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Hochwasser in Sachsen
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Bares in Grimma, Abwarten in Döbeln: Die Verteilung der Fluthilfe läuft langsam an

Bares in Grimma, Abwarten in Döbeln: Die Verteilung der Fluthilfe läuft langsam an

Die ersten sächsischen Gemeinden haben am Donnerstag begonnen, Soforthilfen an Flutopfer auszuzahlen. Erwachsene bekommen 400 Euro, Kinder 250 Euro. Jedem Haushalt stehen maximal 2000 Euro zu.

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Die Feuerwehr räumt den Schlamm vom Markt, die Stadt zahlt erste Soforthilfen an Betroffene aus.

Quelle: Andreas Debski

Leipzig. Insgesamt stellt das Land 30 Millionen Euro zur Verfügung. Auch für betroffene Unternehmen hat der Freistaat jetzt ein Hilfspaket geschnürt. Viele Städte und Gemeinden sind allerdings noch nicht in der Lage, die Gelder zu verteilen.

Grimma ist eine von wenigen Städten, die schon seit Donnerstagmorgen Geld an Betroffene aushändigt, und zwar in bar: Insgesamt 150.000 Euro wurden bis zum frühen Vormittag in der Grundschule West ausgezahlt. Die Nachfrage ist groß. „Es gab einen regelrechten Ansturm“, sagt Stadtsprecherin Marlen Rabold.

Unter Polizeischutz teilen die Mitarbeiter der Stadt die Scheine aus. Betroffene müssen ihren Personalausweis zeigen, die Schäden in der Wohnung benennen und erklären, welche Versicherung sie abgeschlossen haben. „Das Ganze läuft auf Vertrauensbasis“, so Rabold. „Wenn sich einer für seine Lebensgefährtin Geld abholt, obwohl er allein lebt, dann muss er das hinterher zurückzahlen.“ Das Amt wird später prüfen, ob alle Angaben stimmen. Mogeln können die Leute ohnehin kaum. „Wir wissen ja, wo das Überschwemmungsgebiet war“, betont die Sprecherin.

In langen Schlangen warten die Betroffenen am Donnerstag vor der Schule. Viele sind froh, dass das Schlimmste überstanden ist. Doch in einigen Gesichtern kann man Wut und Trauer lesen. Es sind die, die nach der Flut alles verloren haben. „Die Leute bekommen sofort Geld in die Hand gedrückt“, sagt Rabold. Besen, Putzmittel, Streichfarbe – diese und andere Utensilien sollen die Menschen damit kaufen. 200.000 Euro hat Grimma für den ersten Tag bereit gestellt. Noch bis Montag können Betroffene sich die Soforthilfe abholen. Bisher schießt die Stadt die Mittel aus eigener Tasche vor. „Wir können nicht auf das Geld warten, das irgendwann vom Landkreis kommt“, so die Stadtsprecherin.

Manche Gemeinden fehlte der Kontakt zur Außenwelt

Chemnitz zahlt die Soforthilfe ebenfalls in bar aus. In Döbeln bereitet die Stadt die Verteilung für Freitag vor. Wie sie umgesetzt wird, ist allerdings noch nicht klar. In Leisnig wird die Aktion erst am Montag starten. „Einige Verwaltungen sind nur eingeschränkt arbeitsfähig“, sagt Falk Gruber vom Sächsischen Städte- und Gemeindetag (SSG). „In manchen Gemeinden ist die Verwaltung selbst abgesoffen, die hatten lange keinen Kontakt zur Außenwelt“, erklärt er. Mitunter sei es schwierig gewesen, den Kommunen den Erlass des Landes überhaupt zukommen zu lassen. Manches Rathaus muss derzeit noch vom Schlamm frei gekratzt werden. Gruber nimmt die Gemeinden deshalb in Schutz. Denen, die es noch nicht geschafft haben, Geld zu verteilen, werde kein Vorwurf gemacht. „Wir stellen niemanden an den Pranger.“

„Viele Städte und Gemeinden zahlen die Soforthilfe bereits aus, obwohl das Geld des Freistaates im Moment noch gar nicht bei den Kommunen angekommen ist“, lobt auch SSG-Geschäftsführer Mischa Woitscheck. Stefan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, erwidert: „Wir fahren das Geld ja nicht auf einem Lastwagen zu den Kommunen.“ Es brauche eben eine gewisse Zeit, bis die Überweisungen getätigt werden. Die Gemeinden müssten keineswegs auf das Geld vom Land warten. Sie könnten es schon jetzt auszahlen, so Gößl. Im Landkreis Leipzig scheinen die Mittel bereits angekommen zu sein. „An die zehn Kommunen wurden bisher 1,1 Millionen Euro vom Land ausgezahlt“, erklärt Markus Schmidt vom Katastrophenstab des Kreises. Das Geld könne nun an die Bürger weitergereicht werden.

In manchen Fällen ist die Nachfrage allerdings noch gar nicht da. In der 8000-Einwohner-Stadt Waldheim hat sich bisher niemand die Soforthilfe abgeholt, heißt es aus dem Rathaus. „Die Betroffenen können wir hier an einer Hand abzählen“, berichtet eine Mitarbeiterin und fügt im Flüsterton hinzu: „In Waldheim betrifft das eher Personen, die auf die 400 Euro nicht angewiesen sind.“ Die Verwaltung will das Geld den zehn betroffenen Familien überweisen. Ganz so unbürokratisch läuft es hier wohl nicht ab: Der Antrag kann zwar vor Ort ausgefüllt werden, muss aber von der Meldebehörde bestätigt werden. Das Bauamt soll anschließend prüfen, ob die Wohnung tatsächlich durch die Flut Schaden genommen hat. Die Hilfe gilt nur für Schäden im Erdgeschoss oder in höheren Etagen, nicht für den Keller.

Ab nächster Woche auch Soforthilfe für Unternehmer

Inzwischen hat das sächsische Wirtschaftsministerium auch ein Soforthilfepaket von 10 Millionen Euro für Firmen geschnürt, die unter der Flutkatastrophe leiden.  „Der Freistaat stellt 1500 Euro für jedes betroffene Unternehmen bereit“, sagt Sprecher Florian Schäfer. Die Kommunen werden das Geld ab Anfang kommender Woche auszahlen. „Der Betrag soll insbesondere kleine und mittlere Unternehmen zum Beispiel Handwerksbetriebe unbürokratisch dabei unterstützen, schnell wieder den Geschäftsbetrieb aufnehmen zu können“, erklärt er.

Wie viel Schaden die Gemeinden insgesamt durch die Überschwemmung genommen haben, will die sächsische Landesdirektion in Kürze ermitteln. Man wolle „möglichst schnell einen belastbaren Überblick“ über die Situation von Privaten, Unternehmen, Kommunen und Freistaat bekommen“, so Pressesprecher Holm Felber. Die Gemeinden sollen bis zum 12. Juni Schäden in der Infrastruktur, von Privatpersonen und Unternehmen erfassen und diese an die Direktion weitergeben.

Gina Apitz

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