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Hochwasser in Sachsen
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Spontan und digital: Wie sich im Hochwasser Solidarität organisiert

Spontan und digital: Wie sich im Hochwasser Solidarität organisiert

Wer sagt, dass Freunde in sozialen Netzwerken nur virtuell sind und sich in der Not verdrücken, der sollte zum „Studentenclub Bärenzwinger“ in Dresden gehen.

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Max Pagenkopf (hinten) koordiniert am 05.06.2013 in Dresden freiwillige Helfer am „Studentenclub Bärenzwinger“. Viele Helfer in den vom Hochwasser betroffenen Städten melden sich spontan und packen an.

Quelle: dpa

Dresden. Rund 350 Menschen stehen dort, es ist 21 Uhr. Sandsack um Sandsack wandert hinunter zu der Kneipe, die in einem Gewölbekeller liegt und das Hochwasser fürchten muss. „Ich habe am Montag den Aufruf auf Facebook gesehen und bin sofort gekommen“, sagt Max Pagenkopf. Der 27-Jährige weist den Helfern Aufgaben zu und schreibt die neusten Informationen zum Hochwasser auf eine Tafel - auch die kommen über Facebook und Twitter rein. Die Solidarität mit den überschwemmten Gebieten ist groß in diesen Tagen. Und das Internet wird zu ihrer Plattform.

Ob in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen: Überall wird sich digital organisiert und ausgetauscht. Die Facebook-Gruppe „Hochwasser Passau 2013“ beispielsweise hat mittlerweile über 2000 Mitglieder, die Facebook-Seite „Hochwasser Halle - Saale“ wurde rund 11 000 Mal mit einem „Gefällt mir“ versehen. Oft geht es um die Fragen: Wer braucht Hilfe? Was kann ich machen? Auf Twitter laufen sekündlich Informationen mit dem Hashtag #hochwasser.

„Für Deutschland ist das zweifellos eine neue Entwicklung“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bei der Jahrhundertflut 2002 hätten die sozialen Netzwerke noch in den Kinderschuhen gesteckt. International würden Facebook und Twitter mittlerweile schon stärker bei Katastrophen eingesetzt - etwa bei dem Erdbeben in Haiti.

„Vieles passiert momentan spontan“, sagt Neuberger zu der Situation in den Hochwassergebieten. „Es wäre gut, wenn es eine zentrale Stelle gebe, die so etwas wie eine Art redaktionelle Prüfung übernimmt“, regt er an. Das könne eine Kommune, oder auch eine Hilfsorganisation sein. Damit könnten Falschinformationen herausgefischt und korrigiert, Hilfe aber auch koordiniert werden.

Denn die Stärke der sozialen Medien ist zwar, dass sie schnell und mobil verfügbar sind - und zu spontanen Zusammenschlüssen führt. Dennoch betrachten Behörden und Kommunen das spontane Anpacken bisweilen mit Sorge. So hätten zum Beispiel eine über das Internet organisierte Gruppe ohne Anweisung Säcke auf einen Deich bei Dresden geschleppt, erzählt Katrin Schöne, Sprecherin der sächsischen Landestalsperrenverwaltung. „Teilweise waren sie mit Anhänger und Traktor gekommen.“

Dabei sei das weder notwendig noch nützlich gewesen. Ein Meter Sandsackmauer wiege eine Tonne, die dann zusätzlich auf den Deich drücke. Das Gewicht könne zu einem Abrutschen führen. Wer helfen will, solle sich besser an die Krisenstäbe wenden.

Überhaupt wirken die Aktionen in den Hochwasser-Städten bisweilen noch wie das Internet selbst: Vieles schwirrt umher, einige versuchen den Überblick zu bewahren. Der Unterschied: Während Facebook und Twitter nie schlafen gehen, lassen bei den Helfern irgendwann doch die Kräfte nach.

Jonas-Erik Schmidt, dpa

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