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Flüchtlinge in Leipzig Minderjährige Flüchtlinge: Stadt Leipzig ruft Mitarbeiter zu Hilfe auf
Thema Specials Flüchtlinge in Leipzig
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23:07 03.11.2015
Die Stadt Leipzig sucht quer durch alle Fachbereiche Betreuer für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge.  Quelle: LVZ
Leipzig

 Bei der Suche nach Betreuern für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge geht die Stadt Leipzig ungewöhnliche Wege. Nach LVZ-Informationen wurden jetzt per Brief alle Mitarbeiter der Verwaltung von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) um Unterstützung gebeten, unabhängig von einer pädagogischen Qualifikation. „Diese Anfrage gibt es“, bestätigte Stadtsprecher Matthias Hasberg gegenüber LVZ.de.

„Die Betreuung dieser jungen Menschen ist, wie bei deutschen Jugendlichen in vergleichbaren Situationen auch, sehr aufwendig“, so Hasberg. Entsprechend hoch sei der Personalbedarf, um etwa eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung in den Einrichtungen abzudecken. Deshalb suche die Stadt jetzt auch in den Reihen der eigenen Mitarbeitern nach Freiwilligen, die sich diese Aufgabe zutrauen und jungen Menschen Halt geben können.

Hintergrund: Am 1. November ist das „Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher“ in Kraft getreten. Bisher wurden die Minderjährigen dort betreut, wo sie aufgegriffen wurden, neben Bayern vor allem in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Hamburg. Jetzt werden die unter 18-Jährigen nach dem Königsteiner Schlüssel bundesweit verteilt, der sich nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl der Bundesländer richtet.

In der Folge rechnet Leipzig mit mehr ausländischen Kindern und Jugendlichen, die das Jugendamt in Obhut nehmen muss. Die Unterbringung wird vom Freistaat finanziert. Laut Stadtverwaltung leben derzeit 317 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge in Leipzig. Völlig unklar sei, wie sich die Zuweisungszahlen entwickeln werden. Fest steht aber: Leipzig muss 12,96 Prozent der in Sachsen ankommenden geflüchteten Kinder aufnehmen.

Laut Gesetzeslage im Freistaat könnten zu deren Betreuung nicht nur Fachpersonal, sondern insgesamt geeignete Personen eingesetzt werden, erklärte Stadtsprecher Hasberg. Interessierte Verwaltungsmitarbeiter könnten zum Beispiel ein oder zwei Nachmittage oder Abende für die Arbeit mit den Kindern einsetzen. Gute Freizeitangebote zum Beispiel seien für die jungen Neuankömmlinge wichtig. Details zu möglichem Arbeitszeitausgleich gab die Stadt am Dienstag nicht bekannt. „Zur Resonanz auf die Aktion können wir auch noch nichts sagen“, so Hasberg.

Linksfraktion fordert Konzept zur Versorgung

Für verschiedene Aufgaben zur Betreuung und Integration der Flüchtlinge wird die Stadt außerdem 232 neue Mitarbeiter einstellen, ein Großteil davon im Jugendamt. Im Haushalt werden rund 9,65 Millionen Euro für das Jahr 2016 bereitgestellt. Das hat der Stadtrat vergangene Woche beschlossen.

Die Linksfraktion im Stadtrat fordert unterdessen, dass die Stadt ein Konzept zur Versorgung der minderjährigen, geflüchteten Kinder vorlegen müsse. Die Fraktion schlägt ein „Clearinghaus“ vor. An diesem Ort sollen die Minderjährigen in Obhut genommen werden. Dann könnte sich Fachpersonal darum kümmern, dass an einem Ort der gesundheitliche Zustand und der Hilfebedarf der jungen Menschen festgestellt werden kann. Auch die Suche nach Familienangehörigen in Deutschland gehört zu dem gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren. Danach könnten die Jugendlichen in möglichst gemischten Wohngruppen untergebracht und betreut werden.

Von Evelyn ter Vehn

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