Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
Die SG Striesen baute nach der Flut ihr Nachwuchszentrum wieder auf – und erlebt einen Boom

Die SG Striesen baute nach der Flut ihr Nachwuchszentrum wieder auf – und erlebt einen Boom

„Wir sind nach der Flut wieder aufgetaucht“, sagt Christian Lampe, Präsident der SG Striesen. Und wie! 1,60 Meter hoch stand der Sportplatz an der Augsburger Straße vor zehn Jahren unter Wasser.

Voriger Artikel
Die Flut bei Dresdens Ruderern: „Wir haben die Boote jeden Tag etwas höher gelegt“
Nächster Artikel
Dresden: Wiederaufbau des Straßen- und Schienennetzes dauerte bis 2011

Bei der SG Striesen spielen heute mehr Nachwuchsfußballer als noch 2002.

Quelle: Martin Förster

Dresden. Heute trainieren dort 250 Kinder, wie das Runde ins Eckige kommt – 70 mehr als noch im Sommer 2002, bevor die Elbe ihren alten Flussarm und mit ihm die Anlage der Nachwuchsabteilung der SG Striesen flutete.

Simone Werner bot sich damals ein trauriges Bild. Von den Toren ragten gerade noch die oberen 30 Zentimeter aus dem Wasser, die Baracken waren zur Hälfte in den braunen Fluten verschwunden. Für die Gebäude bedeutete das Hochwasser das Aus. „Sie waren damals schon sehr baubedürftig“, erinnert sich Werner, die heute die Vereinsgeschäftsstelle führt.

Außerdem fehlte es an Kabinen und sanitären Anlagen. Weil in der hinteren der beiden Baracke keine Dusche installiert war, mussten die Jungs nach dem Training immer in den anderen Flachbau zum Waschen flitzen. „Das war besonders im Winter wenig beliebt“, erinnert sich Werner, deren Sohn David 2000 in der F-Jugend begonnen hatte und inzwischen den Sprung in die Männermannschaft geschafft hat. „Aber es ist halt eben immer irgendwie gegangen“, sagt sie.

„Deswegen hätten wir ohne die Flut auch lange auf einen Neubau warten können“, meint Präsident Lampe. Aus heutiger Sicht habe man durch das Hochwasser „Glück im Unglück gehabt“, wie Werner betont. Denn nachdem das schlammbraune Elbwasser den Platz wieder freigegeben hatte, setzte eine Spendenflut ein. 198.000 Euro konnte die SG Striesen einsammeln. Gegeben haben Firmen und Privatleute aus ganz Deutschland, wobei Martina de Maizière, die Ehefrau des damaligen sächsischen Justizministers und heutigen Bundesverteidigungsministers, kräftig die Werbetrommel rührte.

Zwei Söhne der de Maizières trainierten damals auf dem Sportplatz an der Salzburger Straße. Um das Geld zu verwalten, wurde eigens ein Förderverein ins Leben gerufen, der bis heute noch besteht und dem Verein bei der Anschaffung von Spielgeräten und dergleichen hilft. Dies sollte verhindert, dass das Spendengeld für den Spielbetrieb zweckentfremdet wird. 2003 wurde der Boden der Spielflächen ausgetauscht. Im selben Jahr begann der Aufbau des neuen Nachwuchszentrums, das im Mai 2004 den Betrieb aufnehmen konnte.

Die Stadt, die genauso wie der Freistaat Fördermittel zum insgesamt 800.000 Euro teuren Gebäude beisteuerte, lobte damals die SG Striesen als Musterbeispiel. Für den Verein bedeutet das neue, aus Flutschutzgründen auf 1,80 Meter hohe Ständer gestellte Gebäude einen Quantensprung. Im Haus finden sich acht Spielerkabinen, eine für den Schiedsrichter, Duschen und Sanitäranlagen, ein großes Trainerzimmer, ein Versammlungsraum, eine Teeküche, ein Fitnessraum und sogar eine Sauna.

Um Hanteln zu stemmen oder in der Wärme zu entspannen, kämen häufig die sonst auf der Anlage an der Bärensteiner Straße trainierenden Spieler der Männermannschaften vorbei, erzählt Lampe. Mit dem Neubau setzte auch der Boom im SG-Nachwuchs ein. „Wir können aber nicht sagen, dass es nur an dem modernen Gebäude liegt“, meint Präsident Lampe. Immerhin habe man sich durch entsprechende Ergebnisse im Nachwuchs einen guten Namen erarbeitet. So werden in der neuen Saison alle Mannschaften der Altersgruppen A bis C in der Landesliga spielen.

„Das ist in dieser Form einmalig in Dresden“, sagt Lampe. Und ein Ergebnis harter Arbeit. So haben sich neun der derzeit 19 Trainer um einen Trainerschein bemüht. Den Rest schickt der Verein regelmäßig auf Lehrgänge, um die Qualität der Arbeit garantieren zu können. Der Erfolg hat allerdings auch eine Kehrseite: „Wir stoßen schon so langsam an die Kapazitätsgrenze“, sagt Simone Werner, deren Mann Frank heute Nachwuchsleiter ist. Täglich trainieren sieben Mannschaften auf der 30.000 Quadratmeter großen Anlage, mitunter auch acht. „Eigentlich müssten wir anbauen“, sagt Christian Lampe. Das ist allerdings gar nicht so einfach.

Der Grund: Der Platz zählt zum Überschwemmungsgebiet, weshalb dort – außer dem Ständerhaus – keine festen Bauten erlaubt sind. Eine Bestimmung, an die sich die Stadt nach den Erfahrungen des Hochwassers 2002 sehr streng hält. „Wir durften hier aus demselben Grund auch keinen Kunstrasen verlegen“, bedauert Lampe. Man muss im alten Elbarm mit der nächsten Überschwemmung rechnen. Die Sportgemeinschaft Striesen sieht sich vorbereitet.

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dresden
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr