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Hochwasserschutz in Sachsen: Umweltminister Kupfer droht Bürgerinitiativen

Hochwasserschutz in Sachsen: Umweltminister Kupfer droht Bürgerinitiativen

Sachsen macht künftig den Hochwasserschutz auch von der Akzeptanz in der Bevölkerung abhängig. Dort, wo Bürgerinitiativen jahrelang die geplanten Schutzmaßnahmen blockierten, werde nicht mehr gebaut, sagte Sachsens Umweltminister Frank Kupfer (CDU) am Mittwoch in Heidenau.

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Schloss und Park Weesenstein 2002 und zehn Jahre später.

Quelle: dpa

Heidenau/Glashütte. Allerdings müssten die Verantwortlichen dafür auch klar benannt werden. Unlängst hatte er bereits in einer Regierungserklärung im Landtag fehlende Mitwirkung von Bürgern beklagt. Immer mehr Forderungen in den Genehmigungsverfahren würden die Schutzmaßnahmen in die Länge ziehen und immer weiter verteuern. Kupfer stellte klar, dass nur begrenzt Geld für den Hochwasserschutz zur Verfügung steht.

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Dresden. Vor genau zehn Jahren stand die Elbe in Dresden 9,40 Meter hoch - ein historischer Rekord. Nach dem Jahrhunderthochwasser liefen länderübergreifende Bemühungen für einen besseren Schutz an. Jetzt liegt die Bilanz auf dem Tisch. Internationale Elbe-Experten sehen die Hälfte der Wegstrecke für einen besseren länderübergreifenden Hochwasserschutz am Fluss geschafft.

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Wie Anwohner dem Minister auf seiner Tour berichteten, gebe es dabei auch innerhalb der Orte Ärger. Denn so mancher Anwohner weigere sich, sein Grundstück für den Flutschutz bereitzustellen – Leidtragende seien dann oft die Nachbarn, die ihre Beitschaft gegeben hatten.

Der Minister sieht zehn Jahre nach der verheerenden Flut den Hochwasserschutz für die Gebirgsflüsse stark verbessert. „Die Maßnahmen an Müglitz und Weißeritz sind beispielhaft für ganz Sachsen“, sagte er bei einem Besuch ausgewählter Projekte im Müglitz- und im Weißeritztal. Die Beseitigung von rund 18.000 Schäden an den Gewässern sei im Wesentlichen fertig und habe etwa 900 Millionen Euro gekostet.

Weitere 530 Millionen Euro habe Sachsen in den Hochwasserschutz für Gewässer 1. Ordnung investiert. Für sie ist die Landestalsperrenverwaltung zuständig. 351 Vorhaben besäßen hohe Priorität, 80 davon seien vollendet, 55 im Bau sowie 216 im Plan- oder Genehmigungsverfahren. „Diese Zahlen zeigen erneut: Hochwasserschutz ist eine Generationenaufgabe. Wir dürfen in unseren Bemühungen nicht nachlassen“, erklärte der Minister. Denn: Die 530 verbauten Millionen seien nur ein Anfang. Alle Vorhaben im Freistaat zusammen hätten ein Volumen von rund zwei Milliarden Euro.

Kupfer zufolge trug ein ganzes Bündel an Vorkehrungen dazu bei, den Hochwasserschutz zu verbessern. Als Beispiel nannte er den Bau von Rückhaltebecken und die Erweiterung von Flussläufen. „Nur zusammen können diese Bausteine ihre Wirkung vollständig entfalten.“ Zu den Vorhaben für die Müglitz zähle eine Schutzanlage in Heidenau, die sich künftig zwischen der Mündung der Müglitz und dem Industrie- und Gewerbegebiet an der Elbe an vorhandene Deiche anschließen soll. Das gehe aber nicht ohne Einschränkungen. So werden Radfahrer auf dem Elberadweg künftig direkt neben mehr als einen Meter hohen Metallwänden in die Pedale treten.

In Glashütte ist der rund 20 Millionen Euro teure Bau des Hochwasserrückhaltebeckens weit vorangeschritten. Der Damm des bisherigen und kleineren Beckens war 2002 überströmt worden und gebrochen. Eine Lawine aus Schlamm und Wasser ergoss sich daraufhin über Glashütte. Weitere Rückhaltebecken sind in Planung, unter anderem in Bärenstein für die Große und Kleine Biela.

Der Weißeritz wurde unter anderem in Ulberndorf und Dippoldiswalde mehr Raum gelassen - durch zusätzliche Überflutungsflächen und ein breiteres Flussbett. In Dresden werden an der Weißeritz Projekte von der Stadtgrenze bis zur Elbmündung im Umfang von etwa 13,4 Millionen Euro umgesetzt. Die Weißeritz hatte zur Flut ganze Stadtviertel unter Wasser gesetzt und große Zerstörungen angerichtet. Unter anderem hatte der Fluss, der normalerweise keine zwanzig Zentimeter tief ist, den Hauptbahnhof metertief unter Wasser gesetzt.

Kupfer hatte unlängst die Bürger aufgefordert, ihre Erinnerungen an das Jahrhunderthochwasser wach zu halten und an Eigenvorsorge zu denken. Die verheerende Flut im August 2002 hatte 21 Menschen das Leben gekostet und einen Schaden in Höhe von 8,6 Milliarden Euro hinterlassen. Leider, so hätten Studien ergeben, sei das Problembewusstsein bei denen, die nicht selbst betroffen waren, inzwischen wieder so niedrig wie vor der Jahrhundertflut.

Stephan Lohse / dpa

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