Die einstige Unister-Zentrale im Leipziger Barfußgässchen.

Quelle: Knofe

Leipzig. Ehemalige Mitarbeiter des insolventen Internet-Konzerns Unister fordern einen Untersuchungsausschuss im sächsischen Landtag, der die Arbeit der Integrierten Ermittlungseinheit Sachen (INES) beleuchtet. Dafür haben sie im Donnerstag eine Online-Petition eingerichtet. Zu den ersten Unterzeichnern gehören der ehemalige Kommunikationschef und Vertraute von Unternehmensgründer Thomas Wagner, Konstantin Korosides, der einstige Vorstand der Unistertochter Travel 24, Armin Schauer, der langjährige Touristikchef Ralph Michaelsen und Ex-Unternehmenssprecher Dirk Rogl.

Anlass war das Plädoyer von Oberstaatsanwalt Dirk Reuter vergangenen Dienstag am Landgericht Leipzig. Dort müssen sich mit dem ehemaligen Gesellschafter Daniel Kirchhof und dem früheren Direktor Flugwesen, Holger Friedrich, zwei Manager des Konzerns wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs, Steuerhinterziehung und unerlaubten Vertreibens von Versicherungen verantworten. Neben Geldstrafen für beide Angeklagte hatte Reuter für Kirchhof eine Bewährungsstrafe und für Friedrich eine zweieinhalbjährige Haftstrafe gefordert.

Von Unistermitarbeitern und auch der Verteidigung im Strafprozess war die Rolle der federführenden Generalstaatsanwaltschaft Dresden mit Ankläger Reuter und der INES stets kritisch betrachtet worden. Die Strafverfolgungsbehörde hatte 2012 die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) gestoppt, als sie an Unister einen Anhörungsbogen wegen des möglichen unerlaubten Vertriebs von Versicherungen und Steuerhinterziehung verschicken wollte. Ein normales Verwaltungsverfahren wurde dem Betreiber von Flugportalen wie fluege.de somit abgeschnitten. Im Gegenteil: Monatelang ließen die Ermittler anschließend Unister noch mit seinen Geschäftspraktiken gewähren, bevor sie dann im Dezember vor fünf Jahren bei einer Razzia mit INES-Beamten die Geschäftsräume durchsuchten und Wagner sowie weitere Manager, darunter auch Kirchhof, in Untersuchungshaft steckten.

Im Nachgang ermittelte die Generalstaatsanwaltschaft gegen rund 80 weitere Unister-Mitarbeiter. Vor Gericht müssen sich allerdings nur noch Kirchhof und Friedrich verantworten. Das Verfahren gegen den ebenfalls angeklagten Thomas Gudel (Ex-Finanzchef der Travel 24) war gegen Zahlung von 20.000 Euro eingestellt worden. Wagner und sein Mitgesellschafter Oliver Schilling waren im vergangenen Jahr bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt.

"Das von Dr. Reuter geforderte Strafmaß steht in keinem Verhältnis zu dem entstandenen Schaden, der letztendlich hunderte Arbeitsplätze und Existenzen vernichtet hat und für die Angehörigen der Unister-Gründer Wagner und Schilling zum Drama wurde. Dieses Strafverfahren belastet nachhaltig die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Sachsen. Die Arbeit der ‚Ines‘ muss vorbehaltlos aufgearbeitet werden," heißt es in der Petition.

Die ehemaligen Unister-Mitarbeiter sehen im Agieren der Generalstaatsanwaltschaft einen Grund für den Niedergang des Unternehmens, das 2016 Insolvenz anmelden musste. „Die über Jahre nicht zur Anklage gebrachten Vorwürfe und die damals verhängte Untersuchungshaft gegen Thomas Wagner und Daniel Kirchhof waren entscheidend für das Scheitern von Investoren-Gesprächen und haben das zuvor eingeleitete Wachstum abrupt ausgebremst", sagt Ex-Sprecher Rogl.

Am Montag soll das Urteil gegen Kirchhof und Friedrich am Landgericht verkündet werden. "Die Sächsische Justiz hat ihre Arbeit weitestgehend getan. Jetzt ist die Politik an der Reihe", so Rogl weiter.

Matthias Roth

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