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Galoppgeflüster mit Clemens Meyer Clemens Meyer und die Liebe zur Galopprennbahn im Herbst
Thema Specials Galoppgeflüster mit Clemens Meyer
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14:17 27.10.2017
Schriftsteller Clemens Meyer (40) schreibt in einer LVZ-Kolumne über seine Leidenschaft für den Galoppsport. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Ich liebe ja den Herbst auf den Rennbahnen, goldener Oktober, Nieselregen, oft liegt Abendnebel nach dem letzten Rennen über dem Geläuf, hochgeschlagene Mantelkragen, Regenschirme, die Sportwelt, die Bibel der Galoppsportfans, ist feucht und zerknittert, die letzten Höhepunkte der langen Saison stehen an, alles riecht nach Abschied, sprich Winterpause, eine seltsame gelöste Melancholie legt sich über die grünen, nun Herbstbunten Anlagen, auf denen der Rennsport immer noch lebt.

Im Herbst zeigt sich auch, wer wirklich ein Freund, Anhänger, Fan dieses Sportes ist, denn im Mai oder zum schönsten Sommerwetter zu den Rennen zu gehen, ist leicht. Am Sonnabend zum Saisonfinale im Scheibenholz ist die beste Gelegenheit zu zeigen, dass man kein Schönwetter-Galoppfreund ist.

Im Herbst ist der Wanderzirkus der Jockeys und Pferde, der Aktiven, der Trainer, der Rennsportfotografen und Journalisten, der Funktionäre, der Rennleitung, der Startmannschaft, der Pferdebesitzer und Züchter oft ganz aus der Nähe zu bewundern, man trifft sich, die letzten Siege und Plätze sind zu holen, bei wem läuft es gerade richtig gut? Welches Pferd ist nun schon müde von der langen Saison?

Im Herbst kommt die Zeit der Totoschocker und Außenseiter, gute Vorformen der Galopper kippen plötzlich, wer kann den oftmals weichen Boden? Eine Wissenschaft ist das alles und ein bisschen Glück und Gespür, Insiderwissen ist gefragt und im Herbst einfacher zu bekommen, einfach mal reinhorchen, wenn am Führring oder an den Sattelboxen geflüstert wird, wenn in der alten Waage die Gerüchte und Infos kreisen, Galopp, Galopp, die letzten Siege warten, bevor die Saison zu Ende ist.

Zehn Mal hat’s bei unserem Scheibenholztrainer Marco Angermann diese Saison bereits „geklingelt“, das ist beachtlich für ein kleineres Trainingsquartier. Zwei Mal hat’s für Mister Spock in der höchsten Handicap-Klasse fast geklappt, zwei Mal Zweiter, Baden-Baden und Düsseldorf, noble Bahnen, gute Preisgelder, da ist ein zweiter Platz fast wie ein Sieg... Aber man will ja gewinnen! Noch einmal, Galopp, Galopp, denn bald gehen wir alle in den Winterschlaf. Hals und Bein für Sonnabend und auf Wiedersehen 2018. Der Rennsport lebt!

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