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Hochwasser in Sachsen
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Bundeswehr befestigt Leipzigs Deiche aus der Luft – Rosenthal: Lage ist keineswegs entspannt

Bundeswehr befestigt Leipzigs Deiche aus der Luft – Rosenthal: Lage ist keineswegs entspannt

Leipzig. Das Wasser kam, aber die Deiche hielten: Trotz eines neuen Rekord-Höchststandes von 5,10 Metern an der Weißen Elster in Leipzig ist es bisher nicht zu den erwarteten Überschwemmungen in der Messestadt gekommen.

"Uns ist keine Stelle bekannt, an der die Deiche nicht gehalten haben", sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung am Dienstagmorgen. Vereinzelt liefen im Leipziger Süden Keller voll. "Es blieb aber alles im Rahmen", hieß es aus der Leitstelle der Leipziger Feuerwehr. Seit Dienstagmorgen ist ein Hubschrauber der Bundeswehr im Einsatz.

Entwarnung will Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) aber keineswegs geben. Im Gegenteil: Den Messpunkt Kleindalzig passierten derzeit noch immer 530 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Bis zu 130 Kubikmeter pro Sekunde werden bei Zitzschen in den Zwenkauer See geleitet. Der Rest nimmt Kurs auf Leipzig. Das werde sich auch im Laufe des Tages nicht ändern. Die Stadt hat deshalb in der Nacht zur weiteren Entlastung den Elsterstausee geöffnet.

Laut Rosenthal sei die Bestimmung der genauen Durchflusswerte schwierig, weil die Messinstrumente nicht mehr in Betrieb seien. Deshalb lasse sich auch der Pegelstand der Weißen Elster in Gera und Zeitz nur unzureichend ermitteln. Diese beiden Punkte sind maßgeblich für Prognosen in Leipzig. Von Gera aus benötigt das Wasser bis in die Messestadt 24 Stunden.

Fotos aus Leipzig

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Dresden. Zuviel Bürokratie und mehr Schäden als gedacht: Sachsen zieht ein Jahr nach dem neuerlichen Jahrhunderthochwasser von 2013 Bilanz zum Wiederaufbau und muss sich dabei auch kritischen Fragen stellen. Die kirchlichen Hilfsorganisationen Caritas und Diakonie sowie das Deutsche Rote Kreuz beklagten am Dienstag in Dresden die Bürokratie bei der Unterstützung Betroffener.

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Am Dienstagmorgen stand der Pegel der Weißen Elster (hier am Schleußiger Weg) bei 5,10 Metern.

Quelle: Matthias Puppe

Durch die angespannte Talsperrensituation lasse sich auch die Pleiße kaum noch entlasten. Am Messpunkt Böhlen 1 gilt die Alarmstufe 3, der Pegel fällt inzwischen wieder. Die Pleiße mündet im Leipziger Elsterflutbett in die Weiße Elster. Stabil ist dagegen der Wasserstand der Parthe. Dort gilt nach wie vor die Alarmstufe 2.

Axel Bobbe, Leiter der Talsperrenverwaltung Untere Pleiße, rechnet frühstens am Mittwoch mit einer Entspannung. „Wir haben jetzt mehr Wasser als beim Hochwasser 1954“, sagt er.

Weiterer Regen erwartet

Die Wetterlage hat sich am Dienstag im Vergleich zum vergangenen Wochenende entspannt. „Es kann aber in den nächsten Tagen immer wieder zu Schauern und Gewittern kommen“, sagte Peter Weber, Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Dieser Niederschlag sei nicht pegelrelevant, seiner Ansicht nach. Dem DWD liegen auch Prognosen mit weiteren Starkniederschlägen auch für Erzgebirge und Vogtland für kommende Woche vor. Von dort speisen sich Weiße Elster und Pleiße mit Wasser. Die Auswirkungen auf die Pegel lassen sich derzeit nicht abschätzen.

Rosenthal tagte am Morgen mit dem Krisenstab der Stadt. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) will er sich am Mittag an kritischen Punkten des Stadtgebietes selbst ein Bild von der Lage machen. Für 14 Uhr ist eine Pressekonferenz mit weiteren Informationen geplant.

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Hochwassereinsatz: Hunderte helfen dabei, den Damm an der Brückenstraße in Leipzig zu verstärken.

Quelle: Frank Schmiedel

In der vergangenen Nacht haben sich rund 1.000 Helfer zum Befüllen von Sandsäcken gemeldet. „Es gab eine riesige Bereitschaft“, so Rosenthal. Freiwillige sind nach wie vor willkommen, allerdings übersteigt das Engagement an einigen Stellen, wie in der Kiesgrube Kleinpösna und in Großzschocher, die Kapazität. Die Stadtverwaltung bittet deshalb, vorerst nicht mehr dahin zu fahren. Am Nachmittag sollen neue Einsatzgebiete folgen. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung übermittelte an die Helfer am Dienstag via Facebook: "Herzlichen Dank! Eure Arbeit hat sich gelohnt!"

Hubschrauber der Bundeswehr im Einsatz

Seit Dienstagmorgen ist am Elsterdeiche, zwischen Stadtgrenze und Brückenstraße, ein Hubschrauber der Bundeswehr vom Typ CH-53 im Einsatz. Der Damm wird auf beiden Seiten mit Sandsäcken befestigt, zum einen um Sickerstellen zu schließen und zum anderen um Niveauunterschiede im Gelände auszugleichen. „Mit der Westseite sind wir fertig“, berichtete Rosenthal. Problem an der Ostseite: Die Helfer kommen durch unwegsames Gelände nur schwer an den Schutzwall heran. Deshalb fliege nun der Militärhubschrauber die Sandsäcke zum Deich. Die Besatzung ist normalerweise in Laupheim (Oberschwaben) stationiert. Sie kam am Montag über den Flughafen Holzdorf in Sachsen-Anhalt ins mitteldeutsche Krisengebiet.

Beendet ist seit Dienstagmorgen die Evakuierung von Alten- und Pflegeheimen. Laut Rosenthal waren 600 Transporte notwendig, um die Menschen in Sicherheit zu bringen. Sie wurden in anderen Einrichtungen der Träger oder in Kliniken einquartiert.

Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) fuhren am Dienstagmorgen im normalen Linienbetrieb. Es kam allerdings zu leichten Fahrplanabweichungen. Als Vorsichtsmaße vor den drohenden Wassermassen hatten die LVB am Montagabend den Straßenbahnhof Angerbrücke geräumt und alle Bahnen ab 23 Uhr auf dem Streckenabschnitt zwischen Schönau und Miltitz abgestellt.

Vorsorglich geschlossen wurden am Dienstag fünf Schulen und 22 Kindertagesstätten. Sie befinden sich in dem vom Hochwasser gefährdeten Gebiet rings um Weiße Elster und Luppe. Die Stadt veröffentlichte am Montagabend eine Liste mit den betroffenen Einrichtungen.

Matthias Roth / Matthias Puppe / Martin Wachtelborn

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