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Flüchtlinge in Leipzig Wirbel um internen Spendenaufruf an Leipziger Grundschule
Thema Specials Flüchtlinge in Leipzig
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14:59 05.11.2015
DaZ-Klassen gewinnen vor dem Hintergrund der steigenden Flüchtlingszahlen an Bedeutung. (Symbolbild) Quelle: dpa
Leipzig

Seit etwa zwei Wochen werden an der 3. Schule in Leipzig 30 Flüchtlingskinder unterrichtet. Sie sind sechs bis elf Jahre alt, stammen in erster Linie aus Kriegsgebieten. Da die meisten von ihnen mittellos nach Deutschland gekommen sind, hat die Grundschule in der Scharnhorststraße Spenden gesammelt: Taschen, Federmappen, Buntstifte. Heike Henschel, Leiterin der Bildungseinrichtung, hat über diese Aktion auch die Elternvertreter informiert – in einer internen E-Mail und mit der Bitte, die Informationen weiterzugeben.

Angesichts der großen Hilfsbereitschaft vieler Leipziger ist das nicht ungewöhnlich. Der NPD-Kreisverband jedoch sieht das anders: Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte die rechtsextreme Partei am Dienstag die interne Nachricht. Betitelt war das Schreiben als „Elternbrief“, durch den Arbeitslose „belästigt und genötigt“ würden, „für fremde Interessen aufzukommen“. Damit hätte der Kreisverband die Mitteilung aus dem Kontext gerissen und den Sinn entstellt, findet die Sächsische Bildungsagentur, die für die Grundschule zuständig ist.

„Das ist Verleumdung“

„Es hat keinen Brief an die Eltern gegeben. Es war eine Info an gewählte Elternvertreter“, so Roman Schulz von der Bildungsagentur. „Das ist Verleumdung. Man könnte es auch Lüge nennen.“ Zudem handele es sich um eine Bitte, nicht etwa um eine Forderung. „Es ging um Sachen, die vielleicht jemand übrig hat.“

Schulleiterin Hentschel hatte in der Mail betont, dass sich niemand gezwungen fühlen soll, neue Dinge zu kaufen. Wer gebrauchtes Material zu Hause habe und es „von Herzen so weitergeben“ würde, könne Spenden im Sekretariat abgeben.

Diesbezüglich habe die Schulverwaltung keine Beschwerden von Eltern erhalten. „Niemand ist Sturm gelaufen. Die Entrüstung ist nur beim NPD-Kreisverband entbrannt“, so Schulz. „Ich bin wirklich ungehalten, wie niedrig die Hemmschwelle mittlerweile ist, und was die sogenannten besorgten Bürger alles verbreiten.“ Als Bildungsagentur werde man Schulen bei solchen Vorfällen den Rücken stärken. „Nichts an dem Schreiben war ethisch oder moralisch verwerflich.“ Unklar ist zudem, wie die Partei überhaupt an die interne E-Mail gekommen ist.

DaZ-Klassen kein Nachteil für andere Schüler

Auch die 3. Schule distanzierte sich von den Entwicklungen. „Wir bedauern den Missbrauch unserer schulinternen Kommunikation (Spendenaufruf) in sozialen Netzwerken und bedanken uns für den positiven Zuspruch und die vielen Unterstützer“, hieß es am Mittwoch auf der Internetseite der Schule.

Währenddessen läuft der Betrieb an der Bildungseinrichtung normal. „Die geflüchteten Kinder sind sehr froh, wieder geordnete Strukturen zu haben“, berichtet Schulz. Auch die Nähe zur Asylunterkunft in alten Gebäuden der Schule habe bisher keine Probleme gemacht. „Und die DaZ-Klassen beeinflussen in keiner Weise die Belange der anderen Schüler – ihnen wird dadurch nichts weggenommen.“

In Leipzig sind derzeit etwa 1000 Kinder in speziellen Klassen für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) untergebracht. Im Unterricht sollen Nicht-Muttersprachler in drei Stufen die Deutsche Sprache und gleichzeitig den normalen Lernstoff erlernen.

Von jhz

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