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Galoppgeflüster mit Clemens Meyer Hurra und Hoffnung vor dem Aufgalopp am 1. Mai
Thema Specials Galoppgeflüster mit Clemens Meyer
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14:30 29.04.2018
Clemens Meyer schreibt in seiner LVZ-Kolumne über den Galoppsport. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Hurra, möchte man rufen, der Winterschlaf ist vorbei, der 1.Mai steht vor der Tür, Aufgalopp im Scheibenholz, aber irgendwie habe ich das Gefühl, man müsste eher über ein paar grundsätzliche Dinge reden bzw. schreiben, als in den allgemeinen Jubelchor einstimmen, der nämlich auch schnell wieder verstummt ist, wenn die Boxen sich wieder schließen und die über die Bahn wehenden Wettscheine weggeräumt sind.

Ja, der 1.Mai ist wichtig, er bringt die meisten Leute auf die Bahn, solche Zuschauerzahlen gibt’s im deutschen Galopprennsport selten. Kult, sagt man, und das mag sogar sein, auch wenn dieses Wort heute viel zu oft bemüht wird. Etwas Besonderes ist dieser 1. Mai hier, da kommen sogar die Oberen der Stadt herbei geschlichen und schnuppern Turf-Luft, von der sie sonst so gar nichts riechen bzw. wissen wollen.

Ein klares Bekenntnis zum Leipziger Scheibenholz gab es von Seiten des Sportbürgermeisters zur Pressekonferenz nicht. Das war eine erschreckend blasse Vorstellung, wenn man bedenkt, dass die Tradition des Galopps in Leipzig vor gut 155 Jahren von zwei Stadträten begründet wurde...

Und lange haben wir gebangt und gezittert, ob wir ordentliche Starterfelder für den Aufgalopp am 1. Mai bekommen werden, plötzlich veranstaltet Hannover am selben Tag, immerhin unsere Partnerstadt, aber sieht so Partnerschaft aus? Es gibt doch genügend andere Tage, und eine Menge Trainer schicken ihre Pferde nun nach Hannover und nicht nach Leipzig, dazu der Doppelrenntag in Magdeburg am letzten April-Wochenende. Oder liegt das vielleicht daran, dass wir kein sportlich herausragendes Rennen ausgeschrieben haben, ein Ausgleich II sollte es doch schon sein zum Aufgalopp, um die besseren Ställe und Pferde herzulocken... Allerdings ist unser Ausgleich III sehr gut dotiert, aber vielleicht ist das hier jetzt zuviel Fachsprache und -gesimpel.

Die Probleme müssen gelöst werden, der Rennsport hat’s immer noch nicht einfach und ist von seinen großen Zeiten weit entfernt. Was man nicht glauben mag, wenn man am 1. Mai in Leipzig auf der Bahn ist. Und deswegen jetzt doch ein leises, aber hoffnungsvolles: HURRA, SIE LAUFEN WIEDER!

An dieser Stelle schreibt Kult-Schriftsteller Clemens Meyer, 40, in regelmäßigen Abständen über seine große Liebe, den Galoppsport. Die nächste Kolumne erscheint Ende Mai.

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