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BUND: Sachsen sollten nicht mehr am Wasser bauen - zu wenig Platz für die Flüsse

BUND: Sachsen sollten nicht mehr am Wasser bauen - zu wenig Platz für die Flüsse

Zehn Jahre nach der Jahrhundertflut fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) endlich die richtigen Lösungen gegen kommende Hochwasser. Statt Flüsse und Ufer zu betonieren sollten die Sachsen darauf verzichten, am Wasser zu bauen, erklärte der Verband jetzt in Dresden.

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Hubert Weiger, Vorsitzender der Umweltschutzorganisation „BUND“.

Quelle: dpa

Dresden. Die Geschichte der Flutschutzmauer in Rochlitz im Kreis Mittelsachsen könnte man geradezu ironisch finden, wenn sie nicht so tragisch wäre. Die Mauer, welche die Landestalsperrenverwaltung gegen den Widerstand vieler Rochlitzer mitten in die Stadt setzte, erwies sich Anfang Juli als wasserdicht. Sie versperrte zwar der Mulde den Weg in die Innenstadt - aber versperrte auch dem Oberflächenwasser den Weg in den Fluss. Nur zehn Minuten Starkregen brachten trotz teurer Mauer wieder immense Schäden in das Städtchen.

So sollte Hochwasserschutz nicht aussehen, sagt Wolfgang Riether, Landesgeschäftsführer des BUND. Laut den Naturschützern setzt der Freistaat angesichts immer öfter eintretender Hochwasser auf das falsche Pferd: "Der technische Hochwasserschutz macht 99 Prozent aller Maßnahmen in Sachsen aus", erklärt Riether. Der schöne Satz, dass die Flüsse mehr Raum bekommen sollten, sei aber zehn Jahre nach der verheerenden Flut von 2002 zur Sprechblase verkommen.

Stattdessen beobachten die Umweltverbände mit Sorge, dass immer mehr Eigenheime in Bach-Auen entstehen. Die Beispiele für solche Risiko-Bauten sind viele: "Auch der Elbepark in Dresden gehört da nicht hin", sagt Riether. Laut Umweltverbänden wurden in Sachsen von 33 Renaturierungsprojekten, die nach 2002 beschlossen wurden, bislang nur fünf umgesetzt. "Schon vor dem Jahrhundert-Hochwasser 2002 hatte die internationale Kommission zum Schutz der Elbe 35000 Hektar als mögliche Flächen für Deichrückverlegungen identifiziert", so der BUND-Flussexperte Winfried Lücking. Das sei allerdings kaum passiert. Ein weiterer Fehler: Der Freistaat habe die Chance verpasst, Auenflächen zu kaufen, als die Landwirte dazu bereit waren.

Mittlerweile sei die Bereitschaft der Landwirte zum Verkauf gleich null. Daran erkennt BUND-Vorsitzender Hubert Weiger, dass es immer noch nicht gelungen ist, den ökologischen Hochwasserschutz als Gemeinschaftsaufgabe zu etablieren. "Hochwasser vermeiden wir dadurch, dass es Breitwasser gibt", lautet Weigers einfache Botschaft.

Aber an Überschwemmungsflächen mangele es in Sachsen ebenso wie bundesweit. Und wo es sie gibt, sind die Böden oftmals durch jahrzehntelange Landwirtschaft mit schwerem Gerät so verdichtet, dass sie keinen Regen mehr aufnehmen können. Das ist für Experten eine der vielen Hochwasser-Ursachen. Eine weitere ist das Ausdünnen der Wälder. "Es muss alles getan werden, um die Entwaldung zu stoppen", fordert Hubert Weiger.

Weiger fordert zudem ein generelles Bauverbot für Tal-Auen. "Es sind die Bundesländer gewesen, die das nationale Hochwasserschutzgesetz aufgeweicht haben", so der BUND-Chef. "Sie verhinderten ein generelles Bauverbot in Überschwemmungsflächen." Stauanlagen zu bauen oder Deiche zu erhöhen suggeriere vielleicht Sicherheit - dadurch würden aber die Flutwellen flussabwärts umso höher.

Mit den nach der Flut 2002 investierten Geldern habe Sachsen vor allem Häuser und Straßen in den Überschwemmungsgebieten wiederhergestellt. "Und Hunderte Millionen Euro wurden für technische Hochwasserschutzmaßnahmen wie Deichverstärkungen, Bau von Rückhaltebecken und Uferbefestigungen ausgegeben", sagt Landesgeschäftsführer Wolfgang Riether, "zuwenig aber für den ökologischen Hochwasserschutz." Damit hat die schwarz-gelbe Staatsregierung nach Ansicht Riethers "dem Druck der Bau- und Agrarlobby" nachgegeben. Konkret hat der Freistaat bis 2020 rund eine Milliarde Euro für den Hochwasserschutz bereitgestellt - etwa die Hälfte ist bereits verbaut.

Christine Keilholz

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